Rede


Teilen

Katrin Staffler: Ziel der KI muss sein, dass sie unser Leben verbessert, Innovationen fördert

Redebeitrag zur Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich erinnere mich oft und gerne an Serien, die ich als Kind angeschaut habe. Ich weiß nicht, ob Sie noch „Knight Rider“ kennen. Das war die Serie mit dem selbstfahrenden Auto namens „K.I.T.T.“.

(Dr. Joe Weingarten [SPD]: Ein schwarzes Auto!)

Das habe ich geliebt.

(Zuruf von der SPD: Hasselhoff!)

– Hasselhoff, genau.

Ich bin oft vor dem Fernseher gesessen und habe über die Dinge gestaunt, die man da so in der Fiktion mit Technik hinbekommen hat: Autos, die eben ohne Fahrer auf Knopfdruck gekommen sind, wenn man sie gerufen hat, und wenn man in die Armbanduhr gesprochen hat, hat man sogar mit dem Auto kommunizieren können – ganz großartig.

Jetzt sind wir ein paar Jahre weiter, und jetzt sind wir selber in der Lage, dass wir aus dieser Fiktion auch Wirklichkeit werden lassen. Autonomes Fahren ist durchaus in den Bereich des Machbaren gerückt, und dass wir in unsere Armbanduhren oder in andere digitale Devices reinsprechen und sogar eine Antwort kriegen, ist im Prinzip eigentlich fast schon Alltag.

Aber anders als das jetzt vielleicht klingt, ist der Fortschritt halt doch eher eine Schnecke und kein Rennpferd, weil die Technologie „künstliche Intelligenz“ eben ein viel komplexeres Feld ist, als uns die Filmemacher damals oder auch teilweise heute noch haben glauben lassen. Von vielem, was in der Theorie oder in Filmen machbar erscheint, sind wir in der Realität halt doch noch ein großes Stück entfernt.

Wir stecken in den Kinderschuhen der Technologie; aber nichtsdestotrotz ist künstliche Intelligenz heute schon ein wichtiger Teil unseres Lebens, zum Beispiel in der Medizin – das ist schon angesprochen worden –, wenn es um die Diagnose, um die hochpräzise Behandlung von Krankheiten geht. Wir kriegen es oft nicht mit; aber KI ist jetzt schon immer um uns herum.

Ziel der KI muss sein, dass sie unser Leben verbessert, Innovationen fördert, Wohlstand sichert, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Künstliche Intelligenz ist eine hochkomplexe Technologie mit einem enormen Potenzial. Gerade weil sie so komplex ist, muss sie zu jeder Zeit auf unserem Wertesystem basieren. Gerade dafür will die EU-Kommission mit dem Weißbuch sorgen. Sie geht einen ersten Schritt in die richtige Richtung, hin zu einer sicheren, nachvollziehbaren und vertrauenswürdigen „AI made in Europe“.

Fakt ist, dass wir klare Regeln brauchen, was künstliche Intelligenz darf und was sie nicht darf. Natürlich müssen wir auch dafür sorgen, dass die Regeln durchgesetzt werden; denn KI kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Menschen auch das notwendige Vertrauen in die Technologie haben.

Aber es braucht halt noch was zum Erfolg: Unternehmen, die die Technologie weiterentwickeln und sie nutzen. Ich glaube, man kann feststellen: In diesem Bereich können wir noch besser werden; da müssen wir auch noch besser werden. Ein Hindernis dabei ist sicherlich ein unsicherer Rechtsrahmen; denn der hält die Unternehmen davon ab, zu investieren. Deswegen müssen wir dringend einen Regulierungsrahmen schaffen bzw. den vorhandenen anpassen. Angesichts der unglaublich rasant voranschreitenden Entwicklung ist es notwendig, dass wir Raum schaffen, und zwar Raum für weitere technologische Entwicklungen, Raum, in dem der Rechtsrahmen praxisnah ausgestaltet wird.

Auch in der Forschung nimmt die KI schon einen großen Stellenwert ein. Europa ist mit Blick auf KI in einer Spitzenposition. Aber anders als einige hier sich das vielleicht wünschen, darf die KI-Forschung kein innereuropäischer Wettkampf sein; KI aus Europa muss sich vielmehr global behaupten können. Das erreichen wir sicherlich nur, wenn wir unsere Kompetenzen bündeln und unsere Anstrengungen zusammenführen, weil wir dann gut und breit aufgestellt sind, sodass wir auch international wettbewerbsfähig sein können.

Deswegen müssen wir mit aller Kraft daran arbeiten, noch mehr europäische KI-Entwicklungen auf den Markt zu bringen. Im Moment bleibt, wie ich finde, noch zu vieles hinter verschlossenen Türen und ist oft nur einer kleinen Gruppe von Forschern zugänglich.

Die EU-Kommission hat mit ihrem Weißbuch Potenziale und Chancen von künstlicher Intelligenz für die Wirtschaft und die Gesellschaft erkannt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Kommission ist mit dem Weißbuch einen großen Schritt in Richtung Zukunft gegangen. Aber diese Zukunft der KI müssen wir jetzt mit Leben füllen, damit wir künftig auch über die Uhr unser autonom fahrendes Auto „K.I.T.T.“ rufen können, das dann angefahren kommt. Daran sollten wir gemeinsam arbeiten.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)