Faktencheck Rente

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(Quelle: pa/ZB)
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Faktencheck: Rente

Steigende Renten, sinkende Beiträge

Die gesetzliche Rentenversicherung befindet sich in hervorragender Verfassung. Während die Renten 2017 erneut deutlich gestiegen sind, kann der Beitragssatz zum 1. Januar 2018 sogar von 18,7 auf 18,6 Prozent abgesenkt werden. Für Mütter, Erwerbsgeminderte und Arbeitnehmer, die mehr Flexibilität wünschen, hat die Unionsfraktion wichtige Verbesserungen beschlossen.

Wer profitiert von den Rentenerhöhungen?

Als Folge der guten wirtschaftlichen Entwicklung hat sich auch die Höhe der Renten in den vergangenen Jahren sehr erfreulich entwickelt.
Am stärksten war der Anstieg im Jahr 2016 mit 5,95 Prozent in den neuen Bundesländern und 4,25 Prozent im Westen.
2017 stiegen die Renten erneut um 3,6 Prozent in den neuen Bundesländern und um 1,9 Prozent im Westen. Insgesamt lag die Höhe der Rentensteigerungen in den Jahren 2014 bis 2017 bei knapp 14,6 Prozent im Osten und nahezu 10 Prozent im Westen.

Wie hoch ist die Mütterrente und welche Frauen bekommen sie?

2014 wurde auf Betreiben der CDU/CSU-Fraktion die Mütterrente auch für die Frauen eingeführt, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. Damit wird für diese Frauen ein zusätzliches Kindererziehungsjahr in der Rentenversicherung berücksichtigt. Gerade diese Mütter haben oft
auf eine Erwerbstätigkeit verzichtet, um sich um ihre Kinder zu kümmern.

Rund zehn Millionen Frauen profitieren von der Ausweitung der Mütterrente. Ein Beispiel: Bei zwei vor 1992 geborenen Kindern gibt es rund 700 Euro im Jahr zusätzlich. Einige Frauen haben jetzt sogar ganz neue Ansprüche erworben, so zum Beispiel, wenn sie drei vor 1992 geborene Kinder haben.

Bis wann sind Ost- und West-Renten endlich voll angeglichen?

Von 2018 bis 2025 werden die Rentenwerte in den neuen Bundesländern schrittweise denen in Westdeutschland angeglichen. Parallel dazu fällt die Höherbewertung der Einkommen im Osten weg. Damit wird auch im Bereich der Alterssicherung die deutsche Einheit vollendet sein. 
Die Angleichung wird ebenfalls auf die gesetzliche Unfallversicherung und die Alterssicherung der Landwirte übertragen.

Sowohl der Rentenwert (Ost) als auch die Beitragsbemessungsgrenzen (Ost) und die Bezugsgröße (Ost) werden in sieben Schritten auf die jeweiligen Westwerte angehoben. Die Angleichung erfolgt auch deshalb über einen längeren Zeitraum, damit die Höherbewertung der Einkünfte im Osten nicht abrupt wegfällt, sondern langsam abschmilzt.

Wie flexibel bin ich beim Renteneintritt?

Das von der Union durchgesetzte Flexirenten-Gesetz ermöglicht und belohnt längeres Arbeiten. Wer neben der Rente arbeitet, kann zukünftig mit zusätzlichen eigenen Beiträgen und mit den Beiträgen des Arbeitgebers auch die späteren Rentenansprüche weiter aufbessern.
Zudem lässt sich der Übergang von Arbeit zum Ruhestand fließender und individueller gestalten. 
Hinzuverdienstgrenzen bei vorgezogenen Altersrenten bleiben bestehen, das Hinzuverdienstrecht wird aber wesentlich vereinfacht.
Jedes Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung kann sich darüber informieren, wie sich das Vorziehen oder Hinausschieben des Rentenbeginns auf die finanziellen Leistungen auswirkt.

Kann ich mit 63 wirklich abschlagsfrei in Rente?

Neben der Mütterrente wurde auch die abschlagsfreie Rente mit 63 beschlossen. Sie kann von Arbeitnehmern nach 45 Beitragsjahren in Anspruch genommen werden. Parallel zur Anhebung des allgemeinen Renteneintrittsalters steigt auch das Eintrittsalter für die Rente mit 63 bis 2029 wieder auf 65 Jahre an. 

Welche Verbesserungen gibt es bei der Erwerbsminderungsrente?

Bis 2014 wurden Betroffene so gestellt, als hätten sie bis zum 60. Lebensjahr gearbeitet. Diese sogenannte Zurechnungszeit wurde um zwei Jahre auf 62 Jahre erhöht. Für neue Betroffene wird die Zurechnungszeit stufenweise um weitere drei Jahre auf 65 Jahre verlängert. Entsprechende Regelungen gelten auch für die Erziehungs- und Hinterbliebenenrenten. Gemäß dem Grundsatz „Reha vor Rente“ wurde auch das Reha-Budget deutlich angehoben, aus dem Versicherte Leistungen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation
erhalten.

Welche Verbesserungen gibt es bei den Betriebsrenten?

Verlässt ein Arbeitnehmer früher als erwartet einen Betrieb, sind die erworbenen Ansprüche für eine Betriebsrente jetzt besser geschützt. Denn die Union hat Verbesserungen bei der Übertragbarkeit und bei der sogenannten Unverfallbarkeit von Betriebsrenten auf den Weg gebracht. Wer mindestens 21 Jahre alt ist (bisher 25) und mindestens drei Jahre im Betrieb tätig war (bisher fünf Jahre), behält künftig bei der arbeitgeberfinanzierten Versorgung die Ansprüche auf die Betriebsrente, auch wenn das Unternehmen vorzeitig verlassen wird.

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz werden Geringverdiener besonders gefördert. Hier erhält der Arbeitgeber neue Zuschüsse, wenn er seine Mitarbeiter bei der betrieblichen Altersversorgung finanziell unterstützt. Außerdem erhalten die Tarifpartner die Möglichkeit, bei der Betriebsrente neue Wege bei der Organisation und der Geldanlage zu gehen. 

Verbessert wurde auch die Riester-Rente. Die freiwillige Altersvorsorge wird künftig nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet. Die steuerliche Förderung wird optimiert und ausgebaut. So steigt der steuerliche Förderrahmen von vier auf acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze.

Wieso sinkt der Rentenbeitragssatz jetzt?

Für das Jahresende 2017 wird die Nachhaltigkeitsrücklage der gesetzlichen Rentenversicherung auf rund 32,9 Milliarden Euro geschätzt. Dies entspricht knapp 1,59 Monatsausgaben. Bei einem unveränderten Beitragssatz von 18,7 Prozent würde die Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2018 voraussichtlich mit 1,61 Monatsausgaben die gesetzlich verankerte Obergrenze von 1,5 Monatsausgaben klar überschreiten.

Nach geltendem Recht wird daher der Beitragssatz zum 1. Januar 2018 auf 18,6 Prozent gesenkt, was Arbeitnehmern und Arbeitgebern
gleichermaßen zugutekommt.