Rede


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Yvonne Magwas: Die Rückkehr in Vollzeit ist das Ende der Teilzeitfalle

Rede zur Weiterentwicklung des Teilzeitrechts

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit dem Gesetz, das hier im Entwurf vorliegt, führen wir ein Rückkehrrecht in Vollzeit nach befristeter Teilzeit ein. Meine Vorredner haben die konkreten Inhalte schon dargelegt. Ich möchte dies aus Sicht der Gruppe der Frauen in der Union ergänzen.

Ja, für uns ist klar: Wir begrüßen die Einführung der Brückenteilzeit. Sie ist ein echter Fortschritt für uns Frauen; denn – wir haben es heute öfter gehört – Teilzeitarbeit ist überwiegend leider noch Frauensache. Die Zahlen wurden mehrfach genannt: Laut dem Mikrozensus 2016 haben 47,8 Prozent aller abhängig erwerbstätigen Frauen eine Teilzeitbeschäftigung. Ihnen wird es zukünftig erheblich erleichtert, nach einer Phase der Kindererziehung oder auch nach der Phase der Pflege von Angehörigen, in der sie ihre Arbeitszeit verkürzen, wieder zu ihrer vorherigen Arbeitszeit zurückzukehren. Ich bin sicher, dass die Frauen diese Möglichkeit auch nutzen werden. Die Rückkehr in Vollzeit ist das Ende der Teilzeitfalle.

Meine Damen und Herren, zahlreiche Studien zeigen uns, dass mehr als jede zweite erwerbstätige Mutter selbst dann noch ihre Arbeitszeit reduziert, wenn ihr jüngstes Kind ein Teenager ist. Das tun Frauen oft nicht freiwillig, sondern weil ihnen beispielsweise die Rückkehr in Vollzeit verwehrt wird oder auch die Betreuung fehlt. Diese Verkürzung der Arbeitszeit wirkt sich nicht nur negativ auf das Monatsgehalt aus. Nein, sie wirkt sich auch zukünftig nachteilig aus; denn die heute verkürzte Arbeitszeit bedingt später automatisch eine geringere Rente. Die heutige Lücke im Entgelt bleibt dann bis zur Rente bestehen. Das heißt, wenn wir es den Frauen heute erleichtern, schneller aus einer Teilzeittätigkeit in eine Vollzeittätigkeit zurückzukehren, werden diese Frauen auch zukünftig davon profitieren. Die Einführung der Brückenteilzeit ist somit zugleich auch ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einer eigenständigen Alterssicherung von Frauen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Ich möchte noch den Faktor Zeit anführen. Mit der Einführung der Brückenteilzeit ermöglichen wir auch mehr Zeitsouveränität. Erleichterte Übergänge zwischen Vollzeit und Teilzeit können dazu beitragen, dass die Arbeits- und Familienzeit zwischen Frauen und Männern gleichmäßiger verteilt ist. Also trägt die Brückenteilzeit auch dazu bei, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu verbessern.

Meine Damen und Herren, ich weiß, dass die Wirtschaft diesen Gesetzentwurf kritisch beäugt. Aus diesem Grund haben wir ihn entsprechend ausgestaltet; Kollegin Lezius ist darauf eingegangen: Kleine Betriebe auszunehmen, macht absolut Sinn.

Ich möchte die aus wirtschaftlicher Sicht positiven Aspekte der Brückenteilzeit anführen. Es ist keine Neuigkeit – wir haben es heute öfter gehört –, dass die deutsche Wirtschaft dringend Fachkräfte benötigt. Wir wissen auch, dass sich Arbeitnehmer in Deutschland flexiblere Arbeitszeiten wünschen, oft auch in größerem Umfang. Die Brückenteilzeit wird es den Unternehmen zukünftig erleichtern, das vorhandene Potenzial ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besser zu nutzen. Auch ist sie ein wichtiger Baustein, um gut ausgebildete und hochqualifizierte Mitarbeiterinnen zu gewinnen und langfristig an das Unternehmen zu binden. Die Einführung der Brückenteilzeit kann also auch als eine klassische Win-win-Situation bewertet werden.

Vizepräsident Wolfgang Kubicki:

Frau Kollegin, kommen Sie freundlicherweise zum Schluss?

Yvonne Magwas (CDU/CSU):

Jawohl, Herr Präsident. – Auf dem G‑20-Gipfel 2014 in Australien haben die Staats- und Regierungschefs ein weltweites Wirtschaftswachstumsziel von jährlich 2 Prozent vereinbart. Sie kamen auch zu der Einsicht, dass dies allein durch eine stärkere Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben erreicht werden kann. Nutzen wir dieses Potenzial, und lassen Sie uns dieses Gesetzesvorhaben zu einem guten Ende bringen!

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Gabriele Hiller-Ohm [SPD])