Rede


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Markus Grübel: Vielen wird dadurch bewusst werden, wie eng die monotheistischen Religionen verwandt sind

Rede zum Gesetz über die jüdische Militärseelsorge

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor 75 Jahren sind durch die Gänge unseres Reichstagsgebäudes Rotarmisten gelaufen. Vor 75 Jahren hätte sich wohl kaum jemand vorstellen könnten, dass Deutschland jemals wieder über deutsche Streitkräfte verfügt. Und vor 75 Jahren war es sicher unvorstellbar, dass jüdische Soldatinnen und Soldaten in einer deutschen Armee dienen. Es erfüllt mich mit großer Freude, dass jüdische Soldatinnen und Soldaten heute in der Bundeswehr dienen.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Um was geht es heute? Es geht um Religionsfreiheit, es geht um Toleranz, ja, es geht um mehr als Toleranz, nämlich um Respekt vor Menschen mit anderer Religion oder Weltanschauung. Toleranz sagt: Ich ertrage es, ich erdulde es, dass es Menschen anderer Religion oder Weltanschauung gibt. Respekt sagt: Ich achte es, ich schätze es wert, dass es Menschen mit anderer Religion oder Weltanschauung gibt.

Diese Religionsfreiheit ist ein fundamentales Menschenrecht, in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergeschrieben. Das gilt weltweit. Auf nationaler Ebene haben wir dieses Recht in Artikel 4 Grundgesetz festgeschrieben. Und in Artikel 140 Grundgesetz stellen wir über Verweisung auf Artikel 137 der Weimarer Reichsverfassung unter anderem klar, dass wir keine Staatsreligion in Deutschland haben. Es geht also nicht um das Ob, nicht darum, ob es eine jüdische oder auch muslimische Militärseelsorge geben soll. Diese Frage ist schnell mit Ja beantwortet, Frau Buchholz. Es geht um das Wie. Wie können wir eine jüdische oder muslimische Militärseelsorge ausgestalten? Und hier liegt das Problem, und zwar nicht nur im Detail. Wir haben ähnliche Probleme beim Religionsunterricht oder bei der Gefängnisseelsorge.

Zusammen mit dem Zentralrat der Juden ist es Gott sei Dank gelungen, nun für die jüdischen Soldatinnen und Soldaten eine Lösung zu finden. Als Abgeordneter, aber auch als Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit ist es mir ein Anliegen, auch diesen Soldaten Seelsorge zur Seite zu stellen; denn die Soldatinnen und Soldaten stehen unter hoher seelischer Belastung. An sie werden ganz besondere Anforderungen gestellt. Sie setzen ihr Leben, ihre Gesundheit ein, vor allem im Auslandseinsatz. Für Soldatinnen und Soldaten stellen sich daher ganz besondere Sinnfragen.

Katholische und evangelische Militärseelsorger halten Gottesdienste. Sie betreuen gerade im Einsatz alle Soldaten seelsorgerisch, unabhängig von deren Religion, wenn die Soldaten dies wünschen; das gilt auch für die Familien daheim. Dies wird künftig auch für die Militärrabbiner gelten. Das fördert den interreligiösen Dialog. Vielen wird dadurch bewusst werden, wie eng die monotheistischen Religionen verwandt sind. Das kann auch Zerrbilder und Vorurteile abbauen. Das fördert aber auch den intrareligiösen Dialog, zum Beispiel zwischen orthodoxen und liberalen Juden.

Nach über 100 Jahren gibt es wieder jüdische Militärgeistliche in den deutschen Streitkräften. Das ist sehr gut. Vielen Dank an alle, die dies ermöglicht haben.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)