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Artur Auernhammer: Der Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft hat sich enorm reduziert

Rede zum Haushaltsgesetz 2020 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (Epl. 10)

Geschätzter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren jetzt schon sehr lange über die deutsche Agrarpolitik, und ich danke der Bundesministerin Julia Klöckner für die Vorstellung des Haushaltes. Es ist wieder ein Rekordhaushalt von über 6,5 Milliarden Euro.

Vieles ist bereits gesagt. Notwendiger denn je ist es aber heute, die Stimme zu erheben für eine wettbewerbsfähige, nachhaltige und bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland. Es geht um die Zukunft unserer Bäuerinnen und Bauern, und es geht um noch viel mehr: Es geht auch um die Zukunft der jungen Menschen im ländlichen Raum, die sich in diesen Wochen, in diesen Tagen dazu entschlossen haben, den Beruf des Landwirts, den Beruf der Bäuerin zu erlernen oder ein Studium in der Landwirtschaft zu beginnen. Sie wollen eine Perspektive in der Landwirtschaft und keine Diskussion, wie sie heute hier teilweise geführt worden ist, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Die Stimmungsmache in Bezug auf die Landwirtschaft hat schon fast etwas Flächenbrandartiges, angefeuert von linksgrüner Ideologie, von NGOs,

(Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sind Sie jetzt bei der AfD, oder was?)

die nicht müde werden, die Landwirtschaft in ihrer gesamten Breite zu verteufeln.

(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich sage nur: Seit 14 Jahren stellen Sie den Landwirtschaftsminister!)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, das lassen wir Ihnen nicht durchgehen.

(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 14 Jahre!)

Eben wurden die Antibiotika angeprangert. Sie haben kein Wort davon gesagt, wie der Antibiotikaeinsatz in der Humanmedizin ist. Sie haben kein Wort davon gesagt, wie viele Antibiotika die Menschen eigentlich zu sich nehmen und dass das dann im Abwasser landet und dann wieder in den Kreislauf kommt. Auch das gehört zur Wahrheit dazu.

(Carina Konrad [FDP]: Das stimmt!)

Der Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft hat sich enorm reduziert.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Heute haben wir auch wieder gehört, wir müssten noch mehr in die Bioproduktion einsteigen, wir müssten noch mehr Betriebe dazu bewegen, umzustellen. Wir sind längst aus der ideologischen Diskussion heraus. Die Betriebsleiter heute entscheiden nach rein betriebswirtschaftlichen Argumenten. Ich kann Ihnen Betriebe zeigen, ich kann Ihnen Milchbauern zeigen, die auf Biomilch umstellen wollen. Die gehen zu ihrer Molkerei, und die Molkerei sagt: Sorry, wir haben zu viel Biomilch; wir können sie nicht mehr vermarkten. Auch das gehört zur gesamten Wahrheit dazu.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Ich sehe ja ein, dass wir eine öffentliche Diskussion haben, die sehr unterschiedlich gelagert ist. Wir haben viele Menschen, die über die Landwirtschaft diskutieren, die kluge Vorschläge machen, aber wir haben auch die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Es sollte unsere Aufgabe als Politik sein, hier auch als Brückenbauer unterwegs zu sein und diese wieder zusammenzuführen. Teile dieser Debatte haben nicht dazu geführt.

Es gibt vieles, was wir in letzter Zeit der deutschen Landwirtschaft zugemutet haben. Ich denke an die Düngeverordnung. Wir haben 2017 eine Düngeverordnung erlassen, die viele Betriebe vor große Schwierigkeiten stellt und die sich auch auf die kleinbäuerlichen Strukturen enorm auswirkt. Viele kleinbäuerliche Betriebe können diese Auflagen nicht erfüllen. Sie können nicht in neue Technik investieren. Sie werden die Lösung nehmen, dass sie sagen: Wir steigen aus. – So ist es mit vielen Aufgaben. Wenn wir nicht aufpassen, wenn wir mit den ganzen Auflagen unserer Landwirtschaft noch mehr auf- bürden, dann ist dies eigentlich ein Befeuern des Strukturwandels, und dagegen müssen wir kämpfen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, in diesem Sommer waren viele Kolleginnen und Kollegen im Walde unterwegs. Das finde ich positiv. Es hilft aber nicht, Bäume nur zu umarmen; man muss auch etwas tun für den deutschen Wald.

(Heiterkeit der Abg. Carina Konrad [FDP] – Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ist das ein Hinweis für die Ministerin, oder  was?)

Der deutsche Wald braucht unbedingt unsere Unterstützung. Man muss den Wald pflanzen, und man muss ihn pflegen. Man muss den Wald schützen, aber man muss ihn auch nutzen dürfen. Teile dieses Hauses sind der Meinung, den Wald sollte man nicht nutzen, sondern stilllegen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, auch der deutsche Wald ist ein Riesen-CO2-Speicher, ein Riesenlieferant von Baustoffen und auch ein Energielieferant. Das müssen wir noch stärker in den Fokus rücken. Damit sind wir gut unterwegs im deutschen Wald.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Wir werden die anstehende Beratung nutzen, um über das eine oder andere zu diskutieren. Ich könnte jetzt noch etwas zum Tierwohl-Label sagen, aber ich möchte nur anmerken, dass mir eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung wichtig ist, damit der Verbraucher weiß, wo das Produkt herkommt. Viele Verbraucher sagen uns, sie wollen wissen, wo das Produkt herkommt. Wenn draufsteht, das Produkt kommt aus Deutschland – noch besser: es ist aus Bayern, dann kauft er es auch. Wenn das Produkt aus anderen europäischen Ländern oder aus Ländern der übrigen Welt stammt, ist er vielleicht etwas zurückhaltend.

(Rainer Spiering [SPD]: Die Bundesländer!)

Ich habe nicht Nordrhein-Westfalen erwähnt, Herr Kollege, keine Angst. Hier brauchen wir eine noch etwas weiter gehende Entwicklung, aber ich glaube, wir sind im parlamentarischen Verfahren in einer guten Diskussion.

Insgesamt muss man sagen: Die Motivation der jungen Menschen, die jetzt in die Landwirtschaft einsteigen, die jetzt den Beruf ergriffen haben, die jetzt an die Universitäten gehen, um Landwirtschaft zu lernen, ist sehr groß. Wir wollen dazu beitragen, dass diese Motivation anhält und dass sie eine gute Zukunft haben.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)