Außenpolitiker Jürgen Hardt CDU Unionsfraktion

Text und Interview


(Quelle: Katja-Julia Fischer)
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Hardt: "Bedrohungspotenzial gegenüber Israel abbauen"

"Bluewings 2020" - Israels Luftwaffe trainiert erstmals in Deutschland

Zum ersten Mal trainiert die Israeli Air Force gemeinsam mit der deutschen Luftwaffe auf dem Gebiet der Bundesrepublik den Einsatz. Warum das Manöver „Bluewings 2020“ als Zeichen einer stetig enger werdenden Freundschaft zu verstehen sind, erklärt Jürgen Hardt im Kurzinterview.

Herr Hardt, warum hat dieses mehrtägige Manöver "Bluewings 2020"so eine enorme Bedeutung für die deutsch-israelischen Beziehungen?
Hardt:
Die erste deutsch-israelische Militärübung auf dem Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland ist ein besonderes Zeichen der tiefen Freundschaft und Verbundenheit zwischen unseren Ländern. Die Übung unter dem Namen ‚Bluewings 2020‘ unterstreicht den besonderen Wert der deutsch-israelischen Beziehungen. Sie beweist in der Praxis, dass die einzigartigen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel ein Grundpfeiler der deutschen Außenpolitik sind und bleiben. Deutschland und Israel verbindet heute ein herausragend dichtes Netz politischer, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, kultureller und zivilgesellschaftlicher Kontakte. Die gemeinsame Übung der Luftwaffen fügt diesem Mosaik einen weiteren Stein hinzu.

Was können Bundeswehr und israelische Luftwaffe sich voneinander abschauen?
Hardt:
Die Übung hilft den israelischen Streitkräften, wehrhaft zu bleiben. Wer sich vor Augen führt, dass die israelische Zivilbevölkerung nahezu täglich vom Iran, von der Hisbollah oder aus dem Gaza-Streifen beispielsweise durch Raketenbeschuss militärisch bedroht wird, erkennt die Notwendigkeit einer glaubhaften Abschreckung. Die Tatsache, dass beide Luftwaffen miteinander üben, vertieft das Verständnis der jeweiligen Bedrohungsszenarien. Auf der anderen Seite gilt die israelische Luftwaffe als eine der besten der Welt, von deren Einsatzverfahren die deutsche Luftwaffe lernen und profitieren kann.
Das gemeinsame Ziel ist es, langfristig das Bedrohungspotenzial gegenüber Israel abzubauen. Einen wichtigen Schritt hierzu haben erst vor wenigen Tagen die Vereinigten Arabischen Emirate getan, indem sie als drittes arabisches Land nach Ägypten und Jordanien Frieden mit Israel geschlossen haben. Der Verständigung in der gesamten Region, die Deutschland nach Kräften unterstützt, wurde damit ein großer Dienst erwiesen.

Welche Botschaft wird damit weltweit untermauert?
Hardt:
Deutschland und Israel bleiben auf besondere Weise durch die Erinnerung an die Shoah verbunden. Dies verleiht den Beziehungen zwischen den beiden Staaten einen einmaligen Charakter. Und Israel ist Deutschlands einziger demokratischer Sicherheitspartner im Nahen Osten. Dem jüdischen und demokratischen Staat Israel ist Deutschland nicht nur wegen der Geschichte und der gemeinsamen kulturellen Wurzeln eng verbunden, sondern auch aus europäischem Sicherheitsinteresse.
An der Übung nehmen auch Piloten teil, die Nachfahren von Überlebenden des Holocaust sind. Dies zeigt, wie sehr heute die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel ein großes Geschenk und ein Beispiel für Versöhnung und gemeinsame Zuwendung zur Zukunft sind. Dieser bei der Militärübung dokumentierte Geist der deutsch-israelischen Freundschaft könnte auch helfen, viele andere Konflikte in der Welt zu überwinden.