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Axel Knoerig: Wohlstand gibt es nicht zum Nulltarif

Einsetzung einer Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Gehen wir doch einmal zehn Jahre zurück: 2008 hatten wir 5 Millionen Arbeitslose, und es war schlussendlich richtig, dass wir zwei Konjunkturpakete durchgeführt haben, um gerade kleinere Betriebe bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen.

Wir haben das umschrieben mit „Qualifizieren statt entlassen“ – so hieß das Motto während der Finanz- und Wirtschaftskrise. Mit Kurzarbeit und beruflicher Weiterbildung konnten viele mittelständische Unternehmer ihr Personal halten. Und, meine sehr verehrten Damen und Herren: 1,8 Millionen Arbeitnehmer wurden in Arbeit und Brot gehalten. Diese Arbeitsmarktpolitik war vorausschauend und sehr wohl verantwortungsvoll. Wir haben schon vor zehn Jahren eine langfristige Fachkräftestrategie mit Blick auf künftige Krisen gestartet.

Als weitere Herausforderungen kamen erst der demografische und dann der digitale Wandel hinzu. In der Vergangenheit hatten wir eine Enquete-Kommission zur demografischen Entwicklung und eine zu „Internet und digitaler Gesellschaft“. Über acht Jahre lang sind diese beiden Enquete-Kommissionen eingesetzt worden.

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber die Handlungsempfehlungen wurden nicht umgesetzt!)

Diese haben den Weg bereitet für eine neue Enquete-Kommission mit dem Titel „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“.

Meine Damen und Herren, die duale Berufsausbildung ist die wesentliche Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes. Gerade im Rückblick auf die Wirtschaftskrise dient sie heute als ein Exportmodell für andere Staaten; denn durch die Nähe zum Arbeitsmarkt ist sie krisenfest. Die duale Ausbildung schafft Stabilität im beruflichen Bildungssystem.

Angesichts des Zwischenrufs von den Grünen erinnere ich mich noch gut daran, dass Sie es gewesen sind, die DualPlus gefordert haben. Mit diesem System wollten Sie eine staatliche Ausbildung für Jugendliche schaffen. Hunderte Millionen Euro sollten dafür eingesetzt werden. Während die duale Ausbildung ganz praxisnah erfolgt und das Wissen an verschiedenen Lernorten vermittelt wird, nämlich einmal im Betrieb bzw. im Unternehmen und in der Berufsschule als überbetriebliche Ausbildungsstätte, wollten die Grünen das Ganze im Grunde genommen aushöhlen und um eine weitere staatliche Säule ergänzen.

(Margit Stumpp [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Quatsch!)

Es ist heute richtig gesagt worden, dass betriebliche und akademische Ausbildung längst als gleichwertig gelten. Dennoch müssen wir die duale Berufsausbildung attraktiver machen; denn die irrige Annahme, dass ein Studium mehr Verdienst mit sich bringt, hält sich immer noch hartnäckig.

Der Bildungsbericht 2018 zeigt, wo wir bei der beruflichen Bildung ansetzen müssen. So gibt es zunehmende Probleme bei Angebot und Nachfrage. Stellenprofile und Qualifikationen passen vor Ort nicht immer zusammen. Wir stellen auch fest, dass die Ausbildungsquote der Betriebe in den letzten zehn Jahren um 16 Prozent zurückgegangen ist. Deshalb ist es richtig, dass wir uns die Frage stellen: Was müssen wir beim Modell der beruflichen Bildung anpassen, damit es zukünftig weiter erfolgreich ist?

Erstens. Es gibt ein altes Stichwort: das lebenslange Lernen. Das bedarf einer konkreten Umsetzung in die Praxis. Gerade in hoch digitalisierten Berufen ist alle paar Jahre eine grundlegende Weiterbildung der Mitarbeiter notwendig.

Zweitens. Das Fachwissen muss arbeitsplatznah aktualisiert werden. Das heißt: Die berufliche Weiterbildung sollte im Betrieb stattfinden. Damit werden die Arbeitsplätze in den Branchen zukunftssicherer gemacht.

Und drittens – ganz wichtig –: Wohlstand gibt es nicht zum Nulltarif. Wir brauchen eine vorausschauende Struktur- und Wachstumspolitik, aber wir müssen auch in die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik investieren. Zum Thema Arbeitswelt 4.0 sage ich immer wieder gerne: Das ist doch das Ergebnis von Bildung und Forschung, Wirtschaft und Arbeit.

Diese drei Punkte sind relevant: lebenslanges Lernen, das arbeitsplatznahe Aktualisieren des Fachwissens und die Erkenntnis, dass Wohlstand sehr wohl auch Infrastrukturaufgaben umfasst.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Meine Damen und Herren, ich bin mir sicher, dass wir mit dieser Enquete die berufliche Bildung und die Arbeitswelt 4.0 langfristig zusammenbringen werden. Damit bleibt unser Modell der beruflichen Bildung auch in Zukunft erfolgreich. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen in der Enquete-Kommission.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

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