Rede


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Ingrid Pahlmann: Ohne uns Frauen gibt es keine nachhaltige Entwicklung

Redebeitrag zur Nachhaltigkeit von Sozial- und Arbeitsmarktpolitik

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr geehrter Minister! Meine Damen und Herren! Wir debattieren diese Woche alle möglichen Aspekte der Nachhaltigkeit. Ein ganz erheblicher Punkt ist dabei die Gleichstellung von Frauen und Männern. Dass Frauen gleiche Chancen und Möglichkeiten haben wie Männer, ist eine Frage der Gerechtigkeit: dass sie nicht von überholten Rollenbildern ausgegrenzt werden, dass sie nicht mit dem Kopf gegen die gläserne Decke stoßen, dass sie kein Opfer häuslicher Gewalt werden, dass sie ohne Hürden und Nachteile im Arbeitsleben und im Rentenbezug Mutter werden können, dass sie auch selbstbewusst kinderlos bleiben können, dass sie einen Doktortitel, eine Professur in Physik innehaben können, dass sie ihr Frausein eben ganz nach eigenem Gutdünken ausleben können und vieles, vieles mehr.

Wir Frauen haben Stärken, wir haben auch Schwächen – jede Einzelne von uns in einer einzigartigen Kombination. Das unterscheidet uns nicht von den Männern. Wir Frauen stellen gut die Hälfe der deutschen Gesellschaft. Ohne uns ist kein Staat zu machen, ohne uns gibt es aber auch keine nachhaltige Entwicklung. Deswegen fordern wir eine umfassende Gleichberechtigung und Fairness – nicht nur auf dem Papier, sondern auch in den Köpfen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Um das zu erreichen, brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz in unserer Politik. Das bietet die geplante Bundesstiftung Gleichstellung, die sich Fragen der gerechten Partizipation von Frauen in Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft widmen wird.

Mit der nationalen Gleichstellungsstrategie hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, Gleichstellung als Aufgabe der gesamten Regierung wahrzunehmen. Auch auf europäischer und globaler Ebene setzt sich die Bundesregierung entschlossen für die Gleichstellung von Frauen und Männern ein. Das ist auch ein zentrales Thema der aktuellen EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands. Mit der Gleichstellungsstrategie „Eine Union der Gleichheit“ der EU-Kommission unter Ursula von der Leyen wurde dem Thema höchste Priorität eingeräumt, um in Europa und der Welt mehr Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen.

Uns als CDU/CSU-Fraktion liegt es aber auch besonders am Herzen, Gewalt gegen Frauen umfassend zu bekämpfen. So hat Deutschland das Europaratsübereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt ratifiziert. Wir haben ein umfangreiches Investitions- und Innovationsprogramm für Frauenhäuser, Fachberatungsstellen und verschiedene Modellprojekte aufgelegt. Seit 2018 koordinieren Bund, Länder und Kommunen auf Initiative der Koalitionsfraktionen ihre Arbeit am runden Tisch „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“.

Meine Damen und Herren, wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, müssen wir natürlich auch darüber sprechen, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Nun will ich als Frau natürlich nicht darauf hinaus, dass Frauen als Ding oder einfach nur als Ressource angesehen werden, aber ich möchte schon darauf hinweisen, dass wir als Gesellschaft mit einer starken, gut ausgebildeten Gruppe nicht eben, gelinde gesagt, sinnvoll umgehen. Dieses Manko müssen und wollen wir beheben.

Bei den Schulabgängern haben die Frauen die besten Noten. Unter den Absolventen mit Hochschulabschluss ist die Frauenquote extrem hoch. Diese Qualität muss sich nun auch langsam – nee, ich möchte es eigentlich so sagen –, die muss sich ganz schnell auch als Quantität in den Führungsetagen von Unternehmen wiederfinden.

(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Und wir Frauen wollen endlich mindestens genauso viel verdienen wie unsere männlichen Kollegen. Die nach wie vor bestehende strukturelle Lohnlücke zwischen Männern und Frauen müssen wir endlich schließen.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Natürlich wissen wir, dass diese Lücke ihren historisch gewachsenen Ursprung unter anderem in der gezielten Wahl bestimmter Berufe durch Frauen hat

(Leni Breymaier [SPD]: Nein!)

wie auch in der traditionellen Organisation der Familienphase, die für Frauen eben oft zu Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung geführt hat und leider immer noch führt.

Zu den ergriffenen Maßnahmen, um die Lohnlücke zu schließen, zählen unter anderem die Einführung des Entgelttransparenzgesetzes und der gesetzliche Mindestlohn.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Wahlmöglichkeiten der Eltern wurden beispielsweise durch Einführung von Elterngeld, Elterngeld Plus – es wird momentan auch noch überarbeitet und flexibler gestaltet –, den Ausbau und die qualitative Verbesserung der Kindertagesbetreuung sowie die Neuregelung zur Pflege- und Familienpflegezeit verbessert.

Verbesserungen erwarten wir natürlich auch durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen.

All dies sind die Bausteine, damit insbesondere Frauen Erwerbstätigkeit und Familienzeit endlich besser vereinbaren können.

(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie wäre es mit einem echten Entgeltgleichheitsgesetz?)

Das sind wichtige und richtige Maßnahmen. Und diesen Weg müssen wir konsequent weitergehen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Denn wir Frauen wollen gleiche Bildungs- und Karrierechancen. Wir wollen Entgeltgleichheit. Wir wollen keine Gewalt mehr erdulden. Wir wollen selbstbestimmt durchs Leben gehen. Wir wollen keine Fesseln, keine Hürden. Dafür kämpfen wir. Das tun wir auch mit tatkräftiger Unterstützung vieler Kollegen.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Nicole Bauer [FDP])