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Weltraumforschung: Europa muss aufholen

Ratspräsi2Go mit Leikert und Jarzombek

Weltraumforschung ist ein Bereich, den die Menschen in seiner Bedeutung für ihren Alltag gerne unterschätzen. Faktisch gäbe es ohne Satelliten keine Navigationssysteme und weniger Erkenntnisse über den Klimawandel. „Europa im Weltraum“ war daher das Thema der siebten digitalen Veranstaltung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft.

Satelliten sind entscheidend für die Infrastruktur

Katja Leikert, die stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende, die die „Ratspräsi2Go“ regelmäßig veranstaltet, betonte, dass die Raumfahrt längst nicht mehr als Prestigeobjekt aus den Zeiten des Kalten Krieges gesehen werden dürfe, sondern heute entscheidend sei für unsere Infrastruktur. Sie mahnte: „Europa muss dringend aufholen, um in der Raumfahrt nicht komplett abgehängt zu werden.“ 
Dabei verwies sie auf das private amerikanische Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmen SpaceX des umtriebigen Unternehmers Elon Musk. SpaceX hatte in der vergangenen Woche erstmals seit Einstellung des NASA-Spaceshuttle-Programms 2011 eine internationale Astronauten-Crew von amerikanischem Boden aus zur internationalen Raumstation ISS geflogen. Beim zweiten operativen Flug von SpaceX im Frühjahr 2021 soll ein Astronaut der Europäischen Weltraumagentur ESA mit an Bord sein.

Es geht nicht nur um Raketen

Auch Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt und CDU-Abgeordneter, betonte, die Raumfahrt sei die Grundlage für eine gute Infrastruktur, dafür, dass das tägliche Leben reibungslos funktioniere, obwohl keiner etwas davon mitbekomme. Bei der Raumfahrt gehe es keinesfalls nur um Raketen, auch wenn diese die sichtbarste Komponente seien. In Deutschland hat die Raumfahrt laut Leikert rund 10.000 Mitarbeiter. „Sie ist längst aus den Kinderschuhen heraus“, betonte die Fraktionsvize.
Auf EU-Ebene bietet das Satellitennavigationssystem Galileo seit 2016 seine Dienste an, die den Alltag der Bürger und Unternehmen verbessern, zum Beispiel genaue Ortungs-, Navigations- und Zeitsignale. Jarzombek nannte Galileo absolut erfolgreich. Angesichts eines mehrwöchigen Ausfalls im vergangenen Jahr sprach er sich allerdings für eine Nachrüstung mit Reservesatelliten aus. Sonst könne die Reputation von Galileo bei institutionellen und professionellen Anwendern geschwächt werden. 

„Raumfahrt wird in Zukunft noch wichtiger, als sie schon ist“, sagte Jarzombek. Vor allem seien die kommerziellen Betriebe für die Zukunft entscheidend. Die europäische Antwort auf Shuttle wie SpaceX ist derzeit die Trägerrakete Ariane 6. Jarzombek bedauerte, dass sie sehr spät komme und teurer geworden sei als geplant. Der erste Start sei für 2022 geplant. 

Als neue Wege in den Weltraum setzt die europäische Weltraumagentur ESA inzwischen auch auf sogenannte Microlauncher, leichte Trägerraketen, die Kleinsatelliten punktgenau im Orbit absetzen. Mit „New Space“ entstehe ein „richtig großes Business“ mit neuen Akteuren und privaten Geldern, sagte Jarzombek.