Rede


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Dr. Wolfgang Stefinger: Entwicklung braucht Sicherheit

Redebeitrag zur Sahelpolitik

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Debatte um die Situation in der Sahelzone ist schon darauf hingewiesen worden, welches die einzelnen Auswirkungen auf die Bevölkerung sind. Wir haben bewaffnete Konflikte, Hunger, Naturkatastrophen und auch noch Corona. Ich möchte daher mein besonderes Augenmerk auf die Kinder in diesen Ländern, in dieser Region richten; denn für die ist die Situation vor Ort besonders schlimm.

Wir haben zum Teil flächendeckende Schulschließungen aufgrund von Gewalt und Terror, was zur Folge hat, dass für Tausende Kinder die oftmals einzige Mahlzeit am Tag nicht mehr gewährleistet ist. Wir sehen einen massiven Anstieg der Kinderarbeit. Wir sehen eine steigende Rekrutierung von Kindern als Kindersoldaten von Terrororganisationen, und wir sehen durch die Schulschließungen und die damit verbundene ausbleibende Bildung, dass gerade Mädchen wieder stärker zwangsverheiratet werden, und zwar im Kindesalter.

Gestatten Sie mir den Hinweis: Wie klein wirken in Anbetracht dessen, was ich gerade geschildert habe, so manche Diskussionen, die wir hierzulande führen über Kindergeburtstage oder Familienfeiern, die nicht stattfinden können. Aber es muss sich jeder selber fragen, wie sich die persönlichen Prioritäten hier verschoben haben und ob ein Blick über den Kirchturm nicht manchmal wieder einiges geraderücken kann.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Entwicklungsministerium hat Anfang 2020 einen Vier-Punkte-Plan auf den Weg gebracht zur Stärkung von lokalen Strukturen und von nationaler Eigenverantwortung, außerdem zur Unterstützung von jungen Menschen, um diesen wirtschaftliche Perspektiven und Bildungsmöglichkeiten zu geben, um Aufklärungsarbeit zu leisten, was den ganzen Bereich Terrorismus betrifft, und auch zur Stärkung der Nachbarländer. Selbstverständlich sind zivile Maßnahmen zur Unterstützung wichtig. Aber Entwicklung braucht Sicherheit. Deswegen halte ich den integrativen Ansatz der Bundesregierung für sinnvoll.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, selbstverständlich unterstützen wir die zivilen Organisationen. Wir befähigen die Streitkräfte. Ein herzliches Dankeschön an die Soldatinnen und Soldaten im Einsatz! Es ist aber klar: Es bleibt ein langer, es bleibt ein steiniger Weg, aber – davon bin ich überzeugt – ein Weg, den es sich lohnt zu gehen. Ich wünsche uns allen: Bleiben wir zuversichtlich.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)