„Internationale Grüne Woche ist Landwirtschaft zum Anfassen“

Text und Interview


(Quelle: Tobias Koch)
Teilen

„Internationale Grüne Woche ist Landwirtschaft zum Anfassen“

3 Fragen, 3 Antworten mit Albert Stegemann

Am 18. Januar beginnt die Internationale Grüne Woche in Berlin. Schon seit 1926 öffnet die weltweit bedeutendste Ausstellung für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau ihre Türen für interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für das Fachpublikum aus dem In- und Ausland. Die Themen und Schwerpunkte der 84. Grünen Woche besprechen wir mit Albert Stegemann, dem agrarpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Herr Stegemann, was zeichnet die Internationale Grüne Woche für Sie aus?

Gesunde Ernährung liegt den Menschen am Herzen. Der Ernährungsreport 2019 von Bundesministerin Julia Klöckner hat dies noch einmal deutlich gezeigt. Die Internationale Grüne Woche bietet ihren rund 400 000 Besuchern eine ideale Möglichkeit, sich über unsere Lebensmittel zu informieren – nicht nur um Spezialitäten aus aller Welt zu probieren, sondern auch zum Dialog. Sie bietet eine einzigartige Plattform, um Landwirtschaft zu erleben und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, die uns tagtäglich mit sicheren, hochwertigen und bezahlbaren Lebensmitteln versorgen. In der öffentlichen Debatte wird leider zu oft über die Landwirte und Lebensmittelerzeuger gesprochen, statt mit ihnen. Ich freue mich, wenn die Internationale Grüne Woche zu mehr gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung beiträgt. 

In dem angesprochenen Ernährungsreport geben 91 Prozent der Menschen an, dass Ihnen Gesundheit beim Essen wichtig ist. Was tut die Politik dafür?

Um es klar zu sagen: Es ist nicht die Aufgabe von Politikern, den Menschen vorzuschreiben, was bei ihnen im Einkaufswagen landen soll. Eine Verbotspolitik mit Strafsteuern auf Zucker oder Fett ist mit CDU und CSU deshalb nicht zu machen. Stattdessen muss die Politik dafür sorgen, dass drin ist, was draufsteht und draufsteht, was drin ist. „Klarheit und Wahrheit“ heißt dabei unser Leitbild. Dann können die Bürger selbstbestimmt entscheiden, was sie essen und trinken. 
Wissen über Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln und eine darauf basierende gesunde Ernährung können auch Fehlernährung vorbeugen. Für mich kommt es deshalb vor allem auf Verbraucherbildung und ein gutes Informationsangebot an. Auf Drängen unserer Fraktion wurde daher das Bundeszentrum für Ernährung als zentrale Einrichtung für Ernährungskommunikation geschaffen. Nach dem Vorbild der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung soll das neue Zentrum die Flut an Informationen zusammenführen, ordnen und den Verbrauchern verständlich vermitteln.

Neben den Fragen rund um die Ernährung liegt Schwerpunkt auch auf der Zukunft unserer ländlichen Regionen. Wie positioniert sich CDU/CSU dazu?

Der Schwerpunkt ist absolut richtig gewählt. Denn: Deutschland ist stark in der Fläche. Die Hälfte der deutschen Bevölkerung lebt in ländlich geprägten Regionen und mehr als 60 Prozent der Wirtschaftsleistung in Deutschland wird außerhalb von Großstädten erbracht. 
Die Land-, Forst und Ernährungswirtschaft ist dabei der viertgrößte Wirtschaftssektor in Deutschland. Insbesondere die landwirtschaftlichen Betriebe, Waldbauern- und Gartenbaubetriebe, die ganz überwiegend von Familien getragen werden, sind Herzstück und Gesicht der ländlichen Regionen in ganz Deutschland. Die Kulturlandschaften werden von ihnen gepflegt. Sie sind gesellschaftliche Säule in vielen Dörfern. Es ist uns daher ein zentrales Anliegen, den Wirtschaftsstandort „Land“ weiter zu fördern und damit zu stärken.
Im Deutschen Bundestag befassen wir uns in dieser Woche intensiv damit, wie wir die Chancen der ländlichen Räume nutzen und damit unsere Heimat stärken können. Für mich ist klar, dass es keinen Gegensatz Stadt-Land geben darf. Als CDU/CSU-Bundestagsfraktion bekennen wir uns ausdrücklich zu den ländlichen Regionen und verfolgen das Ziel, diese als attraktive und zukunftsfähige Lebens- und Wirtschaftsräume zu entwickeln. Vorrausetzung dafür ist insbesondere flächendeckend schnelles und verlässliches Internet. Ein leistungsfähiges Breitband- bzw. Mobilfunknetz im gesamten ländlichen Raum ist eine Notwendigkeit, um gutes Leben und Arbeiten auf dem Land zu ermöglichen.