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Arnold Vaatz: Wir haben insgesamt 15.000 unbesetzte Stellen im Handwerksbereich

Einsetzung einer Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Unsere Ministerin Anja Karliczek hat vor kurzem den Bericht „Bildung in Deutschland 2018“ vorgestellt. Im Bericht wird festgestellt, dass zum fünften Mal in Folge über eine halbe Million junge Menschen ein Studium begannen, sich also in eine Hochschulausbildung begeben haben. Auch wenn man berücksichtigt, dass es sich hierbei um die Geburtsjahrgänge von etwa 1997 bis 2001 handelt und wir in diesen Jahrgängen durchschnittlich etwa 750 000 Geburten hatten, kann man natürlich nicht sagen: 750 000 minus 500 000, dann bleiben noch 250 000 für die anderen Ausbildungsformen übrig. – Natürlich kommen diverse Studenten aus dem Ausland, andere gehen zum Studium ins Ausland; außerdem sind die doppelten Abiturjahrgänge, die durch die sogenannte G-8-Reform entstanden sind, zu berücksichtigen, und eine Reihe von Leuten haben den zweiten und dritten Bildungsweg begonnen. Gleichwohl beginnt, gemessen an unserer Bevölkerungszahl, eine enorme Anzahl Menschen eine akademische Ausbildung.

Demgegenüber stehen – so sagt es zum Beispiel der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks – insgesamt 15 000 unbesetzte Stellen im Handwerksbereich. Das ist eine alarmierende Zahl; denn auch Akademiker brauchen, wenn sie dann im Leben stehen, Handwerker. Sie brauchen Bäcker. Sie brauchen Elektriker, sie brauchen Menschen, die die Infrastruktur in Gang halten usw.

Deshalb ist es dringend erforderlich, dass wir dieser langjährigen Tendenz einmal eine Untersuchung entgegensetzen, die aufzeigt, was wir tun können, um diesem Mangel an Bewerbern in den Ausbildungsberufen langfristig zu begegnen und diese Entwicklung zum Guten zu wenden. Das ist das Ziel.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Weil durch den politischen Mikrokosmos allein über viele Jahre keine Verbesserungen erzielt wurden, sind wir auf die Idee gekommen, dass es das Beste wäre, eine Enquete-Kommission einzusetzen, die ja die Eigenschaft hat, dass man alle Bereiche und politischen Strömungen mitnehmen und sich vor allem auch des Sachverstandes von außen bedienen kann.

Aus diesem Grund legen wir heute einen gemeinsamen Antrag der genannten Parteien vor. Ich bedaure, dass die beiden anderen noch nicht dabei sind. Sie können sich das ja noch überlegen. Es geht erst einmal nur darum, beim Einsetzungsantrag dabei zu sein, das heißt, das ganze Projekt mitzutragen.

Wir haben also einen Antrag auf Einsetzung einer Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ vorgelegt. Mit diesem Titel drücken wir aus, dass sich in der beruflichen Bildung noch etwas ganz Wesentliches geändert hat. Der Lehrling der Vergangenheit mit Zollstock und Schraubenzieher ist nicht mehr das Typische. Vielmehr müssen wir feststellen, dass sich im beruflichen Bereich die Anforderungen an die Auszubildenden dramatisch verändert haben, dass wir hochqualifizierte Leute brauchen, die mit der digitalen Arbeitswelt umgehen können. Das erfordert nach unserer Auffassung weiter gehende Überlegungen, wie die Rahmenbedingungen und Zielvorstellungen geändert werden müssen.

Insbesondere kommt es uns darauf an, die Attraktivität der beruflichen Ausbildung zu erhöhen, das heißt klarzumachen, dass berufliche Ausbildung und akademische Ausbildung gleichwertige Biografien nach sich ziehen, die dieselbe Achtung und Wertschätzung in der Gesellschaft und außerdem die gleichen Entfaltungschancen verdienen.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Es ist natürlich auch notwendig, gemeinsam zu überlegen, welche Voraussetzungen die Berufsschulen vorhalten müssen und welche Rahmenbedingungen die ausbildenden Betriebe beachten müssen, um mehr und attraktivere Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen zu können.

Ich denke, wir machen heute einen guten Anfang, indem wir diesen Beschluss gemeinsam fassen und dann erfolgreich arbeiten. Wenn wir am Ende eine vernünftige Argumentationsgrundlage und eine vernünftige Faktengrundlage für die weiteren politischen Entscheidungen zustande bringen, dann haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Ansonsten waren die Bemühungen sinnlos. Das glaube ich aber nicht; denn wir sind ja alle voller Optimismus.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

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