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Artur Auernhammer: Wir müssen den deutschen Weinbau wieder auf gesunde Füße stellen

Redebeitrag zur Änderung des Weingesetzes

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mein besonderer, herzlicher Gruß geht jetzt an alle Winzerinnen und Winzer, deren Weinanbaugebiet heute noch nicht genannt worden ist.

(Beifall bei Abgeordneten im ganzen Hause)

Dazu zählt das wichtigste Weinanbaugebiet Deutschlands,

(Heiterkeit bei Abgeordneten im ganzen Hause)

Franken,

(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD)

und der wichtigste Weinort, Tauberzell.

(Heiterkeit bei Abgeordneten im ganzen Hause)

Vizepräsident in Claudia Roth:

Darf ich das mal testen?

Artur Auernhammer (CDU/CSU):

Frau Präsidentin, ich lade Sie gerne zu einem Glas Wein ein. Es erweitert jeden Horizont und dergleichen; da bin ich gern dabei.

Aber jetzt zur Sache. Ich glaube, das alles Entscheidende hat die Frau Ministerin anfangs erwähnt; sie hat ihre Zustandsbeschreibung des deutschen Weins gegeben: Es ging um den Rückgang des Absatzes des deutschen Weines. Ich möchte hier mal klar und deutlich sagen: Die deutsche Weinproduktion ist nicht mehr ausreichend, um den deutschen Weintrinker mit Wein zu versorgen. Der Deutsche kauft lieber südafrikanischen, kalifornischen Wein, Südtiroler Wein statt deutschen Wein. Das sage ich auch vor dem Hintergrund des Ökologiegedankens, des Transportes. Umso wichtiger ist, dass wir hier vorankommen, dass wir eine Novelle zum Weingesetz machen und dann eine neue Weinverordnung.

Vizepräsident in Claudia Roth:

Herr Kollege, erlauben Sie eine Zwischenfrage oder ‑bemerkung von Dr. Hoffmann von der FDP-Fraktion?

Artur Auernhammer (CDU/CSU):

Das kommt darauf an, wie viel Schoppen Wein er anbietet.

(Heiterkeit)

Gut, bitte.

 

Dr. Christoph Hoffmann (FDP):

Vielen Dank, Herr Kollege Auernhammer, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. Bei uns sagt man nicht „Schoppen“, sondern „Viertele“; aber sei’s drum.

Ist Ihnen aufgefallen, dass unsere Landwirtschaftsministerin das sonnenreichste Weinbaugebiet vergessen hat, nämlich den Kaiserstuhl und Südbaden?

(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Vizepräsident in Claudia Roth:

Herr Kollege, was sagen Sie dazu?

Artur Auernhammer (CDU/CSU):

Mir ist das nicht aufgefallen.

(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten im ganzen Hause)

Denn sie hat alle 13 deutschen Weinanbaugebiete genannt, wenn auch nicht alle namentlich. Wenn Sie der Meinung sind, Ihr Weinanbaugebiet ist etwas ganz Besonderes, dann bitte ich darum, dass Sie dem Parlamentarischen Weinforum einmal eine Kostprobe zur Verfügung stellen; dann können wir das auch gut beraten. – Danke schön.

(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten im ganzen Hause)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, was wäre, hätten wir solch einen Absatzrückgang in anderen Produktionsbereichen der deutschen Landwirtschaft, hätten wir diesen Absatzrückgang bei Milch, bei Fleisch oder in anderen Produktionsbereichen? Ich sage das gerade am heutigen Tag. Vielleicht können Sie sich daran erinnern, was voriges Jahr an diesem 26. November in Berlin los war: Tausende Traktoren auf der Straße. Aber die Winzer, sind sie zu bescheiden? Wie auch immer: Wir müssen hier wieder stärker vorankommen, wir müssen den deutschen Weinbau wieder auf gesunde Füße stellen und wirklich nach vorne schauen.

Mich hat ganz besonders beeindruckt: Bei unserem Fachgespräch, das wir im Ausschuss gehabt haben, hat jeder Verband seinen Beitrag geleistet. Aber ganz besonders beeindruckt hat mich die Vertreterin der Jungwinzer, Mara Walz, die gesagt hat: Wir wollen eine Zukunftsperspektive für den deutschen Wein; wir wollen eine Planungssicherheit für Generationen. – Das ist unser Auftrag heute. Das müssen wir bei diesem Weingesetz auch berücksichtigen, meine Damen und Herren.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)

Es gibt bei 13 Weinanbaugebieten, habe ich festgestellt, auch noch mehr als 13 Meinungen. Die Meinungsvielfalt in diesem Produktionsbereich ist wesentlich größer als in allen anderen Bereichen. Hier einen Kompromiss zu finden, ist schwierig. Aber wenn wir jedem Kompromiss nachgeben, wird es keine große Novelle. Deshalb ist der gefundene Gesetzentwurf auch der richtige. Ich bin überzeugt: Wir können vielleicht noch über ein oder zwei Jahre reden, was die Übergangszeiten anbelangt. Aber ich möchte schon daran erinnern: Wenn wir solch einen Rückgang beim Absatz haben und jetzt nicht handeln, dann ist der deutsche Wein in zehn, in zwanzig Jahren vielleicht zum Spottpreis von 99 Cent im Tetrapak beim Discounter im Angebot, aber er wird auf der Welt nicht mehr als Qualitätswein angesehen. Darum besteht hier jetzt Handlungsbedarf. Hier wurde schon lange die Grundlage gelegt, die Winzer haben schon lange darüber diskutiert, und jetzt müssen wir es angehen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, dieses Jahr, 2020, ist ein besonderes Jahr. Wir wissen alle: Corona hat uns alle geprägt. Es hat aber auch die jungen Menschen geprägt, die im Weinbau unterwegs sind, die auch den deutschen Wein nach außen tragen. Ich denke hier an unsere Weinhoheiten. Egal ob das meine Tauberzeller Weinprinzessin ist oder die Deutsche Weinkönigin, sie haben sich alle in ihrer Regentschaft auf die Weinfeste gefreut, auf die Veranstaltungen, auf die Verkostungen; sie wollten was Gutes tun für den deutschen Wein. Und sie haben diese Herausforderungen angenommen. Deshalb ein ganz, ganz herzliches Dankeschön an unsere Weinhoheiten: Sie haben das in den sozialen Medien ganz hervorragend gemacht. Das soll unser Auftrag, unser Vorbild sein!

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP und des Abg. Stephan Protschka [AfD])

Zum Schluss ein herzliches Dankeschön an die Mitglieder des Parlamentarischen Weinforums. Man kann vieles werden im Deutschen Bundestag – vielleicht auch Vizepräsidentin –; aber um Mitglied im Parlamentarischen Weinforum zu werden, da muss man gewisse Grundvoraussetzungen haben.

(Heiterkeit bei Abgeordneten im ganzen Hause)

Vizepräsident in Claudia Roth:

Als Vizepräsidentin auch, mit Verlaub.

Artur Auernhammer (CDU/CSU):

Frau Präsidentin, erlauben Sie mir, dass ich das jetzt nicht weiter ausführe, was Sie geäußert haben.

Aber ich will heute auch sagen: Ein herzliches Dankeschön an alle Mitglieder im Parlamentarischen Weinforum! Die Gründung des Parlamentarischen Weinforums hatte ja eine Ursache. Julia Klöckner könnte eine Geschichte dazu erzählen, genauso wie Gustav Herzog. Noch einmal: Herzliches Dankeschön für diese Zusammenarbeit! Diese Zusammenarbeit, sage ich jetzt ganz offen, ist vielleicht auch Ansporn, dass wir das bei dem einen oder anderen Gesetz auch so handhaben können. Dann ist unserer Demokratie auch geholfen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)