Thema des Tages

Die CDU/CSU-Fraktion trauert um Rita Süssmuth

Schwarz-weiß-Aufnahme von Rita Süssmuth
  • Bundespräsident ordnet Trauerstaatsakt an
  • Bundestag verneigt sich vor Ausnahmepolitikerin
  • Ehemalige Bundestagspräsidentin im Alter von 88 Jahren gestorben

Die CDU/CSU-Fraktion trauert um Rita Süssmuth. Für die ehemalige Bundestagspräsidentin hingen die Flaggen am Berliner Reichstag auf Halbmast. Kondolenzbücher werden ausgelegt, damit Abgeordnete sowie die Bürgerinnen und Bürger ihrer Anteilnahme Ausdruck verleihen können. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ordnete für die CDU-Politikerin einen Trauerstaatsakt an. CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn zollte der im Alter von 88 Jahren verstorbenen Süssmuth „Hochachtung und tiefen Respekt für ein beeindruckendes politisches Leben“.

Spahn: Hochachtung und Respekt für eine Politikerin neuen Typs

„Rita Süssmuth stand für einen neuen Typus Politikerin. Sie ist Vorreiterin für so viele, die ihr nachfolgten und folgen“, schrieb Spahn. „Sie hatte eine Wärme, die man nicht erlernen kann. Und sie hatte die Gabe, dass man sich nach jedem Gespräch mit ihr besser fühlte. Ich werde genau diese Begegnungen mit ihr am meisten vermissen.“ Bundestagspräsidentin Julia Klöckner bezeichnete ihre Amtsvorgängerin als eine der bedeutendsten Politikerinnen Deutschlands. „Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung.“ Ihr Elan habe beeindruckt, ihre Beharrlichkeit inspiriert.

Merz: „Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen“

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete Rita Süssmuth – die Professorin für Erziehungswissenschaften, die 1985 überraschend von Helmut Kohl zur Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berufen worden war – als „große Politikerin". Er würdigte sie als einen "Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen". Das Land verdanke ihr viel. So sei sie "Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen" gewesen, erklärte der Kanzler. Sie habe „beispielhaft" für eine moderne und offene Gesellschaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt.

Merkel hebt Süssmuths Kampf für Gleichberechtigung hervor

Merz‘ Vorgängerin Angela Merkel hob hervor, dass Rita Süssmuth sich als Präsidentin des Deutschen Bundestags „für eine lebendige Debattenkultur und die Rechte der parlamentarischen Minderheiten“ eingesetzt habe. Ihre politische Leidenschaft habe dem Kampf für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft gegolten. Ihre Stimme werde fehlen. „Wir können ihr Andenken bewahren und ehren, indem wir uns weiter für ihre Herzensanliegen engagieren."

„Lovely Rita“ - beliebt bei den Menschen

Die politische Seiteneinsteigerin Süssmuth war 1981 der CDU beigetreten. Als Ministerin hatte es mit Herausforderungen, wie der Ausbreitung der tödlichen Infektionskrankheit Aids, zu tun. Dabei setzte Süssmuth auf Aufklärung. Ihre Devise lautete: „Wir müssen die Krankheit bekämpfen, nicht die Kranken.“ 1987 errang sie ein Direktmandat für den Bundestag. In der Bevölkerung war die Wissenschaftlerin im Amt der Ministerin beliebt, die Medien nannten sie in Anlehnung an einen Beatles-Song „Lovely Rita“.

1988 übernahm Süssmuth auf Vorschlag von Bundeskanzler Kohl das Amt der Bundestagspräsidentin, das sie bis 1998 innehatte. Nach der Wiedervereinigung leitete sie die Reform des Parlaments ein und organisierte seinen Umzug nach Berlin. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem zweithöchsten Amt im Staat blieb sie Mitglied des Deutschen Bundestages bis 2002.