Rede


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Michael Kießling: "Modulares und serielles Bauen - eine große Chance"

Rede zum Baukulturbericht 2018/19

Wir sind uns hier alle einig, dass ausreichender und bezahlbarer Wohnraum für die Menschen in unserem Land vorhanden sein sollte. Und wir arbeiten mit Hochdruck daran.

Aber bei aller Wichtigkeit dieses Anliegens muss es uns auch darum gehen, dass der zu schaffende Wohnraum auch in einem lebenswerten Umfeld entsteht. Denn erst wenn die Menschen sich in dem bezahlbaren Wohnraum auch wohlfühlen, ist er etwas wert – sowohl für die Bürger wie auch für uns. Wenn die Menschen sich dort nicht wohlfühlen, kann der Wohnraum auch nicht zur Entlastung des Wohnungsmarktes beitragen.

Einen großen Anteil daran hat die Baukultur. Der alle zwei Jahre erscheinende Baukulturbericht bildet eine gute Grundlage für die heutige Debatte über die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für Baukultur im Bund, in den Ländern und in den Kommunen.

Der Fokus des Berichts lag auf dem gebauten Erbe, dem Bestand und dem Umbau für die Zukunft. Nicht umsonst stand die Städtebauförderung von Bund und Ländern im Mittelpunkt. Wir wollen diese Förderung auf dem hohen Niveau der vergangenen Jahre fortführen, da sie wesentlicher und unverzichtbarer Beitrag zur Sicherstellung der Baukultur und der Lebensqualität in Städten und Gemeinden ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit; das muss man an dieser Stelle auch einmal sagen.

Die Städtebauförderung ist auch ein wichtiges Fundament für die vom Bericht geforderte Etablierung einer Umbaukultur. In Zeiten knappen Baulandes rücken die Potenziale unseres Gebäudebestandes noch mehr ins Zentrum. So werden neue Perspektiven eröffnet.

Ein anderes Thema im Bereich Umbau ist der erhebliche energetische Sanierungsbedarf an den Bestandsgebäuden in Deutschland. Wir haben uns ja im Koalitionsvertrag vorgenommen, energetische Gebäudesanierung noch mehr zu fördern. Im Hinblick auf die Bezahlbarkeit von Wohnraum müssen da einige Bedingungen beachtet werden. Die von uns favorisierte steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung muss deshalb zeitnah kommen.

Das Building Information Modeling (BIM) ist in dem Baukulturbericht nur einmal zu finden. Die Verfasser schreiben, dass es bei Neubauten bereits selbstverständlich angewandt werde, während bei Altbauten häufig Planunterlagen und eine Bestandsaufnahme fehlten. Strukturell geriete damit der Umbau weiter ins Hintertreffen. Dabei gehen bereits heute zwei Drittel aller Bauinvestitionen in den Gebäudebestand und die Sanierung der bestehenden Infrastruktur. Umso wichtiger ist es deshalb, digitale Bauakten für Bestandsbauten anzulegen. Ich selbst halte BIM im Bestand deshalb für eine große Chance. Die Digitalisierung des Bestands ist zentral für die im Bericht forcierte Umbaukultur.

Der Baukulturbericht beschäftigt sich auch mit anderen Zukunftsthemen, unter anderem dem seriellen Bauen. Gerade im Hinblick auf die Bezahlbarkeit des Wohnraums sind ja das modulare und serielle Bauen eine große Chance. Nun weiß ich um die Vorbehalte, vor allem unter den Architekten. Aber das serielle und modulare Bauen sind so innovativ, dass die Gestaltungsmöglichkeiten fast unbegrenzt sind, sodass auch die baukulturellen Bedenken ausgeräumt werden können. Es bleibt spannend, hier die Entwicklungen zu verfolgen und vielleicht auch politisch zu unterstützen – Stichwort: Typengenehmigungen.

Was bei uns nun als Nächstes ansteht, sind die Ergebnisse der Baulandkommission. Es wird sicher spannend, zu sehen, wie die Handlungsempfehlungen der Kommission aussehen. Denn diese werden maßgeblichen Einfluss auf die Baukultur in unserem Land nehmen. Der Wohnraum auf dem neuen Bauland muss dann zügig, möglichst preisgünstig und nachhaltig sein. Und er muss in einem lebenswerten Umfeld für die Menschen entstehen.