Enquete-Kommission soll Potenziale Künstlicher Intelligenz ausloten

Text und Interview


(Quelle: picture alliance/ Maximilian Schönherr)
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Enquete-Kommission soll Potenziale Künstlicher Intelligenz ausloten

Der Bundestag setzt in dieser Sitzungswoche die Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz (KI) ein. Denn KI ist einer der größten technologischen Treiber der Digitalisierung und ein zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Kommission soll sich nun mit der gesellschaftlichen Verantwortung, aber auch mit den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Potenzialen befassen. Handlungsempfehlungen werden im Spätsommer 2020 erwartet. Über die Chancen und Risiken selbstlernender Maschinen Nadine Schön, stellvertretende Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Frau Schön, wozu braucht es eine Enquete-Kommission?

Schön: KI ist der größte Treiber der Digitalisierung und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Angesichts der immens wachsenden Datenmengen, der immer größeren Leistungsfähigkeit der Rechner und der immensen Summen, die in diesen Bereich investiert werden, sind in immer kürzeren Abständen weitere Durchbrüche zu erwarten. Insofern müssen wir auch als Gesetzgeber die Weichen richtig stellen. Wir müssen unsere Rolle national, europäisch und global sowie wirtschaftlich, gesellschaftlich und ethisch definieren. Das besondere Format einer Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag, dem Herzen unserer Demokratie, ist dafür bestens geeignet. Hier werden 19 Abgeordnete und genauso viele Sachverständige diskutieren, an welchen Stellen es Handlungsbedarf gibt.

Welchen Nutzen ziehen die Menschen denn aus der KI?

Schön: Schon heute nutzen die Bürger Künstliche Intelligenz, um sich das Leben zu erleichtern. Denken Sie beispielsweise an die digitalen Sprachassistenten diverser Firmen. Gesellschaftlich bedeutsamer sind aber Bereiche wie Mobilität, Medizin oder Nahrungsmittelproduktion. So können wir beispielweise mit KI den Verkehrsfluss lenken und damit Fahrzeiten verkürzen.

Und welche Risiken sehen Sie?

Schön: Künstliche Intelligenz ist nur ein Werkzeug. Wie jedes Werkzeug kann es auch missbraucht werden. Zum Beispiel kann man mit KI Meinungen gezielt beeinflussen oder Fotos und Videos verfälschen und so einen Beitrag zur Verbreitung von „fake news“ leisten. Hier kommt wieder die Politik ins Spiel: Wir müssen die Leitplanken feststecken.

Wie wollen Sie erreichen, dass Deutschland Weltmarktführer in Sachen KI wird?

Schön: Da spielt natürlich Forschung eine ganz große Rolle. Die Ausgangslage in Deutschland ist sowohl bei der Grundlagen- als auch bei der angewandten Forschung gut. Mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) verfügen wir über das größte KI-Institut weltweit. Das DFKI, aber auch die Fraunhofer Gesellschaft sorgen dafür, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Anwendung in der Wirtschaft kommen. Hier müssen wir am Ball bleiben. Wir wollen eine schnellere Wertschöpfung.

Was passiert mit den riesigen Datenmengen, die anfallen? Kann man Datenschutz überhaupt noch gewährleisten?

Schön: Die Datenmenge ist in der Tat gigantisch, die die „selbstlernenden“ Rechner brauchen. Bei den Daten müssen wir zwischen personenbezogenen und Maschinen-Daten unterscheiden. Sensibler ist die Nutzung von erstgenannten Daten. Mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung haben wir seit Mai 2018 einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen. Anwendungen auf der Basis von KI, Blockchain oder Big Data wurden hier aber kaum mitgedacht. Das ist in meinen Augen ein großes Problem. Die Enquete-Kommission wird also auch darüber sprechen, wie ein moderner Datenschutz aussehen kann. 

Das ausführliche Interview können Sie in der neuen Ausgabe von „Fraktion direkt“ lesen, die am 1. Juli erscheint.