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Dr. Dietlind Tiemann: "Es muss etwas passieren, um die Auswirkungen auf das Wissensniveau wieder einzufangen"

Bundesprogramm Lern-Buddys – Studierende helfen im Corona-Schuljahr

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Verlorene Corona-Generation“ oder „Die Zukunftsaussichten der ‚Generation Cʼ“ – so und ähnlich titeln derzeit Zeitungen über Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Ohne Frage, die Pandemie belastet nicht nur Seele und Geist, sondern auch besonders das Lernniveau; darüber sind wir uns sicherlich einig. Deshalb fordert die FDP-Fraktion in ihrem Antrag Lern-Buddys für Schüler – ein Vorschlag, der zwischen mobilen Luftfilteranlagen und neuen Digitalpakten ja schon sehr praktikabel hervorsticht; das muss man an der Stelle auch einmal sagen.

Hier muss ich die Kolleginnen und Kollegen schon mal dahin gehend ein Stück weit loben; denn es erscheint, lieber Kollege Jens Brandenburg, auch in Ihrem Vortrag eben, schon sehr logisch, was da vorgetragen wurde. Auch da sind wir uns einig.

(Beifall bei Abgeordneten der FDP)

Die Lern-Buddys sollen den Lernfortschritt von Schülern konkret in Gruppen begleiten, zusätzlich aber auch die Lehrkräfte entlasten – beides gute Vorschläge, die für alle Beteiligten sicherlich einen Mehrwert haben können.

Trotzdem finden sich in Ihrem Antrag Punkte, die unausgegoren sind und es eigentlich unnötig verkomplizieren. Im Antrag fordern Sie, dieses Buddy-Programm kurzfristig aufzubauen – wie immer. Ich denke, in der Pandemie haben wir oft genug bemerkt, dass Neues nicht ganz einfach und schnell in die Praxis umgesetzt werden kann, insbesondere in der Phase, in der wir uns im Moment befinden. Deshalb verstehe ich den Vorstoß nicht, jetzt wiederum ein neues Programm aufzulegen.

Besser wäre es doch gewesen, bereits vorhandene Programme zu nutzen – aufzustocken, wenn nötig. Diesen Weg sind wir in der Regierung gegangen. Zuerst – das ist immer wieder zu erwähnen – sind natürlich die Länder als zuständige Ebene in der Pflicht an dieser Stelle. Vom BMBF kam hier bereits im Januar 2021 der Vorschlag, bestehende Länderprogramme finanziell zu unterstützen. Und der Januar ist schon um. Zusätzlich sollen das Programm „Kultur macht stark“ und die darin bereits bestehenden Bündnisse für Bildung für die Nachhilfe genutzt werden. Es muss wieder einmal nichts Neues erfunden werden; die Struktur ist bereits vorhanden, und das Angebot an die Länder steht bereits auch.

Daneben ist mir noch nicht ganz klar, wie dieses Buddy-Programm vonseiten der Studenten umgesetzt werden soll. Im Antrag heißt es, für viele Studenten sei schließlich der Nebenjob weggefallen, da würde zeitlich das Buddy-Programm gut reinpassen. Das kann man so sehen. Sie machen es sich aber ein bisschen einfach, wenn Sie das eins zu eins übertragen:

Erstens betreffen Lerndefizite genauso Studenten aller Fachrichtungen. Ich glaube, die leiden ganz genauso darunter, dass sie keinen Präsenzunterricht haben, sondern Lehre fast ausschließlich digital und das auch in unterschiedlicher Qualität stattfindet.

Zweitens tue ich mich schwer damit, Lehramtsstudenten im großen Umfang einzusetzen. Für mich werden die Studenten hier doppelt verkauft: Einerseits können und sollen sie Nachhilfe leisten. Andererseits halte ich es für kritisch, diese bereits als Lehrerersatz einzusetzen; denn Lehrer fehlen ja schon grundsätzlich – das ist leider an zu vielen Stellen der Fall, weil die Planung der Ausbildung von Lehrern immer noch nicht so ist, dass der Bedarf gedeckt werden kann –, und die pädagogische Ausbildung der Lehramtsstudenten ist ja noch nicht abgeschlossen und soll auf jeden Fall sehr zügig vonstattengehen. Im Land Brandenburg – das darf ich einmal positiv erwähnen – hat das Programm „Studentische Lehr-Lernassistenzen an Brandenburger Schulen“ genau diese Abgrenzung vorgenommen, die ich mir im Antrag gewünscht hätte.

Und drittens. Klar, der 450-Euro-Job in der Gastronomie oder in einer Bar fehlt derzeit vielleicht. Nachhilfeunterricht kann aber nach 20 Uhr schlecht durchgeführt werden. Die Zeiten muss man natürlich auch betrachten; das vielleicht einmal mit einem Augenzwinkern.

Deshalb ist der Weg, Landesprogramme zu fördern und mit den bestehenden Bündnissen für Bildung zu unterstützen, der richtige Weg. Dort wurden über Jahre Erfahrungswerte zur Pädagogik und zum Zeitmanagement in Abstimmung mit den Schulen gesammelt, die jetzt natürlich ganz besonders wichtig sind. Zusätzlich hält sich durch die gewachsene Struktur auch der Verwaltungsaufwand in Grenzen. Auch das ist wichtig; denn was die Schulleiterinnen und Schulleiter, die Lehrkräfte, die Eltern und alle anderen Beteiligten jetzt natürlich überhaupt nicht brauchen, ist ein zusätzlicher Verwaltungs- und organisatorischer Aufwand. Das muss für uns ganz oben stehen.

Fakt ist: Es muss etwas passieren, um die Auswirkungen auf das Wissensniveau wieder einzufangen. Auch darin sind wir uns einig. Fakt ist aber auch: Die Maßnahmen hierzu müssen für Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen angemessen und vor allem ausgereift sein. Deshalb ist für den Bund auch hier weiterhin das Gebot der Stunde: klare Kommunikation nach außen, Nutzung aller belastbaren Programme zur Bewältigung der Pandemie, Gesprächsbereitschaft bei der Unterstützung von Länderprogrammen. Alles das steht bereit. Ich denke, wenn wir diese Strategie weiter verfolgen, sind wir nicht nur auf dem richtigen Weg, sondern können dort gemeinsam helfen.

Wenn wir den Weg so gehen, dann – es tut mir leid – brauchen wir den Antrag nicht. Deshalb lehnen wir ihn ab.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)