Rede


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Ingrid Pahlmann: "Alle Adoptionsbeteiligten stärken"

Rede zum Adoptionshilfe-Gesetz

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Adoptionsrecht in erster Lesung. Ich glaube, wir können uns alle zumindest ansatzweise vorstellen, wie tiefgreifend eine Adoption für alle Beteiligten ist: für die Kinder, für die leiblichen Eltern und für die Adoptivfamilien. Eine Adoption verändert viele Leben in einem absolut unbeschreiblichen Maße. Deswegen unterstützen wir als Union das Anliegen der Bundesregierung, die Adoptionshilfe zu verbessern und auszubauen unter Einbeziehung der Erkenntnisse aus Forschung und auch aus Praxis. Welche Verbesserungen sind nun konkret angedacht? Ich möchte im Folgenden auf vier wesentliche Punkte eingehen.

Erstens. Alle Beteiligten sollen einen Rechtsanspruch auch auf nachgehende Beratung durch eine Adoptionsvermittlungsstelle bekommen; denn eine Adoption begleitet die betroffenen Menschen ihr Leben lang. Eine Adoption ist eben nicht abgeschlossen, sobald durch einen gerichtlichen Beschluss ein neues juristisches Kind-Eltern-Verhältnis begründet wurde. Nein, eine Adoption fängt eigentlich dann erst so richtig an. Deswegen ist es immens wichtig, dass wir alle Beteiligten nicht alleine lassen, dass wir sie nicht nur vor und während des Adoptionsprozesses fachlich fundiert begleiten und dann sagen: Herzlichen Glückwunsch, nun seht zu, dass alles funktioniert. Und Tschüss! – Nein, die Eltern – die leiblichen und die Adoptiveltern – und vor allem auch die Kinder sollen in der für sie neuen Situation weiterhin unterstützt werden.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Wir müssen die Adoption als Ganzes sehen und den Beteiligten in den unterschiedlichen Phasen auch zur Seite stehen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Zweitens. Ein offener Umgang mit der Adoption soll gefördert werden; denn für Kinder – für ihr Selbstbild und ihre Entwicklung – ist es enorm wichtig, zu wissen, woher sie kommen und wo ihre Wurzeln sind. Deswegen sollen Adoptionsvermittlungsstellen die Adoptiveltern ermutigen und dabei unterstützen, ihr Kind über seine Herkunft aufzuklären. Dass das alles natürlich altersgerecht und mit der notwendigen Sensibilität geschehen muss, ist klar. Und: Es bleibt auch den Adoptiveltern unbenommen, selbst über das Ob, Wann und Wie einer solchen Aufklärung zu entscheiden. Darüber hinaus sollen der Austausch und der Kontakt zwischen Herkunftsfamilie und Adoptivfamilie, wo gewünscht, gefördert werden. Da es den leiblichen Eltern in der Regel nicht leichtfällt, ihr Kind zur Adoption freizugeben, wollen wir auch ihre Rolle stärken. Sie sollen ein Recht auf Zugang zu Informationen erhalten, die die Adoptiveltern freiwillig bei der Adoptionsvermittlungsstelle für sie hinterlegt haben. Voraussetzung dafür aber bleibt, dass dies immer dem Wohle des Kindes entspricht.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Drittens. Um die Adoptionsvermittlungsstellen in ihrer zentralen Rolle zu stärken, werden diese mit einem konkreten Aufgabenkatalog ausgestattet. Sie erhalten ferner ein Kooperationsgebot, um den fachlichen Austausch und die Vernetzung auch mit anderen Beratungsstellen auszubauen, zum Beispiel der Schwangerschaftsberatung, der Erziehungsberatung. Das alles ist im Sinne der Familien, die dann einen ganzheitlichen Umgang mit ihren Bedürfnissen erhalten.

Viertens. Um Kinder zu schützen, sollen unbegleitete Auslandsadoptionen verboten werden. Adoptionen von Kindern aus anderen Ländern, mitunter aus einer anderen Kultur, sind oft noch viel, viel schwieriger zu gestalten. Deshalb müssen Auslandsadoptionen in Zukunft durch eine Adoptionsvermittlungsstelle begleitet werden. Das sichert nicht nur das Wohl des Kindes, sondern bereitet auch die Adoptionsfamilie auf die besonderen Herausforderungen einer Auslandsadoption vor. Ein Scheitern solcher Adoptionen hinterlässt einen Scherbenhaufen, der kaum zu kitten wäre.

Meine Damen und Herren, dieses Maßnahmenpaket zum Adoptionsrecht beinhaltet viele weitere Punkte; wir haben es schon gehört. Ziel ist es insgesamt, alle Adoptionsbeteiligten zu stärken, das Kindeswohl voranzustellen und so insgesamt das Gelingen von Adoptionen zu fördern. Wir als Unionsfraktion begrüßen diese Vorschläge. In den anstehenden Ausschussberatungen werden wir intensiv prüfen, ob wir an der einen oder anderen Stelle nachjustieren müssen. Ich freue mich auf die Diskussionen und auf den Austausch mit Ihnen allen im Ausschuss.

Danke.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)