Rede


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Thomas Heilmann: Die Arbeit im Wandel ist insgesamt eine Chance

Redebeitrag zur Nachhaltigkeit von Sozial- und Arbeitsmarktpolitik

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Zuschauer hier im Saal und an den digitalen Endgeräten! Wir haben uns dieses Thema in der Unionsfraktion aufgeteilt. Der Kollege Zimmer hat unser Wertekonzept erläutert, das ich ausdrücklich teile. Meine Kolleginnen haben über die unerledigten Dinge bei der Gleichberechtigung der Frauen gesprochen. Auch das teile ich selbstverständlich.

Die Liste des Unerledigten ist leider noch lang. Ein Aspekt in dieser Debatte ist mir allerdings zu kurz gekommen, und über den möchte ich reden: Es fehlt an Optimismus bei der Arbeit im Wandel, wie unser Thema heute heißt. Natürlich müssen wir den sozialen Schutz den neuen Bedingungen anpassen; das ist hier vielfach gesagt worden, und dem widerspreche ich ausdrücklich nicht. Aber wir sollten das nicht in der Art und Weise tun, dass wir den Menschen vor allen Dingen Angst vor der Transformation machen.

(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer macht das denn?)

Angst ist kein guter Ratgeber und schafft gerade keine Nachhaltigkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Denn, meine Damen und Herren, die neue Arbeit, die Arbeit im Wandel schafft viele Chancen. Sie entlastet eher von Routine, sie reduziert körperliche Fehlbelastungen, sie schafft größere Flexibilität. Die neue Arbeit verlangt höherwertige Qualifikationen. Sie verlangt mehr soziale Qualifikation, mehr Kommunikationstalent, mehr Planung, mehr Steuerung und übrigens auch mehr Kompetenz im Team – alles Aufgaben, die dann auch auf unsere Bildungssysteme zukommen werden. All das kommt natürlich den Beschäftigten in unserem Land auch entgegen. Höherqualifikation ist eine Chance und aus meiner Sicht keine Belastung.

Insofern habe ich es sehr bedauert, dass Frau Ferschl nach ihrer Rede nun nicht mehr da ist.

(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Sie hat sich aber entschuldigt! – Gegenruf der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bei uns allen!)

– Dann nehme ich das zurück. Das war mir nicht bekannt.

(Kerstin Kassner [DIE LINKE]: Sie hat es sehr bedauert! Es ging nicht anders!)

– Wenn es nicht anders geht, soll es mir recht sein. – Frau Ferschl hat in den Mittelpunkt ihrer Rede aber vor allem die Begriffe „Katastrophe“, „Leidtragende“, „Zukunftsängste“, „unsichere Arbeitsplätze“ etc. gestellt. Ich halte es, ehrlich gesagt, für viel zu einseitig, wenn man nur auf die Gefahren abstellt. Es kommt mir so vor, als wenn man einem Sporttreibenden sagt, er könne verletzt oder gefoult werden, er könne sich überanstrengen, aber nicht darüber redet, welche guten Seiten der Sport hat. Die Arbeit im Wandel ist insgesamt eine Chance und keine Belastung für unser Land.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Zuruf des Abg. Dr. Diether Dehm [DIE LINKE])

Dann hat hier keiner etwas zu den Äußerungen der AfD gesagt.

(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Muss man auch nicht!)

Deswegen will ich die letzte Minute meiner Redezeit darauf verwenden.

Ehrlich gesagt, Herr Springer – mit Ihnen fange ich an; das ist aber das kleinere Problem –, dass ausgerechnet Sie die Rente kritisieren,

(Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Unglaublich!)

das habe ich nicht verstanden. Wir alle hier in diesem Raum wissen doch, dass ausgerechnet Sie von der AfD gar kein Konzept haben, weil Sie sich auf nichts einigen können.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Besonders geärgert habe ich mich mal wieder über Sie, Herr Sichert. Sie haben eine ganz besondere Milchmädchenrechnung vorgelegt, aber das hätte ich vielleicht gar nicht erwähnt. Aber dass in diesem Hohen Haus jemand so offen für puren Egoismus plädiert, dafür habe ich mich, ehrlich gesagt, geschämt.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Denn Egoismus ist gerade nicht nachhaltig, sondern kurzsichtig. Wenn jeder nur an sich selbst denkt, dann geht es eben nicht allen besser, sondern allen schlechter.

(Zurufe von der LINKEN)

Das bringe ich meinen vier Kindern bei, und das ist doch eigentlich kulturelle Selbstverständlichkeit in diesem Land.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Vizepräsident in Claudia Roth:

Herr Heilmann, erlauben Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Sichert?

 

Thomas Heilmann (CDU/CSU):

Ja, bitte.

 

Martin Sichert (AfD):

Vielen Dank. – Herr Heilmann, Sie haben gerade gesagt, dass es purer Egoismus sei, wenn wir als deutsche Politiker, als deutsche Regierung, als deutscher Staat deutsches Steuergeld für deutsche Bürger ausgeben wollen und eben nicht Hunderte Milliarden Euro jedes Jahr an die Europäische Union und an fremde Staaten vergeben wollen.

(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Und was ist mit dem, was aus Europa zurückfließt? Also wirklich! – Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben so gar nichts verstanden, Herr Sichert!)

Finden Sie das wirklich puren Egoismus, oder ist das nicht eher vernünftige Politik?

(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Das ist eine Dummheit, was Sie fragen!)

 

Thomas Heilmann (CDU/CSU):

Nein, das ist purer Egoismus. Es gibt ja, ehrlich gesagt, auch den Beleg, dass wir damit sehr gut gefahren sind. Wir investieren ja nicht erst seit einem Jahr, sondern seit Jahrzehnten in Europa, und Deutschland ist es wirtschaftlich nie so gut gegangen wie mit Europa.

(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: So ist es!)

Das ist doch der wesentliche Unterschied. Das, was Sie sagen, ist weder theoretisch noch praktisch richtig.

(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Da Sie gerade stehen, möchte ich Ihnen sagen: Ich habe mich extrem geschämt für Ihre Äußerung über die sozialen Probleme in der Welt. Ich bitte Sie herzlich: Nutzen Sie die Möglichkeiten als Bundestagsabgeordneter und fahren Sie – wir bezahlen Ihnen auch die Reise – in Flüchtlingsunterkünfte in der Welt. Ich habe das getan. Danach würden Sie sich, glaube ich, nie wieder trauen, zu sagen, die größten sozialen Probleme existierten in diesem Land und nicht in Flüchtlingsheimen. Wie Sie darauf kommen, ist mir völlig schleierhaft.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Wenn Sie einmal in Jordanien, in der Türkei oder bei den Rohingyas waren, dann wissen Sie wirklich, wovon Sie da eigentlich reden. Das mit der Wohnungsnot in Berlin, so schlimm sie ist – das haben wir auch denen zu verdanken –, hat aber wirklich nichts damit zu tun. Es ist beschämend, dass Sie das hier so sagen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)