Expertengespräch "Erhalt des Kulturorts Kino"

Thema des Tages


(Quelle: Julia Novak)
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„Zukunftsprogramm Kino“ soll schneller an den Start

Bund will Kinos im ländlichen Raum fördern

Mit dem neuen „Zukunftsprogramm Kino“ will die große Koalition Kinos im ländlichen Raum unterstützen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion möchte nicht nur einen schnellen Start des Programmes, sondern auch, dass das Geld an der richtigen Stelle ankommt und tatsächlich hilft, Kinos zu erhalten. Die Kulturpolitikerinnen der Fraktion haben Kinobetreiber und Vertreter von Filmfördereinrichtungen ins Delphi-Lux-Kino in Berlin eingeladen, um aus der Praxis zu erfahren, wie die Förderung am besten wirken kann. 

Erhalt des Kulturorts Kino

Elisabeth Motschmann, kulturpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zeigte sich zwar sehr zufrieden, dass – auf Initiative der Unionsfraktion -  ein „Zukunftsprogramm Kino“ für den ländlichen Raum in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde. Aber: „Wir brauchen jetzt klare Kriterien, wo und wie das Geld am sinnvollsten eingesetzt wird.“ Ziel sei der Erhalt des Kinos als Kulturort.

Günter Winands, der als Abteilungsleiter Kultur im Kanzleramt für die Ausgestaltung des Förderprogrammes zuständig ist, erläuterte, dass es sich um ein gemeinsames Programm von Bund, Ländern und der Kinobranche handeln solle. Offen sei derzeit nicht nur, nach welchen Kriterien die Fördermittel vergeben werden, sondern auch, was unter „ländlichem Raum“ zu verstehen sei. Peter Dinges, Vorstand der Filmförderungsanstalt, schlug Gemeinden mit bis zu 50.000 Einwohnern vor. Dort seien die meisten Kinos von Schließungen betroffen. Claas Danielsen von der Mitteldeutschen Medienförderung ergänzte, dass manche Regionen im Osten Deutschlands bereits kulturell tot seien. Kinos haben als kulturelle Zentren in den ländlichen Regionen eine wichtige Funktion. 

Kinobetreiber müssen kreativ sein

Um diese zu erfüllen und Jugendliche „von der Bushaltestelle weg und ins Kino zu bekommen“, müssen Kinobetreiber viel mehr tun, als nur Filme zu zeigen, berichtete Matthias Helwig, der selbst in Bayern drei Kinos betreibt. Die Kinos könnten junge Menschen nur durch gezielte Ansprache erreichen und müssten auch in den sozialen Medien arbeiten. Dazu fehle vielen Kinobetreibern die Ausbildung, die Zeit und das Geld. Thomas Negele, Vorsitzender von HDF Kino, sieht die Kinos hier in Konkurrenz mit Streaming-Diensten. In den letzten Jahren verbrächten Menschen ihre Freizeit zunehmend mit Online-Angeboten. Viele Kinos hätten keine Rücklagen mehr bilden können und seien jetzt akut bedroht. Durch die Schließung dieser Kinos gerade im ländlichen Raum drohe ein Strukturwandel, der später nicht so einfach wieder rückgängig gemacht werden könne. 

Doch was ist wichtiger: Investitionen in Technik, Gebäudesanierung und Brandschutz? Oder doch Filmpädagogik und Zielgruppenansprache? Ist jedes Haus als solches wertvoll oder sollen nur die gefördert werden, die ein besonderes Programm anbieten? Strukturförderung oder Kulturförderung?

Felix Bruder, Vertreter der Arthouse-Kinos, hält es für sinnvoll, den Kinos bei größeren Investitionen unter die Arme zu greifen, etwa wenn es um die Lüftung und den Brandschutz geht. Dann hätten sie mehr Spielraum für pädagogische Angebote. Borjana Gakovic vom Bundesverband kommunaler Kinoarbeit würde hingegen den Schwerpunkt lieber auf der Kulturförderung sehen, die besondere inhaltliche Programmgestaltung belohnt. 

Kino statt Netflix und Co.

Für Yvonne Magwas, Filmberichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Moderatorin des Abends, nutzen die Kinos die bereits existierenden Fördertöpfe für Investitionen wie Gebäudesanierungen noch nicht genug. Da fehle es leider manchmal auch bei den Bürgermeistern an Überzeugung und Kreativität. Gitta Connemann sagte am Ende der Veranstaltung zu, dass das Zukunftsprogramm Kino bereits im kommenden Jahr ins Rollen kommen soll. Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion brach eine leidenschaftliche Lanze für das Kino als Ort der Sehnsucht und der Emotionen, der nicht durch Streaming auf der heimischen Couch ersetzt werden könne. Gerade in der Fläche Kinos zu erhalten sei ein wichtiger Beitrag zu lebenswerten ländlichen Räumen.