Skip to main content

Empfohlener Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen Inhalt von einem Drittanbieter. Bitte bestätigen Sie, dass Sie den fremden Inhalt ansehen wollen und mit der Übermittlung von personenbezogenen Daten an die Drittplattform einverstanden sind.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Unsere Streitkräfte sind erwachsen geworden

Rede zu 60 Jahre Bundeswehr

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geburtstage sind immer schön, besonders runde.

(Claudia Roth (Augsburg) [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Na ja, es kommt darauf an!)

Bei den Menschen geht damit einher, dass wir älter werden, der eine oder die andere erfahrener, und hoffentlich werden wir mit jedem Lebensjahr auch ein gut Stück schlauer.

Wir begehen heute den 60. Geburtstag unserer Bundeswehr und können sagen: Unsere Streitkräfte sind erwachsen geworden; der heutige Tag gilt als die offizielle Geburtsstunde. Seit ihrer Gründung garantiert sie die Sicherheit Deutschlands und hat sich gleichzeitig zu einer international respektierten Armee entwickelt.

Die Bundeswehr musste sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten immer wieder auf neue Sicherheitslagen einstellen und vielfältige Aufgaben bewältigen. Sie hat den Wandel – wir hörten es – von einer reinen Verteidigungsarmee über die Armee der Einheit zur Armee im Einsatz vollzogen und sich dabei international bewährt.

Auch bei nationalen Katastrophen konnten und können wir uns auf die helfenden Hände der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr verlassen. Bei dem Thema Katastrophenhilfe erinnere ich mich an meinen eigenen Einsatz als sehr junger Soldat bei der Schneekatastrophe 1978/79, von der meine Heimatinsel Fehmarn und ganz Norddeutschland in besonderer Weise betroffen waren.

Meine Damen und Herren, wir begehen heute den 60. Jahrestag der Gründung der Bundeswehr. Dies ist für mich auch Teil einer sehr persönlich erlebten Geschichte. Über 30 Jahre, also mehr als die Hälfte dieser Zeit, diente ich in dieser unserer Bundeswehr. Meine Zeit als Berufssoldat hat mich nicht nur erfüllt, sondern mir persönlich auch viel gegeben. Sie hat mich geprägt und auch ein Stück weit zu dem Menschen werden lassen, der ich heute bin.

Der Soldatenberuf ist kein Beruf wie jeder andere. Er ist viel weniger Beruf als vielmehr Berufung. Meine Dienstzeit war prägend, weil ich mit meinen Kameraden in vielen Bereichen an Leistungsgrenzen herangeführt wurde, und dabei habe ich schnell erkannt, dass es in der Bundeswehr zwar durchaus Einzelkämpfer gibt, Teamgeist und Teamarbeit aber grundsätzlich schneller und besser zum Erfolg führen.

In meiner Dienstzeit habe ich Kameradschaft erleben dürfen, die so in unserer Gesellschaft nur noch sehr selten erlebbar ist. Dafür bin ich heute noch überaus dankbar.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist nicht nur sehr komfortabel, in einer Demokratie wie unserer leben zu dürfen, es ist auch wichtig, zu erkennen, dass man zur Sicherung unserer Werte und unserer freiheitlichen Grundordnung etwas leisten muss. Viele Soldatengenerationen folgten und folgen dem Ruf: „Tu was für dein Land“. Alle haben einen aktiven Beitrag zur Sicherung unserer Demokratie geleistet. Mit ihrem Eid haben sie sich verpflichtet, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.

Der Soldatenberuf ist somit kein Beruf wie jeder andere. 180 000 Kameradinnen und Kameraden haben sich derzeit an diesen Eid gebunden und dienen heute gemeinsam mit weit über 70 000 Zivilangestellten, um Deutschlands Sicherheit zu gewährleisten.

Jede Soldatin und jeder Soldat ist bereit, im schlimmsten Fall sein Leben für unser Land und unsere Sicherheit zu riskieren. Deshalb haben unsere Soldatinnen und Soldaten auch nicht nur die Anerkennung der deutschen Bevölkerung, sondern auch die uneingeschränkte Hochachtung unserer ganzen Gesellschaft mehr als verdient.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Eine erfolgreiche Sicherheitspolitik mit der Bundeswehr kann nur gelingen, wenn das Volk hinter den Bundeswehrsoldaten steht. Es geht gerade auch um die positive geistige Haltung des Volkes zu seinen Streitkräften.

Tatsächlich verfolgt ein Teil der Gesellschaft in Deutschland die Einsätze der Bundeswehr leider nur mit freundlichem Desinteresse. Deshalb werbe ich als Abgeordneter unermüdlich dafür, dass sich der Geist, mit dem wir als Bürger der Bundeswehr gegenübertreten, ein gut Stück ändert. Die Bundeswehr gehört – das ist die feste Meinung meiner Fraktion, der CDU/CSU – in die Mitte unserer Gesellschaft. Sie gehört an die Schulen, an die Hochschulen, in die Universitäten und auf öffentliche Plätze, wie gestern hier vor dem Reichstagsgebäude.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

„Unsere Soldaten“: Das sagt sich leicht. Das heißt aber auch, wir müssen Anteil an ihren Leistungen, an ihren Ängsten und an ihren Sorgen und Nöten nehmen. Wir müssen viel mehr öffentliche Debatten über Einsätze der Bundeswehr führen. Und wir sind aufgefordert, uns noch mehr um unsere Soldaten, aber auch um die Familienangehörigen zu kümmern, die diesen besonderen Dienst an unserem Land auf ihre Weise mittragen.

Meine Damen und Herren, als ich vor mehr als 30 Jahren meinen Dienst in der damaligen Bundesmarine antrat, die sich heute „Deutsche Marine“ nennt, war die Bundeswehr noch eine reine Verteidigungsarmee. Die Entwicklung der Bundeswehr zu einer weltweit operierenden Einsatzarmee war und ist unausweichliche Folge der derzeitigen Konflikte und Kriege, welche teils direkt an Europas Grenzen stattfinden. Wir sehen an der aktuellen Flüchtlingskrise, wie die Folgen dieser Konflikte auch dramatische Auswirkungen in Europa und gerade hier in Deutschland haben. Die internationale Staatengemeinschaft erwartet, dass sich Deutschland auch militärisch einbringt.

Die hohe Motivation unserer Soldatinnen und Soldaten ist auch dem Selbstverständnis der Bundeswehr geschuldet: „Wir. Dienen. Deutschland.“ Dieses Selbstverständnis galt schon zu meiner Dienstzeit.

Nach wie vor gilt das zentrale Leitbild des Staatsbürgers in Uniform: Bürger dienen in der Bundeswehr Bürgern. Die Bundeswehr gründet ebenfalls auf dem Prinzip der Inneren Führung. Diese Art der Führung, die unsere Soldaten von Beginn an verinnerlichen, beantwortet Fragen nach Sicherung der Grundrechte des Soldaten und setzt notwendige militärische Erfordernisse in ein vernünftiges Verhältnis dazu. Beide Prinzipien hat die Bundeswehr verinnerlicht, und beide haben ihr Selbstverständnis geprägt.

Meine Damen und Herren, als ehemaliger Berufssoldat ist es mir jetzt als Abgeordneten besonders wichtig, immer wieder mit jungen Kameradinnen und Kameraden ins Gespräch zu kommen. Ich bin stets tief beeindruckt von ihrer Ernsthaftigkeit, von ihrem Selbstbewusstsein, von ihrem Pflichtgefühl und von ihrer Verbundenheit mit unserem Land und seinen Werten, aber auch von ihrer Gelassenheit in Kenntnis aller Risiken. Sie sind sich der Gefahren bewusst, dabei voller Mut und Zuversicht. All das gibt uns die Gewissheit: Wir können uns auf unsere Soldatinnen und Soldaten, wir können uns auf unsere Bundeswehr verlassen.

Herzlichen Glückwunsch deutsche Bundeswehr!

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)