Tankred Schipanski

Text und Interview


(Quelle: Tobias Koch)
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Schipanski: "Schulen schnell digitalisieren"

Länder müssen den Turbo bei digitaler Bildung einschalten

Corona wird auch in Zukunft dazu führen, dass die digitale Bildung an Bedeutung gewinnt, falls der Präsenzunterricht zeitweise nicht möglich ist. Was muss also in der digitalen Bildung getan werden? Dazu im Kurzinterview Tankred Schipanski, digitalpolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

Wie weit ist die Digitale Bildung an unseren Schulen inzwischen vorangeschritten?

Tankred Schipanski: Wir haben in den letzten Jahren mit dem Digitalpakt Schule einen großen Schritt gemacht: Fünf Milliarden Euro investiert der Bund in die digitale Ausstattung unserer Schulen. Infrastrukturen wie WLAN, aber auch technische Geräte können so angeschafft werden. Um die Mittel aus dem Digitalpakt Schule zu erhalten, müssen Schulen ein Mediennutzungskonzept erstellen, mit welchem sichergestellt wird, dass das Geld nachhaltig und effektiv eingesetzt wird. Ein Smartboard macht den Unterricht zwar digitaler, damit es den Unterricht aber auch besser macht, müssen sich Schulen vorher Gedanken machen, wie es in den Unterricht integriert werden kann.

Schüler am Laptop
Quelle: sharpmtbr | pixabay

Im Rahmen der Corona-Krise hat der Bund zudem eine Schulcloud für alle Schulen zur Verfügung gestellt und nochmals eine Milliarde Euro für IT-Systemadministratoren an Schulen sowie zur Beschaffung digitaler Endgeräte wie Laptop und Tablets für bedürftige Schüler zur Verfügung gestellt. Somit stellt der Bund den Ländern sechs Milliarden Euro für die digitale Schulbildung zur Verfügung. Zudem gibt es seit geraumer Zeit Sonderprogramme für den Breitbandanschluss für Schulen, die die Kommunen abrufen können. 
Der Bund gibt damit viele Impulse und viel Geld, um die Digitalisierung in Schulen voranzutreiben. Die Länder sind aber letztlich verantwortlich für die Digitalisierung in der Bildung. Sie müssen das Geld an die Schulen weiterleiten und sich um die konkrete Umsetzung kümmern. 

Was sind die nächsten Schritte, um die digitale Schulbildung voranzutreiben?

Tankred Schipanski: Der Ball liegt bei den Bundesländern. Sie müssen jetzt den Turbo einschalten. Sie sind dafür verantwortlich, dass die milliardenschwere Unterstützung des Bundes für die Digitale Bildung in den Schulen ankommt. Gleichzeitig müssen die Länder die Digitale Bildung entsprechend priorisieren, damit der Unterricht von Zuhause besser funktioniert. 

Hierzu muss dringend die modulare Online-Lehrerweiterbildung von den Ländern vorangetrieben werden. Damit die digitalen Möglichkeiten genutzt werden, müssen nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch Lehrerinnen und Lehrer die Vorteile von digitaler Unterstützung in der Bildung erkennen und Anwendungen nutzen können. Die Lehrerfortbildung im Bereich des digitalen Lernens ist zurzeit die Achillesferse der Digitalen Bildung in Deutschland. Ferner müssen digitale Lernmittel zugelassen und lizenziert werden, auch das ist Aufgabe der Länder, namentlich der Kultusministerien. Es gibt überzeugende Angebote, Plattformen und Tools für das digitale Lernen, sie müssen aber auch genutzt werden dürfen. Sowohl bei den Weiterbildungen als auch bei den digitalen Lernmitteln gibt es umfangreiche Angebote und europäische Vorbilder, wie das am besten gelingen kann. Voraussetzung ist, dass es politisch priorisiert wird. 

Fraktionschef Ralph Brinkhaus sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel haben kürzlich die Verantwortlichen in den Bundesländern nochmals sehr eindringlich für das Thema digitale Schulbildung sensibilisiert. Mit welchen Ergebnis?

Tankred Schipanski: Die Dringlichkeit der Digitalisierung unserer Schulen wurde mit jeder Schulschließung deutlicher, die aufgrund von Infektionen mit dem Coronavirus notwendig war und ist. Eine Mischung aus Präsenzunterricht und Unterricht von Zuhause wird uns so lange begleiten, bis wir einen Impfstoff haben – und sie funktioniert nur mit digitalen Schulen. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zusammen mit dem Koalitionspartner und einigen Kultusministern die Herausforderungen der digitalen Schulbildung in einem informellen Treffen diskutiert. Mit Blick auf die föderale Ordnung der Bundesrepublik liegt die operative Umsetzung bei den Kultusministerien der Bundesländer. Der Bund kann Impulse setzen und Vorschläge unterbreiten, die Hoheit und die Art der Umsetzung obliegt den Ländern. Wenn die Länder aber bei der Digitalisierung der Schulen nur sehr langsam vorankommen, muss der Bund die Länder zu mehr und engagierterem Fortschritt drängen. Das haben wir vor und während der Corona-Krise getan.

Auf Vorschlag unseres Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus sollen nun alle Lehrerinnen und Lehrer mit Laptops ausgestattet werden. Damit stellen wir sicher, dass wirklich alle Lehrerinnen und Lehrer mit den Schülerinnen und Schülern digital kommunizieren können. Außerdem erhöht es die Datensicherheit und den Schutz der Privatsphäre, wenn über Dienstcomputer mit installiertem Softwareschutz kommuniziert wird – und somit ist das ein wichtiger Schritt, um die Digitale Bildung an allen Schulen zu verbessern.