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Sensibler Umgang mit Antibiotika

Dramatische Folgen durch Resistenzen bei Erregern

Die Entwicklung von Antibiotika waren eine Revolution im Kampf gegen Krankheiten. Resistenzen bei Erregern könnten die Medizin allerdings wieder ins Vor-Penicillin-Zeitalter zurück katapultieren. Wie das verhindert werden kann, diskutierten Gesundheits- und Verbraucherschutzpolitiker der Unionsfraktion gemeinsam mit Experten aus Forschung und Medizin.

Georg Nüßlein, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, weist auf ein Ungleichgewicht in der Forschung hin: Derzeit befänden sich allein in den USA um die 800 Krebsmedikamente in der klinischen Forschung. Dem stünden lediglich 41 Antibiotika gegenüber, welche weltweit bereits auf dem Markt sind. Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bedauert, dass die Forschung auf diesem Gebiet in den letzten zwei Jahrzehnten keine substantiell neuen Entwicklungen hervorgebracht habe. Dies hänge auch mit einem mühsamen Forschungsprozess zusammen, denn durchschnittlich benötige man auf dem Gebiet der Antibiotika-Entwicklung „fünf Mal mehr Versuche, um einen Treffer zu landen, als bei anderen Medikamenten“, so der Minister. Dennoch sind Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika eine wichtige Säule der Strategie im Kampf gegen Resistenzen.

Ursachen für Resistenzen sind vielfältig

Jedes Jahr infizieren sich zwischen 400.000 und 600.000 Menschen in Deutschlands Krankenhäusern mit Keimen. 10.000 bis 15.000 Patienten sterben sogar daran. Die Fälle, in den antibiotikaresistente Erreger dafür verantwortlich sind, häufen sich. "Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, drohen die Behandlungsmöglichkeiten in ein Vor-Penicillin-Zeitalter zurückzufallen, mit dramatischen Konsequenzen. Krankheiten, die heute gut heilbar sind, wie etwa eine Blasenentzündung oder auch eine entzündete Operationswunde, können dann zu schweren Gesundheitsschäden führen", warnt Gröhe.

Die Ursachen für Resistenzen liegen auf der Hand: Unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin, mangelhafte Hygienemaßnahmen und zunehmender Handels- und Reiseverkehr begünstigen die Ausbreitung resistenter Erreger. „Keime kennen keine Grenzen“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gitta Connemann und verweist auf eine der größten und unterschätzten Gefahren des 21. Jahrhunderts: „Die Bezeichnung Post-Antibiotika-Zeitalter stammt nicht von Science-Fiction-Autoren, sondern von ausgewiesenen Experten. Das lässt keinen Zweifel an der Dramatik des Themas.“

Ausbreitung resistenter Keime verhindern

Um die Ausbreitung multiresistenter Keime zu verhindern, verweisen Nüsslein und Gröhe auf die vom Bundeskabinett im Mai verabschiedete Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie  "DART 2020". Ziel der Strategie ist es, mit einem übergreifenden Ansatz ("One-Health") zu verhindern, dass sich Antibiotika-Resistenzen ausbreiten. Denn oft werden Tiere und Menschen von ein und demselben Krankheitserreger infiziert und mit ähnlichen Antibiotika behandelt. "DART 2020" skizziert aber auch Maßnahmen, die die Menschen besser über Antibiotika-Resistenzen und Hygienequalität in Krankenhäusern zu aufklären soll.

Politiker und Experten sind sich einig, dass künftig in Ausbildung und Schulung von Ärzten und Pflegern noch stärker investiert werden muss, um das nötige Bewusstsein für die Gefahren des Antibiotika-Einsatzes zu schaffen.  „Nicht jeder Temperaturerhöhung muss in der Praxis mit Antibiotika begegnet werden“, fordert der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery. Alle Teile der Gesellschaft müssen stärker für einen bewussten Umgang mit den Medikamenten und multiresistenten Keimen sensibilisiert werden.

"Nötig sind klare Regeln für den Einsatz von Antibiotika in der Medizin und in der Tierhaltung", unterstreicht Bundesgesundheitsminister Gröhe. Wichtig sei zudem ein internationaler Ansatz, denn „kein Staat kann den weltweiten Anstieg von Antibiotika-Resistenzen alleine aufhalten“.

Resistenzen Problem für Mensch und Tier

Daher sei die Bekämpfung zunehmender Resistenzen „eine Querschnittsaufgabe, die uns alle fordert“, betont auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. International stellt er den „manchmal unverantwortlichen Gebrauch von Antibiotika etwa in Asien“ in den Fokus. Seit dem G7-Gipfel sei man jedoch auch im Dialog mit anderen Ländern einen Schritt weiter, so der Minister. Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs in Elmau hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Thema auf die Agenda gesetzt. Schmidt erläuterte außerdem, was Resistenzen für fleischproduzierende Betriebe bedeuten. Denn „hier geht es um die wirtschaftlichen Grundlagen. Resistenzen bedrohen die Landwirtschaftsbetriebe.“

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