Stephan Pilsinger

Text und Interview


(Quelle: Fotograf: Tobias Koch | Creative Commons-Lizenz CC BY-ND-4.0)
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Onlinesucht ist ernstzunehmende Erkrankung

Stephan Pilsinger im Kurzinterview

Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit online, sei es in sozialen Medien, sei es mit Computerspielen. Die Suchtgefährdung steigt - nicht nur infolge des Corona-Lockdowns. Dazu drei Fragen an und drei Antworten von Stephan Pilsinger, dem Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.  

Herr Pilsinger, wo verläuft die Grenze zwischen „normalem“ Online-Verhalten und einer Sucht?

Pilsinger: In diesem Bereich eine Grenze zu ziehen, ist in den meisten Fällen sehr schwierig. Der Übergang von der typischen Internetnutzung hin zu einem Suchtverhalten verläuft meist fließend. Vor einiger Zeit wurde daher von Fachleuten auf dem Gebiet psychischer Krankheiten ein Kriterienkatalog entwickelt, der sich sehr stark an der Diagnose einer Drogen- oder Glücksspielabhängigkeit orientiert. Das kann so weit gehen, dass die Betroffenen wegen ihrer Internetsucht andere wichtige Lebensbereiche komplett vernachlässigen – beispielsweise Familie, Freunde, Schule oder die Arbeit.

Wir haben es hier also mit einer sehr ernstzunehmenden Erkrankung zu tun – und die Zahl der Betroffenen steigt. In ihrer Drogenaffinitätsstudie hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zuletzt eine deutliche Zunahme der Computerspiel- und Internetabhängigkeit unter den 12- bis 17-jährigen festgestellt. Insofern begrüße ich es sehr, dass die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, Daniela Ludwig, und Digitalstaatsministerin Dorothee Bär in diesen Tagen eine neue Präventionskampagne zum gesunden Umgang mit digitalen Medien ins Leben gerufen haben.

Die Kampagne trägt den Namen „Familie.Freunde.Follower“ und unterstützt Kinder und Jugendliche künftig dabei, ihre Medienkompetenz und den bewussten Umgang mit Smartphones und Co. zu stärken.

Vor allem Heranwachsende verbringen viel Zeit im Netz. Wie kann man verhindern, dass Jugendliche süchtig werden?

Pilsinger: Wichtig ist vor allem, dass man den Kindern bereits sehr früh einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien aufzeigt. Hier sind besonders die Eltern als gute Vorbilder gefragt - sie müssen überzeugende Regeln aufstellen und klare Grenzen setzen. Mit Kampagnen wie „Familie.Freunde.Follower“ unterstützen wir Eltern und Kinder dabei, die richtige Balance zu finden. Unter anderem mithilfe von Alltagstipps aber auch mittels Beratungsangeboten und Empfehlungen von Fachleuten.

Inwiefern hat Corona und der damit einhergehende Digitalisierungsschub das Problem verschärft?

Pilsinger: Nach einer grade veröffentlichten Studie der DAK und des Uniklinikums Hamburg haben Kinder und Jugendliche den Computer in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich häufig für Computerspiele oder Social Media-Anwendungen genutzt. Der Konsum ist dabei teilweise um bis zu 75% angestiegen. Sicherlich handelt es sich hierbei um eine Ausnahmesituation - man möchte über die Sozialen Medien ja auch mit Freunden in Kontakt bleiben und sich informieren - aber die Ergebnisse zeigen einen Trend auf, dem wir mit wirksamen Präventionsangeboten unbedingt entgegentreten müssen.