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Chancen der Fernerkundung konsequent nutzen

Rede zur Fernerkundung: Anwendungspotenziale in Afrika

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu Recht wurde gesagt: Wenn wir über Afrika reden, sprechen wir nicht in erster Linie über Hochtechnologie, sondern wir sprechen über Krisenszenarien jeglicher Provenienz, im Moment gerade auch über Ebola. Nichtsdestotrotz ist es dem einen oder anderen bewusst, dass es in Afrika durchaus und besonders unter der Jugend eine Affinität zur Technik gibt. Das spiegelt sich unter anderem in der Häufigkeit der Nutzung von Internet und Mobiltelefonen wider. In einigen afrikanischen Ländern liegt die Zahl abgeschlossener Handyverträge pro 100 Einwohner deutlich über dem deutschen Wert.

Wir haben gerade über die M-Pesa-Initiative gesprochen. Dieses System erlaubt es einem, kleinere oder größere Geldbeträge per Mobiltelefon zu überweisen. Ich habe jüngst, als ich in Tansania war, über einen Bekannten meine Fähre nach Sansibar auf diese Weise bezahlt. Es gibt die Bill-Gates-Cashew-Initiative – sie ist sehr sinnvoll –, mit deren Hilfe Bauern die Erzeugerpreise auf dem Weltmarkt per Handy abrufen können.

Ich möchte mit Ihnen hier über die Technikfolgenabschätzung hinsichtlich der Fernerkundung sprechen. Sicherlich wissen die wenigsten, dass dies bereits in den 80er- und 90er-Jahren in den afrikanischen Ländern angekommen ist. Hier war nämlich ein erster Trend zur Anwendung dieser Technik im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit zu verzeichnen.

Ich möchte kurz auf die Wirkungsweise dieser Technik eingehen und darauf, was es mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen auf sich hat. Stellen Sie sich vor, Sie haben die Sonne oder einen anderen künstlichen Sender als Quelle, von der aus elektromagnetische Strahlung, EMS genannt, gesendet wird. Diese trifft dann auf ein Objekt und wird von diesem, je nach Beschaffenheit, absorbiert, transmittiert oder reflektiert. Daraus erhalten Sie dann Daten, die Sie anschließend unter verschiedenen Gesichtspunkten auswerten können und die Ihnen schließlich hilfreiche Informationen liefern.

Das heißt, die Technologie unterteilt sich in den Aspekt der Infrastruktur und den Zugang zu Satellitendaten etc. einerseits und die weitere Datenaufbereitung, also Nutzbarmachung der gewonnenen Informationen, andererseits. Gerade Letztere muss vor dem Hintergrund eines nachhaltigen Technologietransfers an afrikanische Länder erfolgen. In der Vergangenheit ist, wie bereits angesprochen wurde, dieser Punkt jedoch eher zu kurz gekommen.

Fatal wird dies meines Erachtens, wenn man sich die künftige Entwicklung Afrikas vor Augen führt: Der Kontinent steht unter einem enormen demografischen Druck und unter dem Druck enormer klimatischer Veränderungen, deren Auswirkungen akuten Handlungsbedarf implizieren. Ich nenne als Beispiele die Entwicklung und Planung urbaner Räume, die Erkundung von Wasser- und auch Rohstoffvorkommen und deren Management, aber auch Erntevorhersagen in der Landwirtschaft und das Katastrophenmanagement. Es sei hier angemerkt: Die Daten müssen auch genutzt werden.

Die mittels Fernerkundung erfassten und aufbereiteten Daten könnten und müssten schon jetzt genutzt werden, damit man sich perspektivisch auf die Herausforderungen einstellen kann. Staaten müssen, wie gesagt, darauf reagieren. Herr Kekeritz, Sie haben vorhin Hungersnöte angesprochen. Es ist nicht immer so, dass wir hier von Europa aus primär auf die Hungersnöte reagieren müssen, sondern die Staaten müssen auch selbst reagieren. Ich nenne Ihnen als Beispiel die Hungersnot in Äthiopien unter Kaiser Haile Selassie. Da hat die Regierung eine aufkommende Hungersnot in der Öffentlichkeit negiert.

Es geht also letztendlich darum, die Chancen der Fern-erkundung konsequent zu nutzen.

Am meisten beeindruckt an dieser Technik hat mich – ich versuche, die -positiven Möglichkeiten herauszustellen, und nicht, wie manch anderer Kollege, die negativen –, dass man heute durch die Erfassung des Klimas, des Zusammenwirkens verschiedener klimatischer Parameter die Bedingungen feststellen kann, unter denen sich Malariamücken am besten vermehren. Wenn Sie sich vor Augen halten, wie viele Menschen pro Jahr an Malaria sterben – etwa 1 Million –, erkennen Sie, wie wichtig das Verständnis dieser Zusammenhänge ist. Allein daher ist diese Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die hier auch auf Anregung des BMZ auf den Weg gebracht wurde, mehr als unterstützenswert.

Aus meiner Sicht stellt die Fernerkundung einen der besten strategischen Ansätze der deutschen Entwicklungspolitik überhaupt dar. Sozialer Frieden, wirtschaftliche Entwicklung und die Stabilisierung von Strukturen erfordern eine dezidierte und detaillierte Bestandsaufnahme relevanter Informationen, die mit diesen Themen in Verbindung stehen; denn man halte sich vor Augen: Künftig werden Kriege nicht nur um Öl und sonstige -Bodenschätze geführt werden, sondern vermehrt auch um Ressourcen wie Wasser und nutzbare Lebensräume. „Capacity Building vor Ort“ ist daher das zentrale Stichwort. Es braucht die Ausbildung von Fachkräften aus der einheimischen Bevölkerung, die über die Spezifika – das könnte sich auch noch einmal auf das Thema Ebola beziehen – der jeweiligen Region Bescheid wissen, damit eine sinnvolle Anpassung der Technologie an die Gegebenheiten vor Ort gewährleistet ist.

Meine Damen und Herren, ich bin schon am Ende meiner Rede. Ich freue mich, dass EUMETSAT und das ESOC der ESA ihren Sitz in meinem Wahlkreis, Darmstadt, haben. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)