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Julia Klöckner: "Es wird von den Landwirten viel getan"

Rede zum Einzelplan 10 - Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft:

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Künast, viele der Bauern sind heute auch hier vor dem Brandenburger Tor, weil sie das, was Sie sagen, nicht mehr hören können.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der FDP)

Sie haben vorhin von Respekt gesprochen. Ihre Kollegin – Ihre Fraktionsvorsitzende – Frau Göring-Eckardt hat hier an dieser Stelle gesagt: Die deutschen Bauern verseuchen unsere Umwelt.

(Zurufe von der CDU/CSU: Pfui!)

Ich kann Ihnen sagen: Die verseuchen nicht unsere Umwelt, die machen uns alle satt.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD)

Das sind die Botschaften, die unsere Bauern brauchen.

Die Bauern haben es satt, aus städtischer Perspektive belehrt zu werden, wie Landwirtschaft auszusehen hat. Die städtische Perspektive: Das ist so, wie Sie alle sprechen, gerade die Grünen. Jetzt nehme ich mir die Grünen gerade mal vor. Sie freuen sich doch: Wunderbar, der Wolf ist wieder da; das ist schön für die Artenvielfalt. – Am meisten freuen sich die, die im fünften Stock wohnen und den Wolf nie gesehen haben, sich aber überhaupt keine Gedanken machen, wie es im ländlichen Raum aussieht, wenn nachts 40 Schafe gerissen werden, wie es diesen Menschen dann geht.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der AfD)

Auch das hat etwas damit zu tun, ob wir Menschen zusammenbringen oder auseinandertreiben.

Wie Sie über die deutschen Bauern sprechen, wie Sie über Landwirtschaft sprechen – dass Bauern am Ende nur noch Landschaftsgärtner sein sollen –, das hat nichts mit dem Beruf derer zu tun, die Nahrungsmittel produzieren. Diese Menschen haben Respekt verdient für das, was sie jeden Tag mit guter fachlicher Praxis tun.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Ich habe hier ein paar Werbezettel mitgebracht: Ganze Rinderfilets für 2,66 Euro – Sie sparen 1,33 Euro, heißt es da.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch CDU-Politik, CSU-Politik!)

Hier haben wir eine Leberwurst für 99 Cent – ein Kracher der Aktion, 48 Prozent reduziert. Das sage ich Ihnen ganz deutlich: Das ist ein Problem.

(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ja! – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ändern Sie das doch! – Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist denn Ihre Lösung?)

Sie begreifen am Ende eines nicht: Sie fordern mehr Tierwohl. Das fordern wir auch – aber mit Augenmaß und mit der Fähigkeit, dass Ställe umgebaut werden können.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was habe ich denn gerade gesagt?)

Frau Künast, ich habe von Ihnen noch nie was dazu gehört, dass wir die TA Luft ändern, dass wir das Baugesetzbuch ändern.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Legen Sie doch mal ein Gesamtkonzept vor! Sie haben keinen Rückhalt in der eigenen Fraktion!)

Auch da blockieren Sie. Da sind Sie die Vertreter der Zielkonflikte, Sie wollen die Zielkonflikte nicht lösen.

(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Deshalb bin ich Horst Seehofer dankbar.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Wir werden das Baugesetzbuch ändern, damit mehr Tierwohl und auch Berechenbarkeit in der Landwirtschaft möglich werden.

Es ist auch eine Chance, dass heute die Landwirte hier in Berlin sind. Noch nie wurde medial, noch nie wurde auch in dieser Breite so darüber diskutiert, was die Bauern umtreibt. Es ist ein Mix aus vielem. Es hat was zu tun mit politischen Entscheidungen. Ja, die Düngeverordnung.

Das mal an die FDP adressiert: Sie haben ja überhaupt kein Interesse an Verantwortung gehabt; deshalb sind Sie ja in keine Koalition gegangen.

(Lachen bei der FDP)

Sie hätten das doch selber gar nicht anders hinbekommen. Ich weiß, das tut weh, das tut weh – das ist der Unterschied zwischen Opposition und Verantwortung!

Die Düngeverordnung müssen wir umsetzen, um Strafzahlungen zu verhindern.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie hätten sie doch längst ändern können – ändern müssen!)

Aber wir haben die Antworten. Von Ihnen habe ich überhaupt nichts gehört, was Ihre Antworten sind; Sie beschreiben ja nur. Die Antwort wird sein: Weniger Nitrat in unserem Grundwasser. Deshalb werden wir als Haushaltsgesetzgeber – ich danke unseren Kolleginnen und Kollegen – die Bauern begleiten, wenn es darum geht, wie sie die Gülle aufbereiten können, wie sie Gülle lagern können, wie sie bessere Ausbringtechniken bekommen.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das war aber nicht die FDP, das waren Sie, die Union!)

Wir setzen auf Hightech, wir setzen auf Zukunft, wir setzen auf Lösungen, wir setzen auf Miteinander statt Gegeneinander, wie Sie es hier machen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Insofern ist dieser Haushalt – da bedanke ich mich sehr herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen der Koalition, bei den Berichterstattern und auch beim Bundesfinanzministerium – eine klare Zusage für die Zukunft, er ist Grundlage, damit wir Landwirtschaft weiterentwickeln können, hin zu dem, was auch gesellschaftlich gefordert ist. Und da haben wir Zielkonflikte.

Vizepräsidentin Claudia Roth:

Frau Kollegin, erlauben Sie eine Zwischenfrage oder ‑bemerkung von dem Kollegen von der FDP?

 

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft:

Herr Hocker hat ja seine große Sternstunde, weil er in der Opposition ist und weil er auch den Bauern sagt, er unterstützt sie. – Ich freue mich auf die Frage.

 

Dr. Gero Clemens Hocker (FDP):

Vielen Dank, Frau Ministerin, dass ich diese Zwischenfrage stellen darf. – Sie haben eben die Nitratsituation angesprochen und haben davon gesprochen, was Sie veranlassen, um den Landwirten zu helfen, die Nitratbelastung zu reduzieren. Ich möchte von Ihnen gerne wissen, ob Sie bereits auch andere Zielgruppen und andere potenzielle Verursacher von erhöhten Messwerten als die Landwirtschaft in Augenschein genommen haben oder ob Sie wiederum das betreiben, was Sie häufig genug in den letzten zwei Jahren getan haben, nämlich pauschal Landwirten den Schwarzen Peter zuschieben.

 

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft:

Herr Hocker, wie Sie das machen, ist es ein schönes Stilmittel. Ich weiß nicht, welchen Teil des Satzes von mir Sie vorhin nicht verstanden haben, weil Ihre Frage schon vorbereitet war. Ich kann nur sagen: Es gibt andere Eintragungswege, absolut. Ich würde Ihnen vor allen Dingen raten, mal auf Ihre Parteikollegen in Rheinland-Pfalz zuzugehen, dort gibt es eine Ampelregierung. Da sollten die Messstellen und die Maßnahmen zur Binnendifferenzierung einmal ordentlich gestaltet werden, sodass es passgenau wird. Das wäre Ihre Aufgabe und nicht, einfach nur nach Berlin zu zeigen.

(Beifall bei der CDU/CSU – Rainer Spiering [SPD]: Sehr gut!)

Nun, liebe Kolleginnen und Kollegen, will ich auf diesen Haushalt eingehen. Dieser Haushalt ist ein Haushalt der Zusagen für die Landwirtschaft, für die ländlichen Räume, für gute Ernährung, auch einer Zusage für die Biodiversität und für unseren Wald. Wir haben einen Rekordhaushalt vorgelegt. In den vergangen 20 Jahren haben wir noch nie so viel Geld für unsere deutschen Bäuerinnen und Bauern zur Verfügung gestellt. Es sind 6,7 Milliarden Euro. Das ist ein ganz, ganz starkes Zeichen. Dafür herzlichen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Was haben wir vor? Natürlich geht es darum, diese Ziele, die angestrebt werden, umzusetzen: mehr Insektenschutz – unsere Landwirte sind auf die Biodiversität, auf Bestäuber angewiesen –, mehr Klimaschutz – die Landwirtschaft ist der Schlüssel dazu –, CO2-Bindung in der Land- und Forstwirtschaft, mehr Tierwohl. Natürlich gehen wir in diese Richtung, aber die Investitionen in die Ställe kosten Millionen. Deshalb haben wir Haushaltstitel, die das unterstützen, zum Beispiel mit den Ländern zusammen 83 Millionen Euro für Insektenschutz. Es wird von den Landwirten viel getan. Wir wollen sie unterstützen, damit sie noch mehr tun können.

Dann gehen wir einen weiteren Schritt, wenn es darum geht, wie wir das Thema Düngeverordnung regeln können, wie wir aber vor allen Dingen hin zur Modernität kommen. Wir haben bei der Klausurtagung unserer Bundesregierung in Meseberg eines erreicht: Wir werden die weißen Flecken in den ländlichen Räumen schließen: über den Äckern, über den Höfen, über den Gemeindestraßen. Wir werden ein Extraprogramm mit 60 Millionen Euro nur für die Landwirtschaft aufsetzen. Warum? Damit der Anschluss gewährleistet ist für die modernen Techniken; denn uns als Christdemokraten geht es darum, nicht nur die Probleme zu beschreiben, sondern sie auch zu lösen. Aber wir müssen sie vorher beschreiben. Deshalb setzen wir auf die Digitalisierung, damit wir Präzisionslandwirtschaft voranbringen können: weniger Düngemittel, weniger Pflanzenschutzmittel, aber passgenau und effektiv. Deshalb ist es wichtig: dass die Erträge gesichert werden, dass die Erträge Menschen satt machen, aber dass wir nachhaltig und ressourcenschonend arbeiten können. Dieser Haushalt zeigt, wie das geht.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Liebe Freunde, wir haben viel Geld in die Hand genommen, zum Beispiel wenn es darum geht, den Wald zu unterstützen. Und da schaue ich auch mal wieder die Grünen an: Sie haben ja die Vorstellung: Sie wollen den Wald sich selbst überlassen.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Machen Sie mal selber Politik! Reden Sie doch mal mit Ihrer Fraktion! Sie brauchen den Rückhalt Ihrer Fraktion! Der fehlt doch!)

Ihnen kann es mit dem Klimaschutz sonst nicht schnell genug gehen, aber beim Wald verhindern Sie jede Neuanpflanzung, weil Sie auf Naturverjüngung setzen. Wir setzen auf aktive Waldbewirtschaftung. Das ist Klimaschutz, das ist Nachhaltigkeit. Jeder Baum, der heute nicht gepflanzt wird, wird unseren Kindern und Enkelkindern fehlen. Deshalb machen wir es anders, als Sie Grüne es vorschlagen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

So werden wir eine standortangepasste Mischwaldanpflanzung weiter vorantreiben.

(Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bei der Wahrheit bleiben!)

Uns geht es darum, den Schutz der Moorböden zu unterstützen, weniger Torfverwendung, Humusaufbau, Energieeffizienz in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Wir stellen die Gelder zur Verfügung.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber Ihr Geld reicht nicht, weil die Struktur falsch ist! Das wissen Sie doch!)

Sie fordern nur – wir stellen die Gelder zur Verfügung. So wird Zukunft zu gestalten sein. So werden wir Ziele auch erreichen.

(Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bei der Wahrheit bleiben!)

– Ich habe Sie nicht verstanden.

(Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bei der Wahrheit bleiben, bitte!)

– „Bei der Wahrheit bleiben“. Das ist wunderbar. Herr Ebner ist jemand, der gerne mit der Wahrheit arbeitet, vor allen Dingen auf Twitter. Herr Ebner ist einer der Vertreter der Apokalyptiker.

(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oh!)

– Ja, doch.

(Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie werden immer besser!)

Mit Apokalypse kann man Ängste verbreiten, und Ängste lähmen. So können Sie Leute natürlich für sich gewinnen. Bleiben wir doch mal dabei!

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Deswegen sind die Bauern auch so frustriert von Ihnen!)

Wie können wir Zielkonflikte lösen? Ihr Parteivorsitzender, Herr Habeck, hat es ja versucht, und dann wurde er zurückgepfiffen. Wir können Zielkonflikte lösen, indem wir neue Pflanzenzüchtungen angehen. Wir wollen weniger Pflanzenschutzmittel. Wir wollen klimastabile Pflanzen haben. Und wir wollen Ertragssicherheit haben. Es ist doch eine Arroganz, zu sagen, wir brauchen kein CRISPR/Cas; eine Arroganz gegenüber allen Ländern, deren Menschen sich vor Hunger hierher auf den Weg machen müssen.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Amira Mohamed Ali [DIE LINKE]: Das ist doch Unsinn!)

Insofern ist das ein klares Zeichen und ein klares Angebot unsererseits, wohin wir gehen.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo ist das C? Sie sind arrogant, dass Sie glauben, wir müssen die Welt ernähren!)

– „Wo ist das C?“ Das ist jetzt ganz wunderbar. Wissen Sie, der Punkt ist der: Es hat etwas mit Überheblichkeit zu tun.

(Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Wir sollten Frau Künast Tabletten besorgen, damit sie sich wieder beruhigt!)

Wir haben gefühlt 80 Millionen Hobbyagrarwissenschaftler in Deutschland: Sie sagen der Landwirtschaft, was sie zu tun hat; sie selber aber kriegen – Sie wahrscheinlich schon – keine Kartoffel groß. Wir müssen einmal deutlich machen, dass diese Generation der Landwirte so gut ausgebildet ist wie keine Generation zuvor.

(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben die Verantwortung!)

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Grünenmitarbeiter besser ausgebildet sind als die Landwirte, die davon leben müssen.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Das klarzustellen, gehört auch zum Respekt dazu.

Insofern gehen wir weiter: Respekt vor denen, die Nahrungsmittel produzieren, weniger Nahrungsmittelverschwendung, höhere Preise für unsere Nahrungsmittel und dadurch auch für unsere Produzenten. Wir müssen dann aber auch den Handel in die Pflicht nehmen, und das werden wir mit der UTP-Richtlinie machen. Das ist die Richtlinie, die gegen unlautere Handelspraktiken vorgeht. Ich werde diese hier eins zu eins umsetzen. Wir haben sie in Brüssel vorangebracht.

Ein Beispiel: Ein Gemüsebauer bekommt am Abend die Bestellung für 30 Paletten Kopfsalat, die am nächsten Morgen um 5 Uhr abzuliefern sind. Morgens um 4.30 Uhr kommt dann aber ein Fax mit der Nachricht: Bitte nur 15 Paletten Kopfsalat. – Dann kann er die anderen 15 Paletten wegschmeißen. Das sind Bedingungen der ungleichen Augenhöhe, und deshalb sagen wir: Wir reden nicht nur darüber. Wir ändern das. Und deshalb setzen wir die UTP-Richtlinie hier in Deutschland auch eins zu eins um.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Dieser Haushalt, liebe Freundinnen und Freunde und liebe Abgeordnete, geht ganz klar darauf ein, was Ernährung bedeutet. Er geht ganz klar darauf ein, was unsere ländlichen Räume für uns bedeuten. Die ländlichen Räume sind die Kraftzentren unseres Landes. Die ländlichen Räume sind nicht nur Kompensationsorte für städtische Wünsche.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Die ländlichen Räume brauchen Anbindung. Die ländlichen Räume brauchen Unterstützung für unser Ehrenamt.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Vizepräsidentin Claudia Roth:

Frau Klöckner, erlauben Sie eine weitere Zwischenfrage oder ‑bemerkung von der FDP-Kollegin?

 

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft:

Ja.

(Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Union wird in den Städten gar nicht mehr gewählt werden!)

 

Carina Konrad (FDP):

Vielen Dank, Frau Klöckner, dass Sie die Zwischenfrage zulassen.

(Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Fühlen Sie sich vernachlässigt?)

Sie wissen, dass ich es liebe, wenn Sie die Probleme der Grünen benennen und die Widersprüche der grünen Partei in der Agrarpolitik aufzeigen. Aber ich wundere mich schon, dass Sie es hier versäumen, die Widersprüche in der Agrarpolitik der Koalition aufzuzeigen. Das Problem in dieser Koalition sind eben nicht die Grünen, sondern das Problem ist die SPD,

(Widerspruch bei Abgeordneten der SPD – Ulli Nissen [SPD]: Wir sind das Problem? Frechheit! Das bestreite ich eindeutig!)

die mit ihrer Ministerin das Bundesumweltministerium besetzt und dort verantwortlich ist für genau die Punkte, die Sie eben genannt haben: für die Umsetzung der Düngeverordnung und dafür, ob neue Züchtungsmethoden in Deutschland zur Anwendung kommen oder nicht. Ich würde mir wünschen, eine Antwort darauf zu bekommen, wie Sie diesen Zielkonflikt in der eigenen Regierung auflösen.

(Beifall bei der FDP)

 

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft:

Danke schön, Frau Konrad. – Da Sie gerade bei den Widersprüchen der anderen sind, fange ich erst mal bei den Widersprüchen der FDP an.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Carina Konrad [FDP]: Ja, genau deshalb habe ich gefragt! – Otto Fricke [FDP]: Das sitzt aber tief! Habt ihr solche Angst?)

Das ist ja so wunderbar an der FDP: Sie sagen immer, Sie stehen an der Seite der Landwirte und sehen darin Ihre große Chance, versprechen aber wider besseres Wissen Dinge, die Sie so gar nicht umsetzen könnten. Ich finde es hochinteressant, dass Sie just dort an die Wurzel gehen wollen, wo es unsere Landwirte am meisten trifft: wenn sie nämlich krank sind, alt sind oder Unfälle haben. Für unsere landwirtschaftliche Sozialversicherung geben wir 4,1 Milliarden Euro. Das will die FDP ändern. Die FDP will diese abschaffen

(Carina Konrad [FDP]: Die haben wir eingeführt! – Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/CSU – Rainer Spiering [SPD]: So sind Sie!)

und in die übrige Sozialversicherung eingliedern. Das würde massive Kosten verursachen. Das ist für mich ein Widerspruch, den Sie erst mal auflösen müssen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Kommen wir zu Ihrer grundsätzlichen Frage. Darauf antworte ich sehr gerne und bedanke mich dafür sehr herzlich. Dass wir einen Insektenrückgang haben, ist unbestritten. Oder gehört die FDP auch bald zu denen, die Klimawandel leugnen und dann auch Insektenrückgang leugnen? Weiß ich jetzt nicht, ob das so ist. Ich hatte den Eindruck – deshalb.

(Widerspruch bei der FDP)

Wir haben einen Insektenrückgang. Es gibt Bienen-Begehren in ganz Deutschland, so auch in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern.

(Frank Sitta [FDP]: Das scheint ja alles tief zu sitzen!)

Gut, es ist auch eine Botschaft der FDP, dass sie die Bürger nicht für ganz normal hält, die da unterschreiben. Es ist die Frage, wie die Fragen gestellt werden; da bin ich bei Ihnen.

Unser Insektenschutzprogramm ist im Übrigen kein Gesetz. Es wurden darin Ziele formuliert. Was wir jetzt machen, ist – so hat es noch keine Regierung zuvor gemacht –, vor jedem einzelnen Schritt und jeder einzelnen Maßnahme im Rahmen von runden Tischen die Seite der Praktiker zu hören. Sollte es Einkommenseinbußen geben, werden wir beziffern, was das heißt. Wir werden keine blinde Enteignung vornehmen. Denn am Ende geht es darum, dass die Landwirte mit ihrem Grund und Boden ihren Lebensunterhalt verdienen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Deshalb werden wir ganz klar beziffern: Was kostet das? Es geht übrigens auch um die Frage: Wer ist am Insektenschwund noch schuld? Als Stichworte sind zu nennen: Lichtverschmutzung, die „Vorgärten des Grauens“, wo es nur Steine gibt, und die Versiegelung der Landschaft. All das gehört dazu. Ich freue mich, wenn sich Ihre FDP in Rheinland-Pfalz endlich auch mal darum kümmert und nicht nur darüber redet, Frau Konrad.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Ich möchte auf einen wichtigen Punkt zu sprechen kommen: das Ehrenamt. Ich danke in diesem Zusammenhang meiner Fraktion; denn die CDU/CSU-Fraktion hat von Anfang an Wert darauf gelegt, dass das Ehrenamt das Herz des ländlichen Raumes ist. Kein Buchstabe eines Gesetzes und kein Geldschein können das ersetzen, was Ehrenamtliche leisten. Aber wir merken eines, nämlich dass immer weniger in Vereinen den Vorsitz übernehmen wollen, weil es zu bürokratisch ist, beispielsweise wegen der Datenschutz-Grundverordnung. Viele andere rechtliche und finanzielle Fragen machen den Ehrenamtlern und den Vereinen Sorgen. Deshalb bringen wir gemeinsam etwas auf den Weg, das es so noch nicht gegeben hat: Wir finanzieren über unser Programm BULE das Vorhaben „Hauptamt stärkt Ehrenamt“. Warum? Damit Ehrenamt bleiben kann. Mit einem Projekt in 18 Landkreisen zeigen wir, wie wir das in die Praxis überführen können. Das ist Zukunft für den ländlichen Raum.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will mit dem Thema Ernährung enden. Man könnte heute so vieles sagen. Zielkonflikte sind da, aber man löst sie nicht, indem man sie liegen lässt. Es kann nicht darum gehen, sich schnellen und billigen Applaus zu holen. Vielmehr muss man zu einer Lösung kommen, damit die Landwirtschaft vor die Welle kommt und nicht in der Rechtfertigungsecke bleibt. Hier braucht es Augenmaß und Unterstützung.

Lassen Sie mich also abschließend einen Schwerpunkt im Bereich Ernährung ansprechen. Wir wollen die gesunde Ernährung zur einfachen Ernährung machen. Der Nutri-Score ist in Arbeit. Die Reduktions- und Innovationsstrategie für weniger Zucker, Salz und Fette ist in Arbeit, wir kommen voran.

Außerdem haben wir die älteren Menschen im Blick. Sie liegen uns am Herzen; nicht nur die ersten 1 000 Tage im Leben von Neugeborenen. Dass Ernährung und Demenzerkrankung miteinander zu tun haben, ist klar, aber es gibt noch viele Forschungslücken. Unser Ministerium und ich als Ministerin gehen da rein, und wir erforschen das, um Menschen ein besseres Leben zu gewährleisten, um ihnen zur Seite zu stehen. Das ist unsere Politik der Großen Koalition. Das ist ein Haushalt der Zusage, der Zuversicht und der Perspektive.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Heike Baehrens [SPD])