Thema des Tages

Tabus aufbrechen – Frauengesundheit stärken

Drei Frauen von hinten
  • Ladies‘ Circle der CDU/CSU-Fraktion zum „Gender Health Gap“
  • Gesundheitswesen auf die Bedürfnisse von Frauen ausrichten
  • Mehr Medizinerinnen in die Chefetagen
     

Die gute Nachricht zuerst: Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer. Die schlechte Nachricht allerdings folgt auf dem Fuße: Sie leiden häufiger und stärker unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Was auf den ersten Blick wie ein Zufall wirken mag, ist in Wirklichkeit keiner. Denn: Unser Gesundheitssystem ist noch immer nicht ausreichend auf die spezifischen Bedürfnisse von Frauen ausgerichtet. Über das Phänomen des „Gender Health Gap“ und wie man es überwinden kann, sprachen Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion bei einem „Ladies‘ Circle“ mit Wissenschaftlerinnen aus den Bereichen Medizin und Forschung. 

Mit der Veranstaltung wolle man Tabus aufbrechen, kündigten die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Anja Weisgerber und die frauenpolitische Sprecherin Anne König sowie die Ministerinnen Nina Warken (Gesundheit) und Dorothee Bär (Forschung) an. Es handele sich keinesfalls um ein Nischenthema, betonte Weisgerber, denn: Frauen sind schließlich die Hälfte der Menschheit. „Es wird Zeit, dass wir vorankommen“, bekräftigte Warken. Sie wolle Gender Health in dieser Wahlperiode zum Schwerpunkt in ihrem Ministerium machen, was sich auch im Organigramm widerspiegeln müsse. Und dabei geht es nicht nur um frauenspezifische Themen wie Geburten oder Wechseljahre, sondern um alle medizinischen Aspekte.

Späte Diagnosen – Falsche Behandlungen

Denn die traurige Wahrheit ist: Symptome bei Frauen werden häufig übersehen oder später erkannt, Diagnosen verzögern sich und viele Erkrankungen, wie etwa Endometriose oder Herz-Kreislauf-Beschwerden, sind bislang unzureichend erforscht. Das hat damit zu tun, dass in vielen Bereichen der medizinischen Forschung noch immer der männliche Körper als Standard gilt. Die Folgen sind reale Risiken: Medikamente werden nicht ausreichend geschlechtsspezifisch getestet, Krankheitsverläufe nicht immer korrekt eingeschätzt und Behandlungen weniger passgenau ausgerichtet. 

Warum das so ist, hat unter anderem historische Gründe. Um Frauen zu schützen, habe man sie häufig nicht in medizinische Studien einbezogen, berichtete die Leiterin des Bereichs Geschlechterforschung in der Medizin an der Charité, Prof. Dr. Gertraud Stadler. Das führe aber dazu, dass man zu Frauengesundheit einen enormen Datenmangel habe. Ein anderer Grund sei, dass Frauen aus der Medizin herausgedrängt und lange nicht zum Studium zugelassen wurden. 

Auch dieses Phänomen ist allenfalls abgemildert, berichtete Prof. Dr. Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum und Professorin an der Charité. Zwar gibt es inzwischen eine hohe Zahl an Medizinstudentinnen und Ärztinnen, doch in den Chefetagen seien diese Frauen bis heute kaum anzutreffen. Sie brauchten ein „Kriegerinnenherz“, um nach oben zu kommen. Gleichzeitig gilt: „Wenn Frauen das Sagen haben, werden Geschlechterfragen eher untersucht“, unterstrich Stadler.

Frauen denken zuletzt an sich selbst

Der Mediziner und Bestsellerautor Dr. Johannes Wimmer wies auf das Phänomen hin, dass Frauen in allen Bereichen zuletzt an sich selbst denken – eben auch, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Frauen werde ein Großteil der Sorgearbeit zugeschrieben, etwa als pflegende Angehörige. Das habe dazu geführt, dass sie „verlernt haben, für sich selbst zu sorgen“. Drastisch ausgedrückt: „Die pflegen sich kaputt.“

Für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Mit Blick auf Prävention warb Nina Warken für Informationskampagnen auf Social Media. Außerdem betonte sie den Bildungsaspekt von Gesundheit. „Wir müssen die Schulen mit ins Boot holen“, forderte sie. Um Frauengesundheit nach vorne zu bringen, gibt es laut Bär einen wirksamen Hebel: den volkswirtschaftliche Nutzen. Wenn Frauen als Arbeitnehmerinnen ausfallen, weil sie krank werden, „dann begreift es jeder“, sagte die Forschungsministerin. Sie sprach sich auch für den Einsatz der Künstlichen Intelligenz aus, um das Thema voranzutreiben.

Teilen & Empfehlen