E-Automobil an der Ladesäule

Text und Interview


(Quelle: picture alliance/ZB)
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"Eine Quote für E-Autos gibt es mit der Union nicht"

Interview mit dem Handelsblatt: Fraktionschef Kauder über den Dieselskandal und das Verhältnis der Union zur Wirtschaft

"Die betroffenen Unternehmen müssen intern schonungslos aufräumen und auch gegenüber ihren Kunden alles tun, um verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen", verlangt Unionsfraktionschef Volker Kauder im Gespräch mit dem Handelsblatt. Gleichzeitig macht er aber auch seine Grundhaltung klar: "Das Automobil ist ein Teil der individuellen Freiheit." Kauder warnt vor Gruppen in der Gesellschaft, die genau diese persönliche Freiheit einschränken wollten. Lesen Sie hier das ganze Interview:

Handelsblatt: Herr Kauder, wie steht es um Ihr Vertrauen in die deutsche Wirtschaft, speziell in die Automobilindustrie?

Volker Kauder: Wir haben großes Vertrauen in unsere Wirtschaft, ganz besonders in unsere mittelständischen Familienunternehmen. Und das mit gutem Grund: Die Betriebe stellen weiter Arbeitnehmer ein. Die Unternehmen sind unverändert auf den Weltmärkten erfolgreich. Sie sind extrem innovativ. Leider gab es in der Autoindustrie, einem Kernbereich der Wirtschaft, aber Manager, die in unvorstellbarer Weise getrickst und damit der Wirtschaft insgesamt einen schlechten Dienst erwiesen haben. Dennoch dürfen wir jetzt nicht die Autoindustrie und das Auto pauschal verdammen. Mich fragen schon Unternehmer, Freunde und Bekannte aus der benachbarten Schweiz: "Was macht ihr da in Deutschland? Warum redet ihr eure Hersteller so schlecht? Wir wissen gar nicht mehr, ob wir überhaupt noch ein deutsches Auto kaufen sollen." Das sollte uns zu denken geben.

Man könnte in der Debatte den Eindruck bekommen, dass sachliche Argumente keine Rolle mehr spielen, sondern eher das Ende des Automobils eingeläutet werden soll.

Die betroffenen Unternehmen müssen intern schonungslos aufräumen und auch gegenüber ihren Kunden alles tun, um verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen. Da ist nach wie vor Luft nach oben. Je mehr das geschieht, umso leichter werden die Politik, aber auch die Bevölkerung zu der Branche und dem Automobil stehen. Das ist doch wie zum Beispiel beim Fußball: Wenn ein Verein seine Fans nicht pflegt, ist das Stadion bald leer. Meine Grundhaltung ist aber unverändert: Das Automobil ist ein Teil der individuellen Freiheit. Es gibt Gruppen in unserer Gesellschaft, die genau diese persönliche Freiheit einschränken wollen.

Die Grünen und Umweltverbände?

In ihrer großen Mehrheit sicher. Was die aber immer vergessen: Das Auto ist vor allem im ländlichen Raum oft die einzige Möglichkeit, Ämter, Ärzte oder den Arbeitsplatz zu erreichen. Wer gegen diese Mobilität ist, der stellt sich gegen die dort lebenden Menschen. Natürlich müssen die Antriebe noch schadstoffärmer werden. Da muss die Automobilindustrie Lösungen finden, auch um die Akzeptanz des Autos zu erhalten. Aber ich halte sowohl eine Quote für Elektroautos für falsch wie auch die Idee, ein Enddatum für den Verkauf von Verbrennungsmotoren zu nennen. Beides gibt es mit uns als Union nicht. Denn damit wird man nichts erreichen.

Was aber soll passieren, um drohende Fahrverbote zu vermeiden?

Dazu muss an vielen Stellschrauben gedreht werden. Das wird auch funktionieren. Die Industrie muss attraktive wie umweltfreundliche Autos anbieten. Die Industrie muss den Diesel sauberer machen. Das ist kein Hexenwerk. In der Öffentlichkeit muss die Verteufelung des Diesels aufhören.

Umweltministerin Hendricks sieht das anders und will lieber heute als morgen nur noch Elektroautos auf den Straßen sehen.

Frau Hendricks ist mit ihrer Position in der SPD mittlerweile zum Glück isoliert. Offenbar haben Betriebsräte der SPD-Spitze den Kopf gewaschen. Ich hoffe, das hält ...

Aber was sagen Sie den Dieselfahrern, die ihre Fahrzeuge angesichts der drohenden Fahrverbote entwertet sehen?

Fahrverbote würden das Eigentum erheblich schmälern und auch die persönliche Freiheit einschränken. Deshalb müssen wir alles daransetzen, ein Fahrverbot zu verhindern. Wir müssen schauen, was technisch bei der Nachrüstung von Fahrzeugen mit der Euro-Norm 5 möglich ist.

Wenn das alles nicht hilft: Wird es dann eine blaue Plakette geben?

Das sehe ich nicht. Die blaue Plakette würde auf Fahrverbote für Millionen von Fahrzeugen hinauslaufen. Ich setze auf die Erneuerung der öffentlichen Busse, intelligente Verkehrssteuerung und andere Maßnahmen.

In Ihrer Heimat leben viele kleine Zulieferer von der Dieseltechnologie. Raten Sie denen umzusatteln?

Es wird den Verbrennungsmotor noch eine ganze Zeit lang geben. Zugleich müssen sie sich aber darauf einstellen, dass andere Antriebstechnologien an Bedeutung gewinnen. In meiner Heimat sind wir Veränderungen gewohnt: Die Unterhaltungselektronik ist weggebrochen, auch die Lederindustrie. Dafür kam die Feinwerk- oder die Medizintechnik auf.

Was tut die Union für die Wirtschaft? Haben CDU und CSU überhaupt noch ein Herz für die Unternehmen?

Nur mit einer starken Wirtschaft werden wir, um einmal unser Wahlkampfmotto aufzugreifen, in unserem Land auch in der Zukunft gut und gerne leben können. Das wissen wir ganz genau. Dass die Wirtschaft gut läuft, wird als viel zu selbstverständlich angesehen. Das war auch wieder beim TV-Duell zu beobachten. Keine Frage zur Wirtschaft. Unmöglich war das - angesichts der Herausforderungen, vor der wir stehen. Wir brauchen auch wieder einen Wirtschaftsminister im Kabinett, der sich als echter Anwalt der Anliegen der Wirtschaft versteht. Es ist klar, dass eine Regierung nicht die Forderungen eines Teils der Gesellschaft übernehmen kann. Aber bei der SPD und Sigmar Gabriel gingen letztlich immer die Parteiinteressen vor den Interessen der Allgemeinheit. Ich verweise nur auf den Schlingerkurs bei TTIP.

Die Fragen stellten Daniel Delhaes und Thomas Sigmund. Erschienen am 04.09.2017 auf handelsblatt.com.
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