Karin Maag, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Gesundheit

Text und Interview


(Quelle: Fotograf: Laurence Chaperon)
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Maag: „Wir sind gut vorbereitet“

Karin Maag zur Ausbreitung des Corona-Virus – Hotlines zur Information eingerichtet 

In Deutschland tagt der Krisenstab der Bundesregierung zum Thema Corona. Dazu drei Fragen an und drei Antworten von der gesundheitspolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag. 

Das neuartige Corona-Virus verbreitet sich immer schneller. So gibt es in Italien bereits mehrere Todesfälle; hunderte Menschen sollen in Norditalien infiziert sein.

Frau Maag, wie gut ist Deutschland auf eine Pandemie eingestellt? Haben wir genügend Ärzte und Pflegepersonal, haben wir genügend Klinikbetten?
Maag:
Durch den Ausbruch in Italien ist nun nicht mehr auszuschließen, dass sich das Corona-Virus auch bei uns stärker ausbreitet. Wir sind aber bestmöglich vorbereitet, schließlich bewältigen wir z.B. auch Jahr für Jahr die Grippewellen. Wir haben ein sehr gutes Krankheitswarnsystem, ein Meldesystem und Pandemiepläne, nach denen wir vorgehen. Das Robert-Koch-Institut koordiniert die Maßnahmen, schätzt das Risiko für die Bevölkerung ein und informiert durchgehend.

Sollten nach den bisher 16 Betroffenen weitere Menschen erkranken, werden diese Patienten isoliert und unter Beachtung der Hygienemaßnahmen behandelt. In vielen Fällen verläuft die Krankheit moderat, vergleichbar mit einer leichten Grippe. Es kann jedoch zu schweren Verläufen mit einer Lungenentzündung kommen, so dass eine Betreuung auf der Intensivstation nötig wäre. Deutschland hat ein Netzwerk an Kompetenzzentren und Spezialkliniken. Auch gibt es auf der Ebene der Bundesländer Krankenhausalarmpläne und Hygienepläne. Sowohl das Pflegepersonal als auch die Ärzte sind gut informiert und für den Ernstfall vorbereitet. Wichtig ist: Unsere Laborkapazitäten reichen aus, so dass wir bei Verdachtsfällen zügig abklären können, ob es sich um das Corona-Virus handelt.    

Welche Maßnahmen werden ergriffen, damit sich das Virus nicht ausbreitet? 
Maag:
Für Menschen, die aus China einreisen, müssen Piloten den Tower vor der Landung über den Gesundheitszustand der Passagiere informieren. Die Reisenden selbst geben auf Aussteigekarten an, wo sie in den nächsten 30 Tagen erreichbar sind. Diese Karten werden an die Gesundheitsämter weitergeleitet. 
Das Auswärtige Amt hat zudem eine Teilreisewarnung für die Provinz Hubei ausgesprochen. Die europäischen Gesundheitsminister koordinieren ihr Vorgehen.

Infizierte Personen oder Menschen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie sich infiziert haben könnten, werden isoliert – und zwar für vierzehn Tage, weil Experten davon ausgehen, dass über diesen Zeitraum eine Ansteckung möglich ist. Zu ihrem Schutz werden auch Kontaktpersonen von Erkrankten informiert und eng beobachtet.
So wurden auch deutsche Rückkehrer aus den betroffenen Provinzen in China für vierzehn Tage isoliert, obwohl sie weder krank noch mit dem Corona-Virus infiziert waren. Solche Vorsichtsmaßnahmen sind wesentlich, damit wir keine weitere Ausbreitung haben. Deswegen werden auch jetzt weitere Rückkehrer für vierzehn Tage isoliert untergebracht.   
Jeder einzelne kann übrigens mithelfen, dass sich das Virus nicht verbreitet: Wie bei der Grippe auch gilt es, sorgsam Hände zu waschen und niemanden anzuhusten oder anzuniesen.  

Was sollten Menschen tun, die glauben, sich mit dem Corona-Virus angesteckt zu haben?
Maag: Auf keinen Fall ohne vorherigen Anruf zum Arzt oder in die Notaufnahme gehen. Am besten ist es, sich direkt beim Gesundheitsamt zu melden. Nur so können wir im Fall der Fälle vermeiden, dass es weitere Ansteckungen gibt. Die Gesundheitsämter haben Hotlines geschaltet, bei denen man sich informieren kann. 

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