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Dr. Georg Kippels: Wir müssen die WHO sowohl finanziell als auch moralisch stützen

Rede zum Engagement für die Globale Gesundheit

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Heute über einen Antrag über die globale Gesundheit debattieren zu dürfen, könnte an Aktualität nicht treffender sein. Aber bevor ich in die Inhalte einsteige, erlauben Sie mir einige wenige persönliche Bemerkungen. Seit etwa sechseinhalb Jahren beschäftige ich mich mit diesem Thema. Wenn ich diesen Prozess in ein Bild fassen sollte, dann in das, dass vor etwa sechs Jahren ein kleiner Setzling eingepflanzt worden ist, um den sich sehr viele bemüht haben, ihn gehegt und gepflegt haben, und jetzt, nach sechseinhalb Jahren, steht ein kleines Bäumchen mit einigen kleinen Früchten vor uns. Aber dieser Baum ist noch nicht stabil, er ist auch noch nicht nachhaltig, noch nicht dauerhaft gesichert, und die Früchte, die wir ernten, reichen auch noch nicht für alle Menschen aus, um ihr Wohlbefinden tatsächlich zu sichern. Deshalb müssen wir uns alle um dieses Bäumchen kümmern, also um die Thematik der globalen Gesundheit, und müssen gemeinschaftlich dafür eintreten.

Gesundheit als solche ist in der Wahrnehmung der Bevölkerung häufig ein rein nationales Thema. Es geht um den Hausarzt um die Ecke, das Krankenhaus, die Apotheke, die ärztliche Versorgung, den Facharzt und wie er zu erreichen ist. Nur in den seltensten Fällen nimmt man tatsächlich eine Blickrichtung ein, die über die Grenzen hinausreicht. Allerdings hat sich die Lebenswirklichkeit in der Zwischenzeit gewandelt. Im EU-Vertrag unter Artikel 168 ist noch die Privilegierung der nationalen Gesundheitssysteme vermerkt, aber die Internationalität der Menschen, der gesamten Weltbevölkerung ist eine der grundlegenden Ursachen dafür, dass sich Krankheiten und daraus resultierende Herausforderungen und insbesondere Krisen überhaupt nicht mehr an Landesgrenzen, noch nicht einmal an die Grenzen von Kontinenten halten, sondern über diese hinweggehen. Es muss für uns alle ein Auftrag sein, diese Herausforderungen zu erfassen, sie gemeinsam zu definieren und dann an Konzepten zu arbeiten, um diese Herausforderungen meistern zu können.

An der Spitze sehen wir als gemeinsame Institution, die sich dieser Aufgabe widmet, die Weltgesundheitsorganisation, die in diesen Tagen in aller Munde ist und die durchaus von dem einen oder anderen prominenten oder jedenfalls als prominent empfundenen Staatsoberhaupt mit Kritik belegt wird. Die Weltgesundheitsorganisation arbeitet seit 1949 an einer internationalen Gesundheitsverfassung. Sie arbeitet daran, dass Standards für alle Menschen auf dieser Welt erreichbar sind, dass die Versorgung gesichert ist und die medizinische Qualität immer auf dem neuesten Stand gehalten wird.

Dies alles setzt aber voraus, dass die politischen Kräfte, die Wissenschaft und die Forschung gemeinsam an diesem Ziel arbeiten und über alle Grenzen hinweg einen Erfahrungsaustausch vornehmen. Dieser ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, wie wir gerade in der Coronakrise erfahren durften, ist aber die Grundlage dafür, die notwendigen Erkenntnisse zu sammeln und die medizinischen Fortschritte in Form von Impfstoffen oder Arzneimitteln tatsächlich erreichen zu können.

Nichtsdestotrotz: Die lokalen Gesundheitssysteme sind das Fundament, sind die Basis für eine gute Versorgung. Sie müssen leistungsfähig sein, sie müssen resilient sein, sie müssen vor allen Dingen auch für jeden Menschen erreichbar sein. Das ist ein Baustein, an dem wir uns Tag für Tag abarbeiten müssen, hier in den Industrieländern, aber natürlich insbesondere auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern, weil dort die Schwäche der Gesundheitssysteme die größte Ursache für den Ausbruch von Pandemien ist.

Die Bekämpfung von Pandemien ist nicht nur ein Kampf gegen Krankheiten und persönliches Leid, sondern sie ist vor allen Dingen auch ein Kampf gegen internationale Krisen, die destabilisieren, die Staaten in fragile Verhältnisse stürzen können, die lokale Auseinandersetzungen provozieren und die vor allen Dingen zu einem wirtschaftlichen Niedergang führen können. Selbst hier in der industriellen Welt ist es offensichtlich so, dass eine Immunität keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, sondern wir Tag für Tag, insbesondere in Zusammenarbeit mit unseren Institutionen – an prominenter Stelle das Robert-Koch-Institut –, dafür kämpfen müssen.

Ich kann deshalb alle hier im Hause, aber auch draußen in der Bundesrepublik und in Europa nur auffordern, sich an diesem Kampf, an diesen Bemühungen zu beteiligen, die WHO sowohl finanziell als auch natürlich moralisch zu stützen. Sie ist die zentrale Einrichtung, die sich mit der Koordination beschäftigen muss.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Eines dürfen wir zum guten Schluss nicht vergessen: Ein wesentlicher Punkt, den die Wissenschaft immer wieder betont, ist die Nähe von Mensch und Tier, Tier und Mensch. Der One-Health-Ansatz, der besagt, dass die Übertragung und die Verursachung von wesentlichen Krankheiten wie auch Corona durch die Nähe von Mensch und Tier begünstigt werden und dass die Begegnungen in bislang abgelegenen Regionen dieser Welt zu neuen gesundheitlichen Bedrohungen führen, muss ganz besonders in den Fokus genommen werden. Wir müssen Forschung und Wissenschaft ausstatten, damit sie sich dieser Aufgabe widmen können.

Ich darf Sie alle bitten, sich an dieser Initiative, an diesem Kampf zu beteiligen – für uns alle, für die Menschen auf diesem Planeten.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)