Rede


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Katrin Staffler: Wir können mit mRNA unsere eigenen Körperzellen zu kleinen Fabriken machen

Redebeitrag zum Gentechnikstandort Deutschland

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als Biochemikerin würde ich am allerliebsten ganz laut jubeln, wenn es darum geht, dass man medizinische Biotechnologie in Deutschland stärker unterstützt und stärker fördert; denn ich weiß, wie wichtig sie für die Zukunft der Medizin sein kann. Gerade auch die medizinischen Einsatzmöglichkeiten der sogenannten mRNA-Technologien sind ja de facto fast grenzenlos.

Im Übrigen unterstützt die Bundesregierung sie auch schon. Ich möchte jetzt nur ein kleines Beispiel nennen, weil ich es bemerkenswert fand, was der Minister am Anfang der Debatte dazu gesagt hat: Die Bundesregierung fördert BioNTech bei der Impfstoffentwicklung mit fast 400 Millionen Euro. – 400 Millionen Euro! Minister Wissing hat gerade eindrucksvoll gefordert, wie wichtig es sei, dass man diese Technologien auch finanziell unterstützt. Laut einer Landtagsanfrage fördert das Land Rheinland-Pfalz BioNTech mit 500 000 Euro. Ich würde sagen: An dieser Stelle sprechen Worte und Taten unterschiedliche Sprachen.

Kommen wir zurück zur „messenger RNA“. Hinter dem zugegebenermaßen etwas sperrigen Begriff steckt nämlich zum Beispiel die Möglichkeit, dass man bestimmte genetische Krankheiten behandelt, ohne dass wir – das ist ja das Spannende an dem Thema – in die DNA, also in unser Erbgut, eingreifen. Wir können mit mRNA unsere eigenen Körperzellen zu kleinen Fabriken machen. Diese Fabriken produzieren dann Arzneimittel, die helfen, Krankheiten zu heilen, an denen man selber erkrankt ist. Wir können durch mRNA unserem Immunsystem den Bauplan für Antigene geben, sodass das Immunsystem dann dafür sorgen kann, dass Infektionskrankheiten effektiv bekämpft werden können oder – das finde ich eigentlich fast noch viel besser – dass durch die Immunreaktion zum Beispiel Tumorzellen angegriffen und abgetötet werden und wir im optimalen Fall mithilfe dieser Technologie Krebs heilen können.

Ich weiß, das klingt alles ein Stück weit nach Science-Fiction; aber in den letzten Monaten sind all diese Dinge, von denen ich da beispielhaft gesprochen habe, greifbar geworden. So verrückt es vielleicht klingen mag: Wir stehen in ganz, ganz vielen Bereichen der Medizin vor einer großen Revolution. Deswegen sage ich ganz klar: Natürlich müssen wir diese Entwicklungen unterstützen. Natürlich müssen wir dafür Sorge tragen, dass wir die Spitzenposition, die wir im Moment ein Stück weit haben, nicht nur über die Ziellinie retten; vielmehr geht es darum, Strategien zu entwickeln, die es uns erlauben, den Vorsprung, den wir im Moment haben, auszubauen.

Um ehrlich zu sein, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP, mir scheint, Sie haben den Antrag, den Sie dazu heute vorgelegt haben, auf die Schnelle aus dem Ärmel geschüttelt. Der Aktionsplan ist sicherlich gut gemeint. Mir ist das aber, ehrlich gesagt, ein bisschen zu viel Aktionismus, ein bisschen zu wenig Plan, zu wenig Strategie, zu wenig roter Faden. Aus meiner Sicht geht es nämlich nicht darum, dass wir so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich in irgendwelche Programme hineinstecken, die uns gerade so in den Sinn kommen.

Ich wünsche mir mehr: Ich wünsche mir ein Programm, das alle Bereiche in diesem Zusammenhang umfänglich im Blick hat, das von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung reicht, das auch die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und ‑wissenschaftlern vorantreibt usw. usf. Wenn uns all das gelingt, dann brauchen wir immer noch eine gute Strategie im Bereich der Wissenschaftskommunikation. Denn wie wollen wir den Menschen erklären, dass es wichtig ist, eine Menge Geld in einen Bereich zu investieren, den kaum einer in Gänze verstehen kann und der die Menschen, ehrlich gesagt, manchmal auch ein Stück weit verunsichert? Wir merken doch jetzt schon bei dem Impfstoff zu Covid-19, dass wir unglaublich viel erklären müssen, um die diffusen Ängste, die in Teilen der Bevölkerung vorhanden sind, abbauen zu können.

Genau deswegen müssen wir diesen Bereich in einer umfangreichen Strategie mitdenken; denn nur mit einer breiten Akzeptanz kann das Ergebnis zu einem medizinischen, aber auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg werden; der Kollege Mario Brandenburg müsste das eigentlich auch wissen. Es ist wichtig – das ist gerade schon von Kees de Vries angesprochen worden –, dass solche Methoden für jedermann erfahrbar werden, damit es auch verstanden werden kann. Wir haben gerade diesen Laborkurs zu CRISPR/Cas gemacht und haben gesehen, dass gerade durch die praktische Arbeit das Verständnis für diese neuen Technologien wächst.

Wir müssen daran arbeiten, dass mehr Bürgerinnen und Bürger die Chance bekommen, einen besseren Einblick in diese Technologien zu erhalten. Deswegen würde es mich freuen, wenn auch einige Kollegen diesen Kurs irgendwann noch nachholen und dabei ein tieferes Verständnis für diese Technologien bekommen; denn wenn wir wichtige Entscheidungen in diesem Bereich treffen wollen, dann sollten wir auch ein grundlegendes Verständnis davon haben. Bei der einen oder anderen Rede, die wir heute gehört haben, war ich mir da, ehrlich gesagt, nicht so sicher.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Vizepräsidentin Petra Pau:

Kollegin Staffler, achten Sie bitte auf die Zeit.

 

Katrin Staffler (CDU/CSU):

Letzter Absatz. – Die FDP hat mit ihrem Antrag etwas vorgelegt, was in die richtige Richtung geht. Ich freue mich darauf, wenn wir das Thema künftig so weiterentwickeln, dass daraus ein großer Erfolg wird für unsere Gesundheit, für unseren Wissenschaftsstandort und vor allem für unsere Zukunft.

Danke schön.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Carsten Schneider [Erfurt] [SPD])