Papst Johannes Paul II. gemeinsam mit Helmut Kohl am Brandenburger Tor (1996)

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(Quelle: picture alliance | dpa)
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Unionsfraktion würdigt den Jahrhundert-Papst

Zum 100. Geburtstag von Johannes Paul II.

Er war eine Symbolfigur für all jene, die wegen ihres Glaubens unterdrückt wurden: Karol Wojtyla kämpfte für die Einheit der Christen in Ost und West. Noch heute wirkt sein Werk fort.

„Non abbiate paura“ – „Fürchtet Euch nicht": Mit diesen mutigen, diesen optimistischen und lebensbejahenden Worten wandte sich Papst Johannes Paul II. wenige Tage nach seiner Wahl an die Christen auf dem Petersplatz und die Menschen in aller Welt. Dieser einfache Satz, gesprochen im Oktober 1978, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, hatte Signalwirkung: Viele Gläubige hinter dem Eisernen Vorhang, die in kommunistischen Regimen unterdrückt und wegen ihrer Religion verfolgt wurden, schöpften Hoffnung. 

Papst
Foto: Bundesregierung | Engelbert Reineke

Und sie wurden nicht enttäuscht: Karol Wojtyla sollte sich während fast 27-jährigen Pontifikats wortgewaltig in die Weltpolitik einmischen und einen entscheidenden Beitrag zum Fall des Kommunismus leisten. Am 18. Mai wäre Papst Johannes Paul II. 100 Jahre alt geworden. 

Konfrontationskurs gegen rote Machthaber

Karol Wojtyla wurde 1920 in Wadowice, Polen, geboren. 1942 trat er, geprägt von dem Schrecken, den die Nazi-Herrschaft über seine Heimat gebracht hatte, dem Priesterseminar der Erzdiözese Krakau bei, das im Untergrund noch existierte. 1946 wurde er zum Priester geweiht. 1958, im Alter von nur 38 Jahren, berief man Wojtyla zum Weihbischof von Krakau. 1978 wurde er als erster Nichtitaliener nach 455 Jahren zum Papst gewählt.

Johannes Paul II. hatte eine enorme Medien-Präsenz: Er war beliebt, sein einnehmendes Wesen und sein Charisma führten dazu, dass die Welt ihm zuhörte. Von Anfang an machte er aus seinem Konfrontationskurs gegen die roten Machthaber keinen Hehl. Er warb ganz offen für die Einheit der Christen von West und Ost und wurde zur Symbolfigur des Widerstands gegen das kommunistische System.

Die Menschen hatten ihre Angst verloren

Die erste Reise von Johannes Paul II. in seine polnische Heimat im Juni 1979 gilt bis heute als politisch folgenreichste Papstreise der jüngeren Geschichte: Bereits beim ersten Gottesdienst am 2. Juni, dem Pfingstsonntag, wurde klar, dass die Kommunisten die Lage nicht mehr unter Kontrolle hatten: Die Menschen hatten ihre Angst verloren, 300.000 Gläubige fluteten den Warschauer Siegesplatz. Nach den theologisch-politischen Predigten, mit denen er dann auch in Gnesen, Tschenstochau und Krakau Millionen erreichte, war Polen ein verändertes Land. Im Jahr darauf wurde die Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ gegründet, die mit ihren Streiks die Machtbasis des Regimes nachhaltig ins Wanken brachte. Der zähe Widerstand der Polen ermutigte die Opposition auch in den anderen Ländern des Ostblocks. Ein Jahrzehnt später war der Eiserne Vorhang Geschichte.

Auf mehr als 100 Reisen durch die ganze Welt und bis an die Grenzen seiner Kräfte setzte sich Johannes Paul II. für Frieden und Gerechtigkeit ein. Immer wieder suchte er den Dialog mit den orthodoxen Kirchen und den interreligiösen Dialog mit dem Judentum und dem Islam. Papst Johannes Paul II. starb am 2. April 2005 im Alter von 84 Jahren nach langer schwerer Krankheit.

Überwindung der Teilung Europas

Hermann Gröhe, der Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, würdigte nun den Papst anlässlich dessen 100. Geburtstages: „Johannes Paul II. hat die Katholische Kirche über 26 Jahre lang geführt und nachhaltig geprägt. Als polnischer Staatsbürger rief er anlässlich seiner Amtseinführung vom Petersplatz aus den Menschen hinter dem Eisernen Vorhang zu ‚Fürchtet Euch nicht!‘. 

Papst und Kohl
Foto: Bundesregierung | Julia Faßbender

Durch sein Wirken und seine klaren Botschaften wurde er für viele zum Vorbild und trug zur Überwindung der jahrzehntelangen Teilung Europas entscheidend bei. Seine große Bedeutung für die Katholische Kirche verdeutlicht sich auch in seiner Heiligsprechung durch Papst Franziskus im Jahr 2014. Unvergessen ist bei vielen Bundesbürgern seine letzte Reise nach Deutschland 1996 – verbunden mit dem Besuch des Brandenburger Tores im wiedervereinigten Berlin, gemeinsam mit Bundeskanzler Helmut Kohl.“