Rede


Hermann-Josef Scharf: Wir sollten der aktiven Sterbehilfe die gute hospizliche Versorgung entgegensetzen (Quelle: )
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Der Tod, das Sterben gehört zum Leben

Rede zur Palliativmedizin

5.a) Beratung Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Leben am Lebensende - Bessere Rahmenbedingungen für Schwerkranke und Sterbende schaffen
- Drs 16/9442 -
5.b) Beratung Zwischenber Enquete- Kommission Ethik und Recht der modernen Medizin
Verbesserung der Versorgung Schwerstkranker und Sterbender in Deutschland durch Palliativmedizin und Hospizarbeit
- Drs 15/5858 -
Herr Präsident!
Meine sehr verehrten Damen und Herren!
 
Ein Lebensende in Würde verbringen zu können, ist der Wunsch eines jeden Menschen. Ziel der Pflege von Sterbenden ist es, dem schwerkranken Menschen so lange wie möglich ein Gefühl des Wohlbefinden zu verschaffen, damit er, wenn er es will, frei wird, um sich seelisch und geistig auf den Tod vorzubereiten.
 
Die Auseinandersetzung mit dieser Aufgabe führte zu der heutigen Hospizbewegung. Aber die dahinterstehende Idee ist weit umfassender. Das lateinische Wort „hospitium“ in der Bedeutung von „Herberge“ und „Gastfreundschaft“ sagt für den Hospizgedanken das Wesentliche: Hilfe und Schutz für den Kranken in der letzten Phase seines Lebens, der letzten Strecke seines irdischen Daseins. In ebendieser letzten Phase benötigen die häufig schwerkranken Menschen Schmerzlinderung und umfänglichen Beistand. Die Palliativmedizin und die Hospizarbeit leisten hierbei wichtige Dienste. Für uns von der Union war es daher ein großes Anliegen, die Stärkung der Hospizarbeit und der Palliativmedizin im Koalitionsvertrag festzuschreiben. Durch die Aufnahme der integrativen hospizlichen Versorgung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen mit der Gesundheitsreform haben wir dieses Ziel weitgehend erreicht. Seither haben Versicherte einen Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung, die durch ihre Ausgestaltung den Wunsch vieler Frauen und Männer erfüllt, bis zum Tod in der vertrauten Umgebung betreut zu werden. Durch diese bedarfsgerechte Palliativversorgung wird die ambulante Pflege am Lebensende erheblich verbessert und eine Vernetzung von vorhandenen Strukturen vor Ort erreicht. Krankenhäusern ist es nun möglich, ihre hochspezialisierten Leistungen auch ambulant anzubieten. Das ist ein neues, gutes Angebot. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ambulante Hospizdienste ihre Dienste nun nicht mehr nur im privaten Bereich, sondern auch in Alten- und Pflegeheimen, wo sie meines Erachtens dringend benötigt werden, anbieten können.
 
Aber auch durch die Pflegereform sind zahlreiche Leistungsverbesserungen entstanden, die die Situation von Menschen am Lebensende und die ihrer Familien wesentlich verbessern. Ich denke an die Möglichkeit für Angehörige, bis zu sechs Monate Pflegezeit mit Rückkehranspruch an den Arbeitsplatz zu nehmen, um Zeit für den Sterbenden zu haben. Bei einem akut auftretenden Pflegefall ist eine kurzfristige Freistellung von bis zu zehn Werktagen möglich. Die Fristen zur Begutachtung durch den medizinischen Dienst wurden wesentlich verkürzt, um den Betroffenen schnell Sicherheit für die notwendige Hilfe zu geben. So muss bei Menschen, die bereits in einem Hospiz sind oder in häuslicher Umgebung palliative Leistungen erhalten, innerhalb einer Woche die Entscheidung über das Gutachten vorliegen. Auch die Erhöhung des Pflegegeldes wird die Situation der pflegenden Angehörigen verbessern.
 
Wir sollten der aktiven Sterbehilfe diese guten Alternativen entgegensetzen.
 
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))
 
Der Tod, das Sterben gehört zum Leben. In der Hospizbewegung geht es, wie schon gesagt, um die Bedürfnisse unserer Sterbenskranken. Was brauchen wir auf unserem letzten Lebensweg? Bei den Missionarinnen der Nächstenliebe, den Schwestern von Mutter Teresa in Indien, habe ich eine Antwort gefunden: Hände, die zum Dienen bereit sind, und ein Herz, das lieben will. Die bereits heute in vielen Krankenhäusern, Heimen, Hospizen und in häuslicher Umgebung geleistete Sterbebegleitung und die palliativmedizinische Betreuung sind von ganz zentraler Bedeutung. Diese wollen wir als CDU/CSU nachhaltig unterstützen.
 
Herzlichen Dank.
 
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)