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Für uns ist das Filmerbe des letzten Jahrhunderts von besonderer Bedeutung

Rede zum Filmerbe im digitalen Zeitalter

39.a) Beratung BeschlEmpf u Ber (22.A)

zum Antrag CDU/CSU, FDP Das Filmerbe stärken, die Kulturschätze für die Nachwelt bewahren und im digitalen Zeitalter zugänglich machen

zum Antrag SPD Ein nationales Digitalisierungsprogramm für Filmerbe

zum Antrag DIE LINKE. Finanzierung zur Bewahrung des deutschen Filmerbes endlich sicherstellen

zum Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Umfassende Initiative zur Digitalisierung des Filmerbes starten

- Drs 17/11006, 17/10098, 17/11007, 17/8353, 17/11933 -

b) Erste Beratung Bundesregierung

Bundesarchivgesetz/3.Änd

- Drs 17/12012 -

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit ungefähr 1890 werden Menschen von bewegten Bildern in den Bann gezogen. In der Fiktion kann durch immer mehr Spezialeffekte aus der Realität ausgebrochen werden. Zugleich kann die Realität verstörend authentisch und erschütternd wahrgenommen werden. Für Deutschland fällt die Geschichte des Films ziemlich genau mit der Entwicklung des Nationalstaates zusammen. Zudem ist Deutschland ein wichtiges Filmland geworden. Für uns ist das Filmerbe des letzten Jahrhunderts von besonderer Bedeutung.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Wir können viel vom Zeitgeist erfahren, wir können viel für die Aufklärung verwenden, und wir können auch das Entstehen der Filmkunst verfolgen. Der Film ist ein Massenmedium geworden, nicht nur deshalb, weil damit nahezu jeder Mensch erreicht wird, sondern auch, weil inzwischen massenhaft Filmmaterial vorliegt.

Das Filmportal des Deutschen Filminstituts umfasst ungefähr 80 000 Filme; im Antrag der Linken ist sogar mit 251 000 Filmen und mehr als 118 000 Videos kalkuliert worden. Jährlich kommen circa 200 Filmproduktionen hinzu. Das Erbe wächst. An den ungenauen Zahlenangaben kann man erkennen, dass wir uns diesem wertvollen Erbe dringend zuwenden müssen, nicht nur, um einen Überblick zu bekommen, sondern auch, um die Filme vor dem Verfall zu retten und den Zugang zu ihnen zu erhalten; mit fortschreitender Technik ist dies nur digital zu bewerkstelligen. Bei der Beschäftigung mit diesem Erbe wird auch die Komplexität des Themas deutlich. Deshalb fordern wir die Bundesregierung mit plausiblen Vorschlägen auf, sich diesem Erbe zuzuwenden.

Seit 2004 gibt es in den Ländern eine Pflichthinterlegung im Hinblick auf geförderte Filme. Aber es gibt keine Einheitlichkeit der Standards und keine Einheitlichkeit der Information sowie der Formate. Die Filme liegen an unterschiedlichen Orten, und niemand hat eine Übersicht, wo sie liegen. Wir haben jetzt über die Änderung des Bundesarchivgesetzes zu diskutieren. Ich hoffe, dass wir noch in diesem Monat die Pflichtregistrierung für alle Kinofilme beschließen können.

Nach der Registrierung werden wir uns mit der Hinterlegung beschäftigen müssen. Aber wir müssen eine verlässliche Grundlage durch die Registrierung haben, auf der wir das kalkulieren können. Da die Rechteinhaber der Filme Nutznießer sind, muss man sie natürlich einbeziehen und in vielen Fällen auch erst einmal ausfindig machen.

Die vollständige Übersicht über Anzahl, Qualität, Ort und Format ist Voraussetzung für ein Konzept zur Digitalisierung. Zu diesem Konzept der Digitalisierung gehört auch, dass wir uns Prioritäten setzen. Wir können nicht alle Filme auf einmal digitalisieren. Es wird auch nicht alles, was jemals auf Film gebannt worden ist, zu digitalisieren sein, und es ist auch nicht alles bewahrenswert. Außerdem müssen wir feststellen, welche Filme vorher restauriert werden müssen.

Wir hatten eine Anhörung zu diesem Thema. In dieser Anhörung wurde deutlich, dass auch die Langzeitarchivierung noch kein endgültiges Format hat. Im Gegenteil: Es waren Stimmen zu hören, die dem analogen Filmmaterial noch die am längsten überschaubare Zeitdauer zubilligten. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Langzeitarchivierungsformat und dem Format des öffentlichen Zugangs, den wir heute automatisch über das Internet annehmen.

Nach erfolgreicher Abarbeitung unseres Antrages haben wir einen vollständigen Überblick über alle Werke, kennen unsere finanziellen Möglichkeiten und die Erfordernisse, kennen den Umfang der zusätzlichen Informationen, die wir jedem Film beifügen wollen, haben Standards gefunden für ganz Deutschland, haben vielleicht eine Reihenfolge der Dringlichkeiten und haben auch die Erfahrungen anderer Länder studiert. Möglicherweise sind wir dann auch schlauer, was die Langzeitarchivierung betrifft. Das wäre viel, aber das ist auch notwendig.

Zum Filmerbe liegen vier Anträge aller Fraktionen mit der gleichen Sorge – das gebe ich zu – um die Bewahrung dieses kostbaren Gutes vor. Stimmen Sie unserem wohlabgewogenen, unpolemischen und differenzierten Antrag zu!

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Jan Korte [DIE LINKE]: Auf keinen Fall!)