Rede


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Dr. Michael von Abercron: Erfolge im internationalen Umweltschutz wären zurzeit durchaus eine sehr gute Sache

Redebeitrag zum Meeresschutzgebiet im Weddellmeer

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit 1980 ist das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, im Gebiet des Weddellmeeres umfangreich mit Forschungsarbeiten aktiv. Diese außerordentliche Kompetenz war ein Grund dafür, warum die internationale Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis die Bundesregierung beauftragt hat, einen Antrag zum Schutz des Weddellmeeres vorzubereiten. Das war 2016. Gestatten Sie mir eine interessante Anmerkung: Unsere Forschung scheint an der Stelle nicht die schlechteste zu sein. Darauf möchte ich einmal hinweisen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Dieser Weg erwies sich als steinig. Der Kommission gehören 24 Staaten an, und auch die EU ist dabei. Natürlich herrscht hier das Einstimmigkeitsprinzip. So müssen natürlich alle Bedenken abgewogen werden. Trotz umfangreicher Daten und sehr guter Argumente ist es in den alljährlichen Konferenzen bisher nicht gelungen, die gewünschte Schutzwirkung für das Weddellmeer herzustellen. Wir haben acht Mal getagt, und acht Mal ist es gescheitert. Zuletzt lag es in der Tat an Widerständen aus China und Russland. Ob und in welchem Format in diesem Jahr, im Oktober, die Tagung überhaupt stattfindet, ist noch nicht ganz sicher; denn die Russen haben Bedenken gegen die virtuelle Ausgestaltung der Tagung.

Norwegen – das ist sehr interessant – haben wir inzwischen überzeugen können, genauer gesagt: Unsere Bundeskanzlerin hat wohl mit der norwegischen Ministerpräsidentin sehr intensiv geredet. Ihr sei dafür außerordentlicher Dank ausgerichtet.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Frank Schwabe [SPD] und Steffi Lemke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Das zeigt aber auch, dass Gespräche auf höchster Regierungsebene durchaus Erfolg haben können. Es ist also einen Versuch wert, Russland und China auch in ein solches Konzept einzubeziehen.

Was sind denn eigentlich deren Argumente? Russland geht es hier natürlich in erster Linie um fischereiwirtschaftliche Interessen, um Krill, um den Seehecht. Bei China ist es dagegen eher ein formales Argument, sie wollen nämlich die Daten im Vorwege der Unterschutzstellung erreichen.

Wenn man darüber nachdenkt, so finde ich, kommt man zu dem Ergebnis, dass dies keine unüberwindbaren Hürden sind. Man könnte ja den Russen anbieten, auch mal über fischereiwirtschaftliche Nutzung weit im Vorfeld des Südpazifiks und über den MSY dort zu reden. Mit den Chinesen könnte man darüber reden, ob es möglich ist, eine gute wissenschaftliche Zusammenarbeit zu organisieren, um deren Sorgen dann ein wenig obsolet werden zu lassen.

Erfolge im internationalen Umweltschutz wären zurzeit ja durchaus eine sehr gute Sache, um die international sehr abgekühlten Bedingungen aufzutauen. Das UN-Ziel, 10 Prozent der Weltmeere bis 2020 unter Schutz zu stellen, ist ein gutes Ziel, und das Weddellmeer könnte dabei sehr wohl helfen.

Übrigens, interessant ist, dass auch Russland und China nicht unerhebliche Flächen ihres Landes unter Schutz gestellt haben: Russland 12 Prozent – über 200 Millionen Hektar – und China immerhin 15 Prozent. Das lässt uns doch hoffen.

Warum liegt uns eigentlich diese ferne und so kalte Gegend so sehr am Herzen? Das AWI hat dazu acht Gründe genannt, die uns eigentlich sehr erwärmen sollten:

Erstens. Die Unberührtheit des Weddellmeeres.

Zweitens. Das Meereis als Nahrungsquelle, Krill, Fischvorkommen, Nahrung für Meeressäuger und dergleichen.

Drittens. Die Uhren gehen da sehr viel langsamer. Hier leben extrem empfindliche Organismen, die sich sehr langsam reproduzieren.

Viertens. Eine große Artenvielfalt – es wurde schon angesprochen – von 14 000 Tierarten.

Fünftens. Ein Rückzugsort für kaltlebende Arten.

Sechstens. Die Heimat der Kaiserpinguine, 15 Kolonien, und auch von Sturmvögeln, 300 000 Brutpaare.

Siebtens. Die Speisekammer der Meeressäuger, zum Beispiel für sechs Robbenarten und zwölf Walarten.

Achtens. Eine Fischart und viele Jäger. Die Fischart ist der arktische Silberfisch, der als Grundnahrungsmittel für das Leben dort überall eine ganz große Rolle spielt.

Um es noch klarer zu fassen: Eine Klimaveränderung könnte in der Tat die Schelfeiskante weiter zurückweichen lassen. Das würde die Fischereimöglichkeiten erweitern, und das, meine Damen und Herren, gilt es in jedem Fall zu verhindern.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Es ist und muss im Interesse aller nachfolgenden Generationen auf unserem Globus sein, dass wir diese besondere Region für immer schützen und erhalten.

(Beifall des Abg. Manfred Grund [CDU/CSU])

Ich bin unserer Bundesministerin, Julia Klöckner, und auch allen anderen im Kabinett außerordentlich dankbar, dass sie diesen gemeinsamen Antrag mittragen. Unser Antrag soll helfen, sie zu unterstützen, und wir wollen hoffen, dass uns ein möglichst schneller und guter Schutz des Weddellmeeres bestmöglich gelingt.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)