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(Quelle: picture alliance/Sven Simon)
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Albtraum Verdun

Unionsfraktion gedenkt der Schlacht vor 100 Jahren

Die monatelange Schlacht von Verdun 1916 steht für das Sterben von Millionen Menschen, die nationalen Egoismen geopfert wurden. Später wurde Verdun zum Symbol der deutsch-französischen Verständigung. Als Lehre aus den beiden Weltkriegen wurden die Europäischen Gemeinschaften gegründet und eine auf Dauer angelegte europäische Friedensordnung geschaffen.

Heute – mehr als ein halbes Jahrhundert später – befindet sich die Europäische Union in einer schwierigen Lage; die europäische Friedensordnung erweist sich als fragil. Bei einem Themenabend der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war die Schlacht von Verdun vor 100 Jahren Ausgangspunkt einer Diskussion darüber, wie Deutsche und Franzosen den Gemeinschaftsgedanken und die Friedensordnung wieder stärken können.

 

Zum Auftakt der Veranstaltung erinnerten der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Franz Josef Jung und Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer an den Albtraum von Verdun, „die Apokalypse schlechthin“, bei der zwischen Februar und Dezember 1916 mehr als 300.000 Menschen getötet und 700.000 „Verluste“ registriert wurden, wie es im militärischen Jargon heißt. Die längste Schlacht des Ersten Weltkrieges verwandelte die Wälder von Verdun in eine Mondlandschaft. Nach dem Krieg wurden die Überreste von ungefähr 135.000 unidentifizierten Toten eingesammelt und im Gebeinhaus von Douaumont, gestapelt. Der Historiker Gerd Krumeich, ehemaliger Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, sagte: „Aus Verdun konnte nur der Frieden entstehen.“ Er zeigte sich froh, dass im Verlaufe des Aussöhnungsprozesses die Überhöhung der Nation  verloren gegangen sei.

 

Warnung vor Wiederwachen nationaler Egoismen

Singhammer würdigte den Aussöhnungsprozess zwischen Deutschland und Frankreich. Er erinnerte unter anderem an die Umarmung zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle bei der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages 1963 und an die Aussöhnungsgeste von Helmut Kohl und Francois Mitterrand, die in der Gedenkstätte Douaumont 1984 Hand in Hand der Toten der beiden Weltkriege gedachten. So sei im Laufe der Jahre „aus einer Erbfeindschaft eine Erbfreundschaft“ geworden. Die deutsch-französische Versöhnung sei Motor für den Aufbau eines friedlichen und starken Europas geworden, sagte Jung. Mit Verweis auf die Balkan-Kriege der 1990er Jahre und den aktuellen Konflikt um die Ukraine mahnte Singhammer, die europäische Friedensordnung sei nicht so selbstverständlich, wie wir annehmen.

„Der Frieden muss erarbeitet werden.“

In diesem Sinne betonte auch der Abgeordnete der französischen Nationalversammlung, Patrick Hetzel, dass sich die junge Generation die Geschehnisse von damals immer wieder bewusst machen müsse. In den Rückspiegel zu schauen sei genauso wichtig, wie den Weg nach vorne im Blick zu behalten, sagte Hetzel. Er betonte die deutsch-französischen Bindungen und warnte vor einem Wiedererwachen nationaler Egoismen in Europa. Als eine Möglichkeit zur Festigung dieser Bindungen bezeichnete der Vorsitzende der deutsch-französischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Andreas Jung, die Pflege der Sprache des Nachbarlandes.
Für die junge Generation nahmen an der Podiumsdiskussion die CDU-Abgeordnete Ronja Schmitt und der Franzose Francis Masson, Student an der Sorbonne, teil. Auch sie betonten die Bedeutung der Erinnerung für die Erhaltung des Friedens.