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Yvonne Magwas: "Familie und beruflicher Aufstieg dürfen sich nicht ausschließen"

Rede zum Internationalen Frauentag

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Internationale Frauentag ist immer wieder ein guter Anlass, zu schauen: Wie steht es denn um die Gleichberechtigung? Vor 25 Jahren wurde bei der Vierten Weltfrauenkonferenz die Pekinger Erklärung verabschiedet. Damals wurden strategische Ziele und Maßnahmen beschlossen, um die Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen weiter voranzutreiben. Die Erwartungen waren groß.

25 Jahre nach Peking müssen wir jedoch feststellen, dass der Fortschritt bei der Gleichstellung von Frauen und Mädchen weltweit viel zu langsam eingetreten ist. In einigen Ländern wie zum Beispiel in den USA oder in Italien ist sogar ein Rückschritt feststellbar. Bis heute wurde die vollständige Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen in keinem einzigen Land erreicht – so heißt es in der Erklärung zum 25-jährigen Jubiläum der Vierten Weltfrauenkonferenz. Dieses Fazit muss uns traurig stimmen. Frauenrechte sind nämlich Menschenrechte. Die volle und gleichberechtigte Teilhabe sind vorrangige Ziele der internationalen Gemeinschaft. Wir alle, meine Damen und Herren, profitieren von einer wohlhabenderen, gerechteren und friedlicheren Welt.

Deshalb darf Frauenpolitik auch nicht an der Landesgrenze enden. Wo Frauen massiv benachteiligt, am Zugang zu Bildung gehindert oder brutaler Gewalt ausgesetzt werden, da stehen auch wir in der Pflicht.

(Beifall der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Deshalb ist die Förderung der Gleichberechtigung schon seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungspolitik und muss es auch in Zukunft bleiben.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Sehr geehrte Damen und Herren, werfen wir nun einen Blick nach Deutschland. Seit dem ersten Weltfrauentag haben wir in Deutschland für die Gleichberechtigung von Frauen viel erreicht, und darauf können wir auch stolz sein. Luft nach oben bleibt natürlich immer; schon allein der Blick auf den niedrigen Frauenanteil hier im Deutschen Bundestag zeigt das.

(Beifall der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Ich bleibe aber zuversichtlich, dass wir gemeinsam einen Schritt vorankommen.

Wir dürfen aber nicht nur auf die Frauen hier im Parlament schauen. Frauenpolitik darf kein Privileg für wenige sein. Frauenpolitik ist so vielfältig, wie Frauen es selbst sind. Sie umfasst alle politischen Bereiche, ist Querschnittsthema und muss sich auch an alle Generationen richten.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Katja Mast [SPD] und Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Unsere Aufgabe ist es, die politischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass jede Frau ihren Lebensentwurf auch leben kann. Frauen wollen und können selbst entscheiden, wie sie leben wollen, wie sie Familie mit Erwerbstätigkeit vereinbaren wollen.

Was ist dazu aber noch grundlegend notwendig? Aus meiner Sicht müssen vor allem gesellschaftliche Normenvorstellungen, stereotypische Rollenbilder noch mehr aufgebrochen werden. Dazu drei Punkte:

Familienarbeit muss gleichermaßen von Mamas und Papas erledigt werden.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Leni Breymaier [SPD] – Zuruf von der CDU/CSU: Sehr richtig! – Beatrix von Storch [AfD]: Wo steht das denn?)

Haushalt und Kinderbetreuung sind genauso Männersache, müssen partnerschaftlich aufgeteilt sein.

(Enrico Komning [AfD]: Wer sagt das? – Weiterer Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])

Noch immer tragen Frauen den größten Teil der Familienarbeit, müssen Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Dies zu ändern, schafft man nicht mit Gesetzen. Vielmehr bedarf es eines Mehrs an Umdenken in der Gesellschaft, in der Wirtschaft, in der Politik, in der breiten Bevölkerung. Ich bin der Meinung: Väter sind starke Männer, wenn sie sich um die Familie kümmern,

(Beifall des Abg. Pascal Meiser [DIE LINKE])

und Mamas lieben ihre Kinder genauso, auch wenn sie Karriere machen. Tragen wir das nach außen!

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Ein weiterer Punkt, der heute immer wieder angesprochen wurde, betrifft das Thema Gehaltsunterschiede. Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen darf es nicht mehr geben.

(Beifall der Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE] und Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung liegt der als gerecht empfundene Lohn für Männer um 3 Prozent höher als der gerecht empfundene Lohn für Frauen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Das führt nämlich dazu, dass zwischen Frauen und Männern bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit in Deutschland noch immer die reale Lohnkluft von 6 Prozent besteht. Und darum müssen wir auch an die Gehaltslücke im Kopf ran. Frauen und Männer verdienen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Ein dritter Punkt, der mir noch wichtig ist: Führung muss in Teilzeit möglich sein. Familie und beruflicher Aufstieg dürfen sich nicht ausschließen. Es darf kein Entweder-oder geben. Es gibt inzwischen vorbildliche Unternehmen und Behörden, die Führung in Teilzeit ermöglichen. Sie handeln damit klug und zukunftsorientiert; denn wir brauchen in Deutschland dringend gute Führungskräfte auf allen betrieblichen Ebenen. Deshalb können wir es uns auch gar nicht leisten, gut ausgebildeten Männern und Frauen, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollen, keine entsprechenden Angebote zu machen. Hier wünsche ich mir noch mehr Offenheit und Flexibilität von den Unternehmen.

Kurzum, meine Damen und Herren: Der Internationale Frauentag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Each for Equal“ – jeder für Gleichberechtigung. Frauenpolitik ist somit auch Männersache.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Unser Grundgesetz gibt uns unter Artikel 3 Absatz 2 den Auftrag zur Förderung von Gleichberechtigung. Sehen wir dies als Verpflichtung und als normalste Aufgabe der Welt an!

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)