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(Quelle: CDU/CSU-BUndestagsfraktion/Julia Nowak)
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Über den Nutzen von Apps im Gesundheitswesen

Kongress der Unionsfraktion zur „Zukunft E-Health“ – Mehrwert für den Patienten gefordert

Ob in der Wirtschaft, im Arbeitsleben oder im Alltag – ohne digitale Anwendungen läuft kaum noch etwas. Auch den Gesundheitsbereich haben Apps inzwischen erobert. An vielen Stellen erleichtern sie das Leben von Ärzten, Patienten und Pflegekräften. Über die Chancen von Apps im Besonderen und den Nutzen der digitalen Gesundheitsversorgung im Allgemeinen diskutierte die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Mittwoch mit Experten aus dem Gesundheitswesen und der Wirtschaft. „Die Fraktion betrachtet sich als Innovationslabor“, sagte ihr Vorsitzender Ralph Brinkhaus zur Eröffnung.

„Wir müssen einordnen, was den Patienten wirklich nutzt, und wie die nützlichen Anwendungen ins Gesundheitssystem eingeschleust werden können“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag, auf dem Kongress zur „Zukunft E-Health“. Der Vorsitzende der Jungen Gruppe, Mark Hauptmann sprach von einer „hohen Verantwortung des Gesetzgebers“. Er sah aber vor allem Chancen in den technologischen Veränderungen.

Die Ära der Faxe beenden

Eine digitale Anwendung, die alle Experten herbeisehnen und die soeben im Rahmen eines Gesetzes auf den parlamentarischen Weg gebracht wurde, ist die elektronische Patientenakte. Susanne Johna, Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer, forderte, „Wir müssen die Ära der Faxe muss endlich ablösen.“
Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte die Erwartung, dass die elektronische Patientenakte die Kommunikation im Gesundheitswesen revolutionieren werde. Es müssten jetzt nur noch die Schnittstellen definiert und die Dateiformate festgelegt werden. Das Gesetz verpflichtet die Krankenkassen, den Patienten spätestens 2021 die elektronische Patientenakte zur Verfügung zu stellen. 

Warten auf die Telemedizin 

Grundlegende Verbesserungen in der Patientenversorgung sollen auch das elektronische Rezept und die Telemedizin bringen. Von Vorteil ist die Online-Sprechstunde laut Maag vor allem für immobile Patienten und solche mit ansteckenden Krankheiten. Dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin, Gernot Marx, dauert die Einführung der Telemedizin viel zu lange. Er forderte ein Anreizsystem für ihre Überführung in die Regelversorgung. Sie erlaube eine Expertise unabhängig von Raum und Zeit: 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, egal wo.

Ende der Insellösungen

Johna beklagte zu viele Insellösungen in Krankenhäusern und Praxen. „Wir müssen die Daten endlich zusammenführen.“ Die Doppelerfassung wegen nicht kompatibler Systeme sei eine unglaubliche Zeitverschwendung. Professor Christof von Kalle vom Deutschen Krebsforschungszentrum ging sogar so weit zu sagen, dass durch die Nichtauswertung von Daten zahlreiche Menschen zu Tode kämen. In dieser Hinsicht bemängelte er auch Auswüchse beim Datenschutz. 

Keinen gläsernen Patienten

Auch Spahn beklagte, zu viele Daten „liegen ziemlich ungenutzt herum“. Pseudonymisiert und anonymisiert könnten sie der Forschung zur Verfügung gestellt werden. Die Souveränität des Einzelnen über seine Daten müsse allerdings erhalten bleiben. „Wir wollen keinen gläsernen Patienten.“ Spahn verwies auch auf die Möglichkeit der Datenspende.  

Spahn äußerte die Erwartung, dass die Digitalisierung auch die Berufe im Gesundheitswesen „ziemlich fundamental verändern wird“. Die Sprecherin des Forums Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband, Leonor Heinz, warnte davor, dass Ärzte nur noch Angestellte von Konzernen sein könnten, die den Patienten deren Medizinprodukte zuschustern würden. Marx sah voraus, dass es angesichts der Fülle an verfügbarem Wissen und Daten ohne die Technik nicht gehen werde. Man müsse aber einen echten Patientennutzen generieren. Auch Johna wünschte sich eine Plattform, über die sie herausfinden könne, von welchen Apps Patienten wirklich profitierten.