- Kongress der CDU/CSU zum 150. Geburtstag des ersten Bundeskanzlers
- Das Erfolgsrezept: Klarer Kompass, einfache Sprache
- Ein Politiker von „großer christlicher Bürgerlichkeit“
Deutschland steht vor immensen Herausforderungen: Die Wirtschaft lahmt, die Politik steckt im Reformstau, die Gesellschaft ist gespalten. Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick zurück: Was kann die Union als Regierungspartei vom ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland lernen? Auf einem Jubiläumskongress zu seinem 150. Geburtstag diskutierte die CDU/CSU-Fraktion mit Wissenschaftlern und Politikern über „Komplexität und Führung – Konrad Adenauer in unserer Zeit“.
„Geschichte wiederholt sich nicht, aber Geschichte reimt sich“, zitierte CDU/CSU-Fraktionschef Thorsten Frei einen Ausspruch, der Mark Twain zugeschrieben wird. Frei warb dafür, sich Adenauer, der in der jungen Republik für zwei Wochen auch das Amt des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden ausgeübt hatte, heute als Vorbild zu nehmen. Besonders hob Frei Adenauers politisch, wirtschaftlich und moralisch klaren Kompass hervor, aber auch seine einfache Sprache, mit denen er die Menschen erreicht habe.
Wahrhaftigkeit und Stetigkeit prägende Züge
Adenauer sei ein politischer Taktgeber und eine Integrationsfigur gewesen, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Günter Krings vor den rund 500 Gästen, die zum Kongress gekommen waren. Krings nannte Wahrhaftigkeit und Stetigkeit als die prägenden Charakterzüge Adenauers. Der erste Kanzler hatte 14 Jahre lang die Geschicke der Bundesrepublik geleitet. Dabei setzte er auf Demokratie, Freiheit und Marktwirtschaft, auf Westbindung, die Aussöhnung mit Frankreich und die europäische Einigung.
Kernanliegen: deutsch-französische Freundschaft
Über Adenauers Besuch beim französischen Präsidenten Charles de Gaulle in dessen Privathaus in Colombey-les-Deux-Eglises am 14. September 1958, der als Grundstein der deutsch-französischen Freundschaft gilt, erschien im vergangenen Jahr der Spielfilm „An einem Tag im September“. Der Schauspieler Burghart Klaußner, der darin Adenauer verkörpert, bescheinigte diesem Zählebigkeit und Durchhaltevermögen, aber auch eine „große christliche Bürgerlichkeit“. Seiner historischen Mission, den Wiederaufbau zu bewerkstelligen und die Bundesrepublik in die internationale Gemeinschaft zurückzuführen, sei sich der CDU-Politiker immer bewusst gewesen.
Klaußner wünschte auch Bundeskanzler Friedrich Merz ein solches Durchhaltevermögen in politisch turbulenten Zeiten. Einer müsse den Karren ziehen, sagte er. Der Vorsitzende der CSU im Bundestag, Alexander Hoffmann, betonte, dass die Union auch in Zeiten zunehmender Polarisierung ihre Berechtigung nicht verloren habe, denn sie setze auf Ausgleich und Kompromiss. „Die Idee der Union ist passgenau das, was es als Säule für unsere Art der Demokratie braucht.“
„Im Kern sind die Dinge einfach“
Die Professorin Hélène Miard-Delacroix von der Pariser Universität Sorbonne bezeichnete Adenauer als Glücksfall für Deutschland und Europa. Er habe die Stetigkeit und Verlässlichkeit verkörpert, die die Verbündeten erwarteten. Professor Dominik Geppert von der Universität Potsdam nannte Adenauer einen „großen Vereinfacher“. In einem Interview mit dem Journalisten Günter Gaus aus dem Jahre 1965 wertete Adenauer selbst diese Zuschreibung als Lob. Im Kern seien die Dinge einfach, sagte er – wenn man die Komplexität an der Oberfläche erst einmal durchdrungen habe.
Die Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Annegret Kramp-Karrenbauer, hob Adenauers Entscheidungsfreudigkeit hervor. Sie betonte auch, dass Adenauer auf einem festen Wertefundament gestanden und dass er den Verlockungen scheinbar einfacher Lösungen widerstanden habe. Diese Eigenschaften brauchten Politiker auch heute noch. Nicht zuletzt bescheinigte Kramp-Karrenbauer Adenauer eine „strategische Geduld und Zähigkeit“. Nach Rückschlägen wieder Mut zu fassen, das empfahl sie auch ihrer Partei.