Rede


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Ursula Groden-Kranich: "Demokratie aus der Mitte der Gesellschaft heraus fördern und Menschen vor Ort stärken"

Rede zur auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Die Wichtigkeit von Außenpolitik bezweifelt gerade nach den letzten Wochen niemand. Aber Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, was ist das, wozu brauchen wir sie, was wollen wir damit? Sie wird in der Öffentlichkeit, auch hier im Bundestag, viel zu selten thematisiert. Da ist es sehr sinnvoll, dass wir heute Gelegenheit dazu haben. Wir haben zur Bedeutung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik schon einiges gehört.

Ich möchte an dieser Stelle auch allen danken, die sich für unser Land im Ausland einsetzen; denn sie alle sind Botschafterinnen und Botschafter und vermitteln nach außen einen Eindruck, für was Deutschland steht und wer wir sind. Vielen Dank dafür!

(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wie wichtig eine nachhaltige, ganz konkrete und praktische Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ist, zeigt sich gerade in Afrika – derzeit wohl der Kontinent, der unsere Außenpolitik am meisten fordert. Hier müssen wir unbedingt dafür sorgen, dass die hervorragende Arbeit unserer Bundesministerien fortgesetzt und ausgebaut wird.

Ja, unserer Bundesministerien: Es kam heute auch schon zur Sprache, dass da eben nicht nur das Auswärtige Amt tätig ist. Es ist beispielsweise die Afrika-Strategie von Entwicklungsminister Müller und Bildungsministerin Karliczek zu nennen. Es ist die Arbeit der vielen Jugendwerke, die durch das Familienministerium unterstützt wird, zu nennen. Es ist die Arbeit der Initiativen der Kulturstaatsministerin beispielsweise zur Aufarbeitung unserer kolonialen Vergangenheit zu nennen. Oder es sind die zahlreichen Projekte zur Bekämpfung von Fluchtursachen vor Ort zu nennen, bei denen Bildung buchstäblich das A und O ist.

Die AKBP-Berichte zeigen die enorme Bandbreite der Projekte und Mittlerorganisationen: geografisch, inhaltlich, quantitativ. Das ist Fluch und Segen zugleich: Segen, weil wir damit ein Deutschlandbild vermitteln können, das so weltoffen, so demokratisch, freiheitlich und modern ist wie nie zuvor. Aber auch Fluch, weil natürlich auch eine Gefahr darin liegt, sich bei dieser enormen Breite und Vielfalt zu verzetteln, beliebig zu werden. Und das möchten wir nicht.

Die positiven Auswirkungen unserer Politik konnte ich in ihrer ganzen Vielfalt letztes Jahr in Brasilien bei der Delegationsreise unseres Unterausschusses erleben. Hier seien nur ein paar Beispiele genannt.

In Rio de Janeiro besuchten wir die Deutsche Schule, deren Schülerinnen und Schüler nach dem erfolgreichen Abitur in der großen Mehrheit in Deutschland studieren möchten und es auch tun.

Selbiges gilt auch für die Absolventinnen und Absolventen der Humboldtschule in São Paulo, die zudem – im Zusammenwirken mit Unternehmen vor Ort – einen besonderen Schwerpunkt auf die berufliche Bildung und die duale Ausbildung legt – übrigens ein echter Exportschlager des deutschen Bildungswesens.

Im Museu Nacional in Rio de Janeiro konnten wir die Sisyphusarbeit beim Wiederaufbau nach dem verheerenden Brand bewundern, die mit Mitteln des Auswärtigen Amtes maßgeblich unterstützt wird.

Das Casa Europa wiederum zeigte als zukünftiger Sitz des Deutsch-Französischen Institutes die Brücke, die wir mit der AKBP nicht nur nach Deutschland, sondern auch zu unseren europäischen Nachbarn schlagen.

In Salvador unterstützen wir mit dem Goethe-Institut und dessen Residenzprogramm Vila Sul unter anderem den Zugang sozialer Randgruppen zu Bildung und Kultur.

Im Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo erlebten wir höchstes Engagement und Kreativität in Forschung, Wissenschaft und Hochschulbildung, unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den Deutschen Akademischen Austauschdienst.

Aber auch der Besuch einer Kolpingfamilie am Stadtrand von São Paulo hat gezeigt, wie mit deutscher Aufbauhilfe beispielsweise aus dem BMZ und vielen privaten Spendengeldern ehrenamtliche Arbeit gefördert und gestärkt wird und damit den Ärmsten vor Ort direkt geholfen werden kann.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Ulla Schmidt [Aachen] [SPD])

Für mich ist wichtig, hier noch einmal zu sagen, dass Demokratie aus der Mitte der Gesellschaft heraus gefördert und Menschen vor Ort gestärkt werden müssen. Mein Wunsch ist, dass wir unsere bisherige erfolgreiche Politik fortsetzen und damit in anderen Ländern ein Bild von Deutschland zeigen, das für unser Land wirbt.

Es ist auch eine Werbung für Deutschland, wenn alljährlich am ersten Sonntag im Dezember in der Symphony Hall von Osaka eine Aufführung von Beethovens Neunter mit einem Chor aus bis zu 10 000 Laiensängern stattfindet. Auch das ist Deutschland in der Welt.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)