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Thomas Rachel: "Wir wollen konsequent einen Impfstoff entwickeln"

Rede in der Aktuelle Stunde - Strategie zur Vorbeugung gegen das Corona-Virus

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der aktuelle Ausbruch des neuartigen Coronavirus, der seit gestern Covid‑19 heißt, verursacht viele Fragen und Sorgen der Menschen. Als Ministerium für Bildung und Forschung wissen wir, dass dies auch Forschung und Entwicklung vor immense Herausforderungen stellen wird.

Wir wollen konsequent einen Impfstoff entwickeln, um den Menschen eine zuverlässige Prävention anbieten zu können. Wir brauchen aber auch Medikamente und andere therapeutische Verfahren, um den bereits Infizierten helfen zu können. Zudem brauchen wir verlässliche Instrumente, um einen Ausbruchsverlauf sicherer vorhersagen zu können. Deutschland ist mit seiner starken Forschungscommunity in der Infektionsforschung international anerkannt und sofort aktiv geworden.

Eine ganz zentrale Herausforderung wird sein, dass die nun anlaufenden Entwicklungsarbeiten nicht in nationalen Silos erfolgen dürfen. Nationalismus ist auch hier falsch und führt in die Sackgasse. Die Ebolakrise hat uns nämlich gezeigt: Weil erst getrennt vorangegangen wurde, sind damals wertvolle Ressourcen und lebensrettende Zeit vergeudet worden.

Ja, Deutschland ist gut aufgestellt, um einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus leisten zu können. Das zeigt sich auch daran, dass das weltweit erste etablierte diagnostische Verfahren für das neuartige Coronavirus hier an der Charité von Herrn Professor Drosten in kürzester Zeit entwickelt wurde. Im Rahmen des BMBF-geförderten Forschungsnetzes „Zoonotische Infektionskrankheiten“ leitet Herr Professor Drosten zudem einen Forschungsverbund zur Risikobewertung von Coronaviren. Das ist jetzt der Diagnostikentwicklung zugutegekommen.

Das BMBF ist Gründungsmitglied und Mitglied im Steuerungsgremium von CEPI, der internationalen Initiative zur Impfstoffentwicklung. Das BMBF fördert CEPI mit rund 90 Millionen Euro.

(Beifall der Abg. Karin Maag [CDU/CSU])

In ganz enger Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation will CEPI einen ersten Impfstoff binnen 16 Wochen in eine klinische Prüfung bringen. Das vom BMBF geförderte CEPI finanziert für den ersten Entwicklungsschritt bereits vier Entwicklungspartnerschaften, darunter übrigens eine Partnerschaft mit der CureVac AG, einer deutschen Firma.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Bei allem Engagement: Im Bereich der Impfstoffentwicklung müssen wir uns aber auch vor Augen führen, dass ein wirksamer Impfstoff wohl nicht vor Ende dieses Jahres verfügbar sein wird. Ein Impfstoff schützt gesunde Menschen vor einer Ansteckung, hilft aber nicht unmittelbar bei der Behandlung von schon Erkrankten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Entwicklung von neuen Medikamenten, aber auch von anderen Therapieverfahren und epidemiologischen Studien vorangetrieben wird. Wir führen hier bereits Gespräche mit verschiedenen internationalen Förderorganisationen, darunter der Europäischen Kommission, dem Wellcome Trust und der Bill & Melinda Gates Foundation.

Als Lehre aus den Erfahrungen der Ebolakrise wurde die internationale Plattform zur Zusammenarbeit von internationalen Forschungsförderern GloPID‑R gegründet. Das BMBF ist hier von Anfang an als Gründungsmitglied dabei. Das Ziel dieses Netzwerkes ist es, im Fall des Ausbruchs einer Epidemie schnell und unkompliziert koordinierte Forschungsantworten zu initiieren.

Meine Damen und Herren, die Weltgesundheitsorganisation spielt eine ganz entscheidende Rolle in globalen Gesundheitsfragen. Daher begrüßen wir es sehr, dass die WHO jetzt zu dieser Stunde ein Treffen mit Wissenschaftlern, öffentlichen Gesundheitsdiensten, Regulatoren und auch Forschungsförderern durchführt, um an einer konsolidierten Forschungsantwort zu arbeiten. Das Bundesforschungsministerium ist hier aktiv und hochrangig vor Ort beteiligt.

Lassen Sie mich, weil vorhin die Münchner Sicherheitskonferenz angesprochen wurde, auch darauf hinweisen: Ja, die Bundesregierung ist seit Langem dabei, das Thema „Gesundheit und Sicherheit“ – Gesundheitssicherheit – zu einem internationalen Thema zu machen. Das haben wir auf dem G‑7-Gipfel und auf dem G‑20-Gipfel deutlich gemacht, und auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz wird die Bundesregierung dieses Thema vertreten.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, seit dem Ausbruch des Coronavirus tragen wir mit deutscher Forschungs- und Entwicklungsexpertise zur Bewältigung dieser Krise bei. Lassen Sie uns gemeinsam unseren Forscherinnen und Forschern viel Erfolg bei ihrer wichtigen Aufgabe wünschen.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])