Bundestag Kriegende 2945

Thema des Tages


(Quelle: pa/Keystone)
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Nicht wegsehen – Nicht schweigen

Ende des Zweiten Weltkrieges jährt sich zum 75. Mal 

Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Die Erinnerung an diesen Tag vor 75 Jahren sei „für uns beständige Mahnung und Verpflichtung, für Frieden, Freiheit und die Würde des Menschen aktiv einzutreten“, sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus.

„Deutschland hat mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Nationalsozialismus unendlich viel Leid über Europa und die ganze Welt gebracht“, fügte Brinkhaus hinzu. Er empfinde es deshalb „als großes Geschenk, dass wir Deutsche seit 75 Jahren in Frieden mit unseren Nachbarn und in einem geeinten Europa leben dürfen“. 

Für Toleranz, Menschenrechte und Demokratie

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gitta Connemann sprach von dem Jahrestag als einem „Mahnmal“. Was damals geschehen sei, könne wieder geschehen, warnte sie. In vielen Ländern gebe es wieder Gruppen, die sich als überlegen betrachteten und die Rechte anderer in Frage stellten. Die Folgen seien Diskriminierung, Ausgrenzung, Verfolgung bis hin zum Mord - auch in Deutschland. „Der 8. Mai mahnt uns alle, für Toleranz, Menschenrechte und Demokratie einzustehen. Wir dürfen nicht wegsehen, weghören, schweigen. Bedenkt das Ende. Jeder von uns ist gefordert“, forderte Gitta Connemann.

Der von Deutschland entfesselte größte Krieg in der Geschichte der Menschheit hatte sechs Jahre gedauert und mehr als 60 Millionen Todesopfer gefordert. Der sogenannte VE-Day (Victory in Europe) spielt in der Erinnerung der seinerzeit von deutschen Truppen besetzten Staaten Europas eine wichtige Rolle. 

Ambivalenz in der Nachkriegszeit

In Deutschland, vor allem in der Bundesrepublik, kam diesem Tag lange eine gemischte Bedeutung zu. Für zahlreiche Zeitzeugen war er verbunden mit der Erinnerung an eine Niederlage, die mit teilweise schrecklichen persönlichen Folgen einherging. In der DDR wurde der 8. Mai zwischenzeitlich als Tag der Befreiung begangen, nämlich von 1950 bis 1967 und einmalig wieder 1985. 

Weizsäckers Rede – ein Wendepunkt

In der Bundesrepublik markierte die Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 vor dem Deutschen Bundestag einen Umbruch im Umgang mit dem Kriegsende. Weizsäcker plädierte dafür, den 8. Mai auch in Deutschland als einen Tag der Befreiung zu verstehen. „Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Kranzniederlegung statt Staatsakt

Für den 75. Jahrestag des Weltkriegsendes war ursprünglich ein großer Staatsakt auf dem Platz der Republik in Berlin – dem Gelände zwischen Reichstag und Kanzleramt - vorgesehen gewesen. In Anbetracht der Coronavirus-Pandemie musste die Veranstaltung abgesagt werden. Stattdessen legen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Präsidenten der weiteren Verfassungsorgane an der Neuen Wache in Berlin einen Kranz nieder. In einer Ansprache gedenkt Steinmeier der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Zweiten Weltkriegs.