Rede


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Anja Karliczek: Das Rückgrat unserer Wirtschaft sind exzellente Fachkräfte

Rede zum Bericht des Anerkennungsgesetzes 2019

Liebe Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Deutschland ist Innovationsland, mehr als je zuvor. Ich glaube auch, trotz aller Diskussionen in diesen Tagen, dass wir allen Grund haben, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Das Rückgrat unserer Wirtschaft sind nämlich exzellente Fachkräfte. Und um diese Fachkräftebasis zu sichern, ist eine unserer zentralen Zukunftsaufgaben, uns damit auseinanderzusetzen, wie wir das durch Bildung und Ausbildung sicherstellen können.

Wir wollen, dass die 20er-Jahre zum Jahrzehnt von Bildung, Forschung und Innovation werden, und dafür brauchen wir alle Talente, auch Talente aus aller Welt. Wir stehen im internationalen Wettbewerb. Wir wollen attraktiv sein für die besten Köpfe, und wir wollen attraktiv sein für Menschen, die etwas leisten wollen. Darum haben wir seit Anfang dieses Monats das Fachkräfteeinwanderungsgesetz

(Alexander Graf Lambsdorff [FDP]: Donnerwetter! 20 Jahre zu spät!)

und damit auch die Grundlage, um qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben.

Die berufliche Anerkennung ist dabei entscheidend; denn sie ist der Schlüssel, um internationale Fachkräfte erfolgreich in unseren Arbeitsmarkt zu integrieren. Denn eines, glaube ich, ist doch klar: Wer sich bei uns einen Handwerker bestellt, der will auch sicher sein, dass er Qualitätsarbeit bekommt, dass am Ende auch das geliefert wird, was er sich vorstellt. Genau das stellen wir mit der Berufsanerkennung sicher: dass nämlich die internationalen Fachkräfte, die zu uns kommen, Qualifikationen mitbringen, die auch unseren Standards entsprechen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere ist, dass Anerkennung auch den Menschen etwas bringt, die zu uns kommen. Wir erkennen nämlich nicht nur ihre Abschlüsse und ihre Berufserfahrung an, sondern immer auch ihre individuelle Lebensleistung. Die Menschen, die zu uns kommen, bekommen bei uns eine faire Chance, eine glänzende Karriere zu machen, und sie erhalten die Chance, einen sicheren Arbeitsplatz mit einem guten Lohnniveau zu finden. An der Stelle will ich betonen: Wenn der Abschluss von Menschen, die zu uns kommen, voll anerkannt ist, dann erhöht sich ihr Gehalt durchschnittlich um 860 Euro. Das zeigt dann auch, dass sie selbstständig hier bei uns leben können, hier eine Familie gründen können und auch mal den Arbeitsplatz wechseln können. Diese Freiheit haben Menschen, wenn ihre Qualifikation anerkannt ist.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Karamba Diaby [SPD])

Der Anerkennungsbericht 2019 zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Berufsanerkennung ist längst das Qualitätsinstrument für die Fachkräfteeinwanderung und für mehr Durchlässigkeit am Arbeitsmarkt.

Um Ihnen auch ein paar Zahlen zuzumuten: Seit 2012 wurden bereits rund 280 000 Anträge für bundes- und landesrechtliche Berufe sowie für Zeugnisbewertungen zu akademischen Berufen eingereicht. Und natürlich stehen dabei ganz vorne Berufe in der Gesundheits- und Krankenpflege. Es hat sich mittlerweile überall herumgesprochen, was bei uns Mangelware ist. Hier sehen wir auch momentan besonders große Zuwächse: 11 500 Anträge – das sind ein Drittel mehr Anträge als in 2017. Aber – ich finde, auch das ist eine gute Botschaft – es melden sich natürlich auch Techniker, Ingenieure, IT-Spezialisten; denn auch das sind Menschen, die wir in Deutschland dringend und gut gebrauchen können.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Karamba Diaby [SPD])

Kontinuierlich haben wir in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen für das komplexe System der Anerkennung weiter verbessert. Das Monitoring, das wir parallel durchgeführt haben, hat immer wieder bestätigt: Ganz wichtig ist eine gute Beratung. – Deswegen haben wir über die Jahre die Beratungs- und Informationsangebote immer weiter ausgebaut.

Im Februar dieses Jahres haben wir in Bonn die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung eröffnet. Damit haben interessierte Fachkräfte aus dem Ausland einen überregionalen Ansprechpartner. Wichtig ist eben, dass wir eine Anlaufstelle haben. Denn woher sollen Menschen aus dem Ausland wissen, wohin sie sich wenden sollen, wenn bei uns 16 Bundesländer zuständig sind?

(Dr. Karamba Diaby [SPD]: Gute Entscheidung! Toll!)

Auf der anderen Seite ist jetzt wichtig, dass die Anerkennungsstellen in den Ländern mit dieser Zentralen Servicestelle auch gut zusammenarbeiten. Das ist ein weiterer Punkt, und ich möchte an dieser Stelle auch mal darauf hinweisen, dass die Zusammenarbeit dort sehr gut funktioniert.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Karamba Diaby [SPD])

Denn am Ende verfolgen wir als Bund doch mit Ländern und Kommunen ein gemeinsames Ziel: Wir wollen, dass die Anerkennungsverfahren leichter, schneller, transparenter und auch ein Stück einheitlicher werden. Klar ist aber auch – es ist wichtig, dass wir das auch noch mal in Richtung Länder sagen –: Das wird nur gelingen, wenn wir auch genug Personal für diese Verfahren zur Verfügung stellen. Einige Länder sind im Moment bei den Stellen doch ein wenig am Limit; deswegen will ich an dieser Stelle noch mal ausdrücklich appellieren, dass in den Ländern und auch in den Kammern genügend Stellen zur Verfügung gestellt werden müssen, damit die Arbeit auch zügig gelingen kann.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Karamba Diaby [SPD])

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich noch einen Punkt machen: Die berufliche Anerkennung ist das eine. Die gesellschaftliche Anerkennung ist das andere. Und Integration ist natürlich viel mehr als berufliche Anerkennung. Sie ist Aufgabe nicht nur des Staates, sondern der ganzen Gesellschaft. Es ist mir wichtig, das in diesen bewegten Tagen nach dem Terror von Halle und Hanau noch einmal zu sagen. Der Integrationsgipfel in der vergangenen Woche hat es sehr schön gezeigt: Es gibt kein „wir“ und „ihr“. Wir sind eine Gesellschaft.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Ganz im Ernst, wonach frage ich im Betrieb? Im Betrieb zählt, was ein Mensch kann und wie er sich in eine betriebliche Gemeinschaft einbringt.

So schaffen wir als Bundesregierung die Bedingungen, dass wir ein modernes Innovationsland bleiben, dass wir viele gut ausgebildete Menschen begeistern können, in unserem Land zu arbeiten. Das Anerkennungsgesetz leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Vielen Dank.