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Stefan Sauer: "Wir müssen helfen"

Berufliche Bildung als Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir müssen die globalen Probleme lösen, sonst stellen sich bei uns lokal die Probleme ein. Bildung steht im Mittelpunkt unseres Antrags und ist Grundvoraussetzung für die Entwicklung im Globalen Süden.

Wir können die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Entwicklungsprozess schaffen, die Entwicklung in Gang bringen. Die Marktmechanismen funktionieren weltweit gleich und beginnen stets mit Bildung. Ausbildung sorgt für ein stabiles, ausreichendes Einkommen, für persönliche Unabhängigkeit, und daraus resultiert gesellschaftliche Anerkennung und nicht selten daraus auch gesellschaftliches Engagement. Ein selbstbestimmtes Leben abseits von Militär und Familienclans, das muss uns in den Entwicklungsländern gelingen.

Die Teilhabe an der gesellschaftlichen Entwicklung eines Landes schenkt Zufriedenheit. Wir müssen aber – und ich spanne da den Bogen – auch andere Themen wie die Korruption mit betrachten. Ich glaube, die Korruption bremst uns in unserer Entwicklung dort sehr stark aus. Deshalb brauchen wir gesellschaftliche Stärke vor Ort.

Menschen wollen raus aus Abhängigkeiten. Sie wollen Perspektive in ihrer Heimat statt Migration. Voraussetzung dafür: Bildung, berufliche Bildung, der Aufstieg in dem dann angestrebten Beruf. Die berufliche und persönliche Perspektive ist hierbei wichtig – wichtig, um aus der Armut herauszukommen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, nicht den vorbestimmten Lebensläufen zu folgen, wie es gerade den Frauen immer wieder passiert.

Wir müssen helfen. Lebensqualität vor Ort bindet junge Menschen an ihre Heimat und ist Voraussetzung für eine leistungsstarke Mittelschicht. Ich verstehe nicht, warum die AfD dagegen ist. Wenn Sie aufrichtig Politik machen würden, sollten Sie das Ziel verfolgen. – Und, Herr von Holtz, ich verstehe auch nicht, warum Sie dann in diesem Zusammenhang von einer Migrationskontrolle sprechen und es negativ darstellen.

Bildung ist ein Schwerpunkt der europäischen Zusammenarbeit – auch und gerade für Deutschland. Wir möchten ein Viertel unserer Haushaltsmittel dafür ausgeben. Warum steht berufliche Bildung im Zentrum unseres Antrags? Weil wir sagen: Hier haben wir jahrzehntelange Erfahrung, hier haben wir Multiplikatoren, die uns im Ergebnis um einiges nach vorne werfen. Wir haben eine Champion-Position in der beruflichen Bildung. Ja, wir sind größter Geber schon heute, und diese Position wollen wir ausbauen.

Wir kennen die Arbeitsmärkte vor Ort. Und wir können mit den vorhandenen Mannschaften Akzente setzen, wir brauchen nicht erst noch irgendwelche Einrichtungen zu schaffen. Unsere Akteure sind da; sie sind leistungsstark. Ich denke an die Berufsbildungspartnerschaften, an die Außenhandelskammern, die Handwerkskammern. Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main beispielsweise sucht eine passgenaue Ausbildung, und deshalb werden Handwerksmeister und Experten für Auslandsausbildungseinheiten zur Verfügung gestellt. Zu den weiteren Akteuren zählen die GIZ als langjähriger Partner in Berufsbildungsprojekten, EZ-Scouts in den Kammern, Verbänden und Betrieben, die Organisation sequa und – der Kollege Stefinger hat es schon angesprochen – Senior Experten Service, tatsächlich eine Einheit, wo ehrenamtlich viel Berufserfahrung weitergegeben wird. Und man kann sagen: Fachlichkeit, Menschlichkeit und auch Zuspruch wird in einem Bündel übergeben. Das schafft Mut und Zuversicht bei den Menschen dort für die Zukunft im eigenen Land.

Wir haben ein weiteres wichtiges Scharnier; das ist die private Wirtschaft. Hier ist eine zentrale Bedeutung zu sehen. Die Kooperation entspricht auch den Leitlinien des BMZ; wir haben uns hier mit privatem Engagement zu vernetzen.

Wo liegen die Vorteile? – Klar, die deutschen Unternehmen haben auch Vorteile; denn sie bekommen für ihre Investitionen vor Ort ausgebildete Fachkräfte. Die Vermittlung von Know-how in der Ausbildung hilft, die Position vor Ort zu stärken. Ausbildungsprogramme helfen aber auch den lokalen Unternehmen vor Ort und stärken deren Wettbewerbsposition, und gut für die Infrastruktur ist es ebenso. Wir haben Programme des BMZ – AfricaGrow-Fonds und AfricaConnect –, die hier sinnvoll ergänzt werden. Und vor allem die Auszubildenden profitieren. Es wurde vorhin vom Prinzip der dualen Ausbildung gesprochen: Ja, die praktische Komponente fehlt dort. Die Theorie ist oft gut, aber in der Praxis hapert es.

Warum gerade jetzt, zur heutigen Zeit, dieser Antrag? – Ich glaube, wir dürfen sagen: Es passiert viel, Zukunftsthemen spielen sich auch in Afrika ab. – Auch hier muss die Ausbildung weitere Bereiche umfassen. Ich denke an die Energie: Solarenergie und Grüner Wasserstoff. Dies sind große Themen, und wenn wir diese auch dort leistungsstark umsetzen wollen, dann brauchen wir ausgebildete Fachkräfte vor Ort.

Mit dem Antrag erreichen wir deshalb vieles. Wir erreichen berufliche Bildung und gesellschaftliche Entwicklung junger Menschen in ihrem Land und eine Verbesserung der Lebenssituation der Menschen vor Ort. Korruption kann entgegengewirkt werden, und wir schaffen Zukunftsperspektiven im eigenen Land.

Die Verhinderung von Migration aus Verzweiflung ist ein Ziel, das wir alle zum Wohle aller verfolgen sollten. Bildung ist wichtig.

Ich würde mich freuen, wenn Sie den Antrag unterstützen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)