Rede


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Agrarwissenschaften in Deutschland stärken

Rede zur Agrarwissenschaften

31.) Beratung Antrag DIE LINKE.
Die Agrarwissenschaften in Deutschland auf neue Anforderungen ausrichten
- Drs 16/12998 -
Bildung, Wissenschaft und Forschung sind das Gebot der Stunde. Gerade in der schwierigen Wirtschaftssituation sichern sie Wohlstand. Sie sind die Basis um wettbewerbsfähiger aus der Krise herauszukommen.
 
Die CDU/CSU- und SPD-Bundestagsfraktionen haben in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, dass ab dem Jahr 2009 jährlich 3,0% des Bruttoinlandproduktes in Forschung und Entwicklung investiert werden soll.  Andere europäische Staaten haben bereits heute ein BIP-Anteil an FuE von 3,5% und mehr. Allein die Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung stiegen in dieser Legislaturperiode um  3 Mrd. Euro von 9 auf rd. 12 Mrd. Euro. Im Rahmen des Konjunkturpakets II werden weitere 11 Mrd. Euro für Bildung, Forschung, Entwicklung und Innovation bereitgestellt.
 
Für die Lösung der Welternährungsprobleme und im Kampf gegen den Klimawandel spielen die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Agrar- und Ernährungswissensforschung eine zentrale Rolle.
 
Um Antworten auf die Probleme der Zukunft zu finden, sind neue Konzepte in der agrar- und ernährungswissenschaftlichen Forschung durch Bündelung und Vernetzung zu organisieren.
Notwendige Maßnahmen sind in den zurückliegenden Jahren auf den Weg gebracht worden. Dies bezieht sich u.a. auf die Neustrukturierung im Bereich der Ressortforschung des BMELV.
 
Die Neustrukturierung bringt die Leistungskraft  der Agrarforschung in Deutschland erheblich voran. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Agrarforschung in Deutschland. Als ein Beispiel des gesamten Maßnahmenkomplexes sei an dieser Stelle die Erweiterung der Forschungseinrichtung des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems angeführt.
 
Der Aufbruch der neu aufgestellten Ressortforschung ist in allen Einrichtungen zu spüren. Jetzt die notwendigen Standortverlagerungen, wie im Antrag der LINKEN gefordert, in Frage zu stellen, wären geradezu absurd, weil dadurch ihre Schlagkraft geschwächt würde. Besonders dann, wenn die Stärkung der Agrarforschung als Schlüssel zur Lösung globaler Probleme erkannt worden ist.
 
Die Vernetzung der Agrar- und Ernährungsforschung wird u.a. durch den kürzlich entschiedenen Wettbewerb „Kompetenznetze der Agrar- und Ernährungsforschung“ gestärkt. Von bundesweit 27 eingereichten Strategiekonzepten sind in zwei Auswahlrunden die besten 4 Agrarcluster unter Koordination der Universitäten Bonn, Kiel, Rostock und der Technischen Universität München ausgewählt worden.
 
Darüber hinaus soll der deutsche Gartenbau durch Bündelung der wissenschaftlichen Kompetenzen unter Koordination der Universität Hannover unterstützt werden.
 
Das Forschungsinformationssystem der Agrar- und Ernährungsforschung (FISA) wurde im März von Bund und Ländern eröffnet. Ich kann nur empfehlen sich dort über Forschungsprojekte, Forschungsförderer und Forschungsinstitutionen im Agrar- und Ernährungsbereich in Deutschland zu informieren. Das FISA fördert die Vernetzung. Es wird die Effizienz der Forschung im Agrar- und Ernährungsbereich weiter steigern.
 
Mit dem Programm zur Innovationsförderung werden vom BMELV seit 2006 neue Technologien und Verfahren im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft und zur Verbesserung des Verbraucherschutzes unterstützt: Drahtlose Kommunikationssysteme für Landmaschinen, Unkrauterkennung zur gezielten Steuerung des Einsatzes von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, Züchtungsforschung für resistente Kulturpflanzen und leistungsfähige und gesunde Nutztiere sind nur einige Beispiele für eine Verbesserung der Nachhaltigkeit und die Ressourcen schonende Steigerung der Produktivität.
 
Ein weiteres Beispiel ist die Pflanzenbiotechnologie. Mithilfe der Genomforschung, der Systembiologie und der biologischen Sicherheitsforschung werden alle zur Verfügung stehenden technischen Optionen zur Pflanzenproduktion und -nutzung untersucht und entwickelt. Dabei wird auch der öffentliche Dialog über die Chancen geführt, die die moderne Biotechnologie eröffnet. Dazu zählt beispielsweise die Ertragssteigerung und die Erzeugung neuer Inhaltsstoffe bei der Pflanzenzüchtung oder die notwendige Anpassung von Nutzpflanzen an den Klimawandel.
 
Im Rahmen des Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) pflegen die Bundes- und Länderressorts für Forschung und Landwirtschaft eine enge Zusammenarbeit und bilden eine Koordinierungsplattform.
 
Das sind nur einige Beispiele, die neben der Vernetzung und Exzellenzsteigerung, einer höheren Attraktivität und der Förderung des agrarwissenschaftliches Nachwuchses dienen.
 
Insgesamt stiegen die Ausgaben des Bundes für die Agrar- und Ernährungsforschung von 2005 bis 2008 von etwa 155 Mio. Euro auf knapp 390 Mio. Euro (Quelle: Bundesbericht Forschung und Innovation 2008). Dazu kommen noch teilweise Bundesmittel z.B. aus der Förderung der Biotechnologie und für die Nachhaltigkeit. Eine Bilanz, die sich in der Tat sehen lassen kann. Hieran sollten sich auch die anderen Verantwortlichen in den Ländern und in der Wirtschaft ein Vorbild nehmen.
 
In der Forschung sind wir auf einem guten Weg, der mit gleicher Intensität fortzusetzen ist.
 
Die universitäre Lehre ist frei. Eine Standardisierung der Lehrinhalte und Ausbildungsgänge ist kontraproduktiv und widerspricht dem humboldtschen Ideal von der universitären Freiheit von Forschung und Lehre.  Mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen an deutschen Hochschulen ist bereits ein großer Teil der strukturellen Veränderung vollzogen.  Studium und Ausbildung bedeutet heute häufig ein hohes Maß an Spezialisierung und Internationalisierung.
Mit dem Bologna-Prozess wurden für Europa dazu die entscheidenden Grundsteine gelegt. Studenten haben nun die Möglichkeit nach ihren Interessen an verschiedenen Hochschulen zu studieren. Die erworbenen Studienabschlüsse werden international anerkannt.
 
Des Weiteren sind durch die Föderalismusreform I u.a. die Rahmengesetzgebungskompetenzen des Bundes für die allgemeinen Grundsätze des Hochschulwesens entfallen, die in der Vergangenheit die Grundlage für die meisten Regelungen des Hochschulrahmengesetzes bildeten.
 
Die im Antrag geforderte Vereinheitlichung von Ausbildungsgängen widerspricht eindeutig dem universitären Lehr- und Forschungsauftrag. Im Gegenteil: Die Lösung des Problems heißt Vielfalt. Das Gutachten des Wissenschaftsrates hat die Hochschulen aufgefordert, ihre bisherigen Lehr- und Forschungsstrukturen neu auszurichten.
 
Gut ausgebildete Fachkräfte sind das Fundament einer innovativen Ernährungs- und Agrarwissenschaften. Ein weiterer Ausbau dieses wichtigen Forschungs- und Ausbildungsstranges ist ein Kernanliegen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Denn die Herausforderungen lassen ein Ruhen unserer Bemühungen nicht zu.
 
Innovationen sind die Grundlage einer zukunftsfähigen Entwicklung der Betriebe. Daher wird die CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der nächsten Legislaturperiode eine breit angelegte Innovations- und Qualifizierungsoffensive für die Land- und Ernährungswirtschaft starten und die Vernetzung der Agrarforschung in Deutschland weiter stärken.
 
Nur so können Land- und Ernährungswirtschaft die vielfältigen Anforderungen der Gesellschaft, vom qualitativ hochwertigen Angebot von Lebensmitteln und Rohstoffen bis zur Verbindung von effizienter Wirtschaftsweise mit Umwelt- und Naturschutz wettbewerbsfähig leisten. Zudem müssen wir unserer internationalen Verantwortung gerecht werden mit Beiträgen zur Welternährung und zur nachhaltigen Entwicklung.

Wir wollen, dass die deutsche Agrarforschung sowohl wissenschaftlich exzellent als auch praxisorientiert ist. Unverzichtbar ist eine hohe Ausbildungsqualität und -breite in ausreichender Kapazität für den wissenschaftlichen und praxisorientierten Führungsnachwuchs. Wir wollen die besten Köpfe auch für die Landwirtschaft gewinnen. Dafür muss die Eigenständigkeit der Agrarwissenschaften erhalten werden. Sie müssen finanziell gestärkt, ihre Zusammenarbeit mit Industrie und Landwirtschaft gefördert und zukunftsfähige Strukturen geschaffen werden.
 
Auch die Länder sind gefordert bei ihren Agrarfakultäten und Universitäts- und Fachhochschuleinrichtungen. Wir brauchen in allen Teilen Deutschlands regional verankerte und gleichzeitig überregionale, mit den außeruniversitären Forschungsinstituten sowie der Wirtschaft gut vernetzte Standorte. Ein beachtenswerter Ansatz ist das "Netzwerk Agrarwissenschaften Ostdeutschland", das von den Agrarstandorten der Humboldt Universität in Berlin, der Universität Rostock und der Martin Luther Universität Halle gebildet wird.
 
Voraussetzung für den Erfolg einer Innovationsoffensive Agrar sind innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und die breite Nutzung moderner Technologien einschließlich der Biotechnologie.