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Stephan Pilsinger: "Wir erweitern die Einsatzgebiete der Schnelltests"

Rede zu Kapazitäten für Schnelltests

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Antigenschnelltests sind ganz ohne Zweifel ein hervorragendes Instrument, um Coronainfektionen zügig und ohne großen Aufwand erkennen zu können, und zwar überall direkt vor Ort, sei es in Pflegeheimen, in medizinischen Einrichtungen, in Schulen, in Kitas und neuerdings auch in sozialen Einrichtungen.

Mit der Dritten Verordnung zur Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung erweitern wir deshalb nun erneut die Einsatzgebiete der Schnelltests. Auch in Einrichtungen, in denen viele Menschen in beengten Räumen zusammenkommen, beispielsweise in Asylunterkünften, Gemeinschaftseinrichtungen und Justizvollzugsanstalten, soll von nun an getestet werden können. Zudem sollen Einrichtungen der kritischen Infrastrukturen künftig ebenfalls Antigenschnelltests erwerben und einsetzen können. Ich begrüße es sehr, dass unsere Teststrategie damit den aktuellen Entwicklungen angepasst wird; denn, meine Damen und Herren, Testen gehört zu den wichtigsten Werkzeugen bei der Bekämpfung des Coronavirus.

Als Arzt und Gesundheitspolitiker warne ich jedoch an dieser Stelle davor, den Bürgerinnen und Bürgern die Schnelltests als Allheilmittel gegen die Pandemie zu verkaufen; denn ganz sicher sind sie auch wieder nicht. Im Gegenteil: Ein Großteil der auf dem Markt befindlichen Tests muss zwangsläufig von medizinischem Fachpersonal oder von entsprechend geschultem Personal angewendet werden. Das fängt bereits bei der Probeentnahme an. Wer hier nicht sorgsam vorgeht, riskiert schnell ein falsch negatives Testergebnis.

Voraussichtlich ab März werden wir aber auch Schnelltests auf dem Markt sehen, die einen einfacheren Abstrich aus den vorderen Nasenregionen zulassen. Aus diesem Grund haben wir nun auch frühzeitig beschlossen, Schnelltests, die explizit für die Eigenanwendung bestimmt sind, zuzulassen und von der Abgabebeschränkung auszunehmen. Aus meiner Sicht muss sich hier aber in der Praxis erst zeigen, wie genau diese Tests wirklich sind.

Diese Einschränkung trifft aber auch auf die bisher angebotenen Schnelltests zu. Im Vergleich zum PCR-Test ist nämlich in der Regel eine deutlich größere Virusmenge notwendig, damit sie ein positives Testergebnis auch wirklich zeigen. Außerdem kommt es bei Schnelltests deutlich häufiger vor, dass ein positives Ergebnis angezeigt wird, wenn die Person gar nicht infiziert ist.

Zudem geben auch aktuelle Untersuchungen Anlass zur Sorge. In einer jüngst veröffentlichten Studie des RKI wurde die klinische Performance eines neuen Sars-CoV-2-Antigentests in der Notaufnahme eines großen Krankenhauses untersucht. Das Ergebnis: Bei asymptomatischen Patienten weist der verwendete Schnelltest lediglich eine Sensitivität von 38,9 Prozent auf. Ein Großteil der Infektionen blieb also unentdeckt.

Für mich zeigt diese Studie ganz klar: Wir müssen die Ergebnisse von Schnelltests mit Vorsicht genießen. Insoweit muss die hohe Erwartung an die Schnelltests an dieser Stelle auch etwas gebremst werden; denn Testen ohne medizinischen Anlass führt zu einem falschen Sicherheitsgefühl. Auch ein negativer Test ist nur eine Momentaufnahme und entbindet uns nicht von der Einhaltung der Coronamaßnahmen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Meine Damen und Herren, die Situation ist weiter ernst. Mehr denn je müssen wir uns jetzt an die geltenden Beschränkungen halten. Wir müssen die weitere Ausbreitung der Virusmutation jetzt mit allen Mitteln bremsen. Unser Gesundheitssystem würde eine Vervielfachung der ohnehin viel zu hohen Fallzahlen nicht verkraften.

Es ist daher weiter wichtig, zu betonen: Auch mit dem regelmäßigen Einsatz von Schnelltests können die geltenden Einschränkungen weder aufgehoben noch gelockert werden. Die Tests helfen uns lediglich bei der Eindämmung der Pandemie und beim Schutz vulnerabler Gruppen. Sie werden das Virus aber nicht besiegen. Dazu brauchen wir die Impfung. Doch bis wir genug Impfstoff haben, um allen ein Impfangebot machen zu können, ist es noch ein langer Weg. Lassen Sie uns daher weiter mit aller Kraft gemeinsam gegen die Ausbreitung des Virus kämpfen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)