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Wald in Not

Unionsfraktion diskutiert über Waldumbau

Ein Drittel der Fläche Deutschlands ist mit Wäldern bedeckt. Sie sind nicht nur Erholungsraum, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In letzter Zeit jedoch haben Dürre, Stürme und Schädlingsbefall den Wäldern enorm zugesetzt. Vor dem Hintergrund des Klimawandels hat die CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu einem Kongress unter dem Motto „Unser Wald braucht Zukunft“ eingeladen, auf dem sie mit Forstexperten und Vertretern der Holzwirtschaft über nachhaltige Lösungen diskutierte.

„Wir wissen, dass der Wald in Not ist“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Gitta Connemann. Weil ein Waldumbau über Generationen verlaufe, sei es wichtig, dass die Politik jetzt nachhaltige Antworten gebe. Wenn man das versäume, lege man buchstäblich die Axt an unsere Kulturlandschaft, befürchtete Fraktionschef Ralph Brinkhaus. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt forderte einen Dreiklang an Reaktionen: die Waldforschung stärken, die naturnahen alten Wälder besser schützen und den Rohstoff Holz besser nutzen.

Es geht um Geld

Um den Wald zu retten braucht es nach Ansicht von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zunächst einmal Geld. Die Mittel dürften aber nicht nur für die akute Schadensseitigung ausgegeben werden, sondern müssten auch in die Forschung fließen, etwa was den Waldumbau und die Nutzung des Rohstoffes Holz angehe. Vor allem aber müsse man sich entscheiden, welche Art Wald man künftig haben wolle. Es gehe um einen Mix aus heimischen und fremden Bäumen, der zum jeweiligen Standort passe und der gut mit dem veränderten Klima leben könne. Zudem müsse man der Holzindustrie die Chance geben, sich auf die neuen Hölzer einzustellen. 

Chance für heimische Baumarten gefordert

Eine Chance für die heimischen Baumarten forderte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, Hans von der Goltz. Auf kleineren Flächen könne man aber fremdländische Baumarten zulassen, um zu schauen, wie sie sich entwickelten. „Der Mischwald ist der Wald der Zukunft“, sagte von der Goltz. Den politischen Akteuren warf er vor, ihr Handeln zu sehr darauf auszurichten, Krisen zu bewältigen: „Die Vorsorge kommt zu kurz.“

Wald muss Kohlenstoffsenke bleiben

„Der Wald muss unsere Kohlenstoffsenke bleiben, sonst kriegen wir die Klimaherausforderungen nicht gemeistert“, forderte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck. Er bemängelte vor allem den kontinuierlichen Personalabbau der vergangenen 15 Jahre in der Forstwirtschaft, der auch eine Vergrößerung der Forstreviere zur Folge gehabt habe. „Langfristig brauchen wir qualifiziertes Personal“, forderte er. Dieses müsse aber zunächst ausgebildet werden. 

Mehr Personal – Kleinere Forstreviere

Dieselbe Meinung äußerte Dietmar Hellmann, Forstdirektor im Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis. 50 Prozent Personalabbau in den vergangenen Jahrzehnten mache sich jetzt negativ bemerkbar. Zudem müssten die Forstwirte besser bezahlt und die Reviere verkleinert werden. Sonst könne man mit Blick auf den Klimawandel kein Risikomanagement aufstellen. „Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit von der Politik, nicht nur in Katastrophenjahren“, meinte Hellmann. Er forderte auch mehr Zusammenarbeit mit Naturschutz- und Wanderverbänden oder mit Sportlern, die den Wald nutzten. 

Für eine Forstwirtschaft 4.0

Eine Lanze für die Forstwirtschaft 4.0 brach die Geschäftsführende Direktorin des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik, Ute Seeling. Kleine Bausteine der Vernetzung gebe es schon - wie den Einsatz von Drohnen oder die Ausstattung der Forstmaschinen mit Bordcomputern. Vor allem aber werde ein flächendeckendes Mobilfunknetz im Wald gebraucht. „Viele Lösungen sind ohne Netz nicht zu realisieren“, sagte Seeling.