Rede


Teilen

Stephan Albani: Die Prüfungsordnungen müssen modernisiert werden

Berufsbildungsbericht 2018

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer und vor allen Dingen – heute ist Zukunftstag! – auch liebe junge Menschen, darunter drei aus meinem Wahlkreis, die dieser Debatte entsprechend folgen. Hier geht es nämlich um eure Zukunft. Hier geht es um das, was wir machen wollen, damit die berufliche Bildung, die wir heute auf der Basis des Berufsbildungsberichtes debattieren, auch weiterhin kraftvoll ausgestattet ist. Viele bezeichnen sie als Exportschlager, und was wir an der beruflichen Bildung haben, sieht man mitunter, wenn man aus dem Ausland zurückschaut. Ich habe mich gerade letzte Woche in Serbien über die Einführung der beruflichen Bildung informiert, die es dort seit letztem Jahr gibt. Angesichts der Jugendarbeitslosigkeit, der Passungsprobleme und dergleichen mehr, mit denen außerhalb eines solchen Systems gekämpft wird, weiß man, was man an diesem System hat.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Insofern zeigt der Berufsbildungsbericht auch die Qualitäten auf. Einiges wurde schon angesprochen. Das Angebot übersteigt die Nachfrage. 523 000 Ausbildungsverträge sind ein sehr positives Zeichen, dass dieses Produkt entsprechend am Markt ankommt. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe bleibt konstant, und trotz des Rückgangs der Zahl der Schulabgänger wird die duale Ausbildung eher mehr als weniger nachgefragt. Wir haben in der vergangenen Legislaturperiode dieses Produkt auch gepflegt. Wir haben die Berufsbildungsketten bis zum Abschluss gestärkt. Wir haben die Potenzialanalysen eingeführt bzw. gestärkt.

An dieser Stelle möchte ich anmerken: Bei aller Liebe, Rainer, es gibt keine Menschen ohne Talente. Wir müssen sie nur finden; das ist das Entscheidende.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Wir haben die überbetrieblichen Ausbildungsstätten gestärkt. Die Allianz für Aus- und Weiterbildung stand die letzten drei Jahre und steht auch in dieser Legislaturperiode auf der Agenda.

Es ist aber auch richtig: In diesem Bericht stehen auch einige Dinge, die nachdenklich stimmen und es notwendig machen, dass wir dieses Produkt, diesen Exportschlager, weiterentwickeln.

Ich nenne die Passungsprobleme. Es gibt 49 000 unbesetzte und 24 000 nicht vermittelte Kräfte.

Die Bezeichnung „Abbrecherquote“ ist nicht richtig; das möchte ich hier noch einmal wiederholen. Es handelt sich oft um aufgelöste Ausbildungsverhältnisse, die teilweise in anderen Zusammenhängen fortgeführt werden.

Eben fiel das Wort „klischeefrei“. Es geht, glaube ich, nicht darum, dass die Beratung klischeefrei stattfinden sollte. Wenn man sich die Top-Ten-Liste der Berufe mit Abbrüchen anschaut, dann stellt man fest, dass der Beruf des Kochs mit 48 Prozent bereits auf Platz zwei liegt. Der Beruf des Kochs, so schön und inspirierend er ist, hat nichts mit den Challenges von „The Taste“ oder vergleichbaren Sendungen zu tun. Das heißt, man sollte sich auch hier anschauen, inwieweit Klischees, die in anderen Bereichen, zum Beispiel in Fernsehserien, vermittelt werden, hinterher dazu führen, dass Auszubildende auf dem harten Boden der Realität aufschlagen.

(Beate Walter-Rosenheimer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau!)

Ein weiterer Punkt, der schon angesprochen wurde, ist der Rückgang der Zahl ausbildender Kleinstbetriebe. Um eine Zahl zu nennen: Ihr Anteil ist um 0,2 Prozentpunkte zurückgegangen, zum ersten Mal auf unter 20 Prozent, aber nur um 0,2 Prozentpunkte. Dennoch ist das ein wichtiger Punkt. Warum? Stichwort „Digitalisierung“.

Wenn man nachfragt, warum sich Kleinstbetriebe aus der Ausbildung verabschieden – ich mag es sehr, wenn man mit den Leuten spricht, die sich auskennen –, dann hört man zum Beispiel: Wir haben zwei, drei Jahre ausgeschrieben, haben aber keine Bewerber bekommen. Deswegen hören wir jetzt auf. – Oder für einen Kleinstbetrieb mit Meister, Geselle und vielleicht einer Bürokraft ist unter Umständen Ausbildung nicht ohne Weiteres zu stemmen. Insofern müssen wir genau an dieser Stelle ansetzen.

Wenn man sich außerdem anschaut, warum sich junge Menschen nicht öfter um eine betriebliche Ausbildung in Kleinstbetrieben bewerben, kommt man zu dem Schluss: Nach 13 Jahren Kuscheln mit den Mitschülern ist es mitunter angenehmer, mit den Kommilitonen weiterzukuscheln, als in einem Betrieb auf einmal ganz alleine zu sein. Es gibt wunderbare Beispiele dafür, wie sich Kleinbetriebe zusammenschließen – in meinem Wahlkreis gibt es zum Beispiel im Bereich der Lagerlogistik ein solches Beispiel – und eine überbetriebliche Gruppe von Auszubildenden schaffen, die in den einzelnen Betrieben unterschiedliche Techniken kennenlernen. Gerade da müssen wir ansetzen.

(Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Guter Wahlkreis!)

– Sowieso!

Wir haben in der nächsten Legislaturperiode also einiges zur Weiterentwicklung auf dem Plan, angefangen mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes. Die Prüfungsordnungen müssen modernisiert werden. Das ist wichtig und muss geschehen; denn wenn ein Auszubildender in einen Kleinstbetrieb kommt und vielleicht aus der ÜBS Kenntnisse über moderne, digitale Verfahren mitbringt, dann ist das auch eine Methode zur Modernisierung eines kleinen Betriebes. Die Förderung von mehr Mobilität und der Digitalpakt werden das Ihre dafür tun.

An die drei aus meinem Wahlkampf gerichtet

(Heiterkeit bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

– Wahlkreis natürlich! –, Tom, Lennart und Deik: Wir tun etwas für Euch. Schaut euch das an! Es ist ein gutes Produkt. Es ist die Basis eurer Zukunft. Wir werden das gemeinsam miteinander gestalten.

Noch etwas.

Vizepräsident Wolfgang Kubicki:

Nein, bitte kommen Sie zum Schluss, Herr Kollege.

Stephan Albani (CDU/CSU):

Alles klar.

Wenn ich mir die vorliegenden drei Anträge anschaue, kann ich nur sagen: Man sollte darauf achten, nicht Altes in der Hoffnung aufzuwärmen, dass es neue Wirkung entfaltet. Das geschieht nämlich in der Regel nicht.

Danke schön.

(Beifall bei der CDU/CSU)