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Maik Beermann: "Wir brauchen mehr Kooperation, als Gegeneinander"

Rede zur Digitalisierung in der Landwirtschaft

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Kollegin Konrad von der FDP, ja, vor anderthalb Jahren haben Sie einen Antrag eingebracht; das stimmt. Aber wir haben über dieses Thema auch schon in der letzten Legislaturperiode gesprochen;

(Manuel Höferlin [FDP]: Das ist ja noch schlimmer! Habt ihr nichts geschafft seit Jahren! – Carina Konrad [FDP]: Das macht es ja noch schlimmer, weil nichts passiert ist! Das verstärkt das Versagen!)

da waren Sie noch nicht dabei. Das heißt, das Thema „Digitalisierung der Landwirtschaft“ ist hier kein neues Thema. Wir besprechen das Thema regelmäßig, so wie es sich gehört, und zwar dort, wo es hingehört, nämlich im Parlament.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, während wir hier reden, läuft gerade in Hannover die Agritechnica, die Weltleitmesse für Landtechnik. Wenn man sich die Innovationen und die digitalen Anwendungen anschaut, ist das schon sehr beeindruckend.

Ich möchte hier heute eines gerne sagen: Die Landwirtschaft hier bei uns in Deutschland ist für mich der digitalisierteste Wirtschaftsbereich, den wir aktuell haben; da kommt kein anderer Wirtschaftsbereich mit. Das muss man einfach auch mal anerkennen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Man sieht auf der Agritechnica Roboter, die düngen und damit die Umwelt schonen, weil sie eben nicht überdüngen. Man sieht andere Roboter, die Unkraut jäten, was wiederum den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert. Man sieht intelligente Lösungen, die die Pflanzengesundheit in Echtzeit per Satellit untersuchen, die mit künstlicher Intelligenz, Agrardrohnen oder Cloud-Lösungen arbeiten. Alle Standplätze sind ausgebucht. Das zeigt, wie viel Innovation und Potenzial in diesem Sektor steckt, und es unterstreicht, welche Rolle die Landwirtschaft im Bereich Digitalisierung einnimmt, nämlich klar eine Vorreiterrolle.

Die Digitalisierung ist hierbei kein Selbstzweck; denn wir brauchen digitale Innovationen. Die Produktionssteigerungen sprechen eine eindeutige Sprache: Musste ein Landwirt im Jahre 1930 10 Menschen versorgen, so sind es heute bereits 155 und 2050 sogar 250 Menschen. Wir brauchen digitale Lösungen aber auch, liebe Kolleginnen und Kollegen, weil nur so Umweltschutz und die Versorgung mit Nahrungsmitteln Hand in Hand gehen können.

Der Antrag greift genau die Punkte auf, auf die es ankommt:

Ich nenne den Breitbandausbau und den Mobilfunkausbau. Nach wie vor liegen zu viele Orte in unseren ländlichen Regionen am digitalen Feldweg. Das muss sich ändern; hier müssen wir schneller und besser vorankommen.

Ich nenne die Einführung einer Agrar-Masterplattform; die Kollegen Connemann und Spiering sind schon darauf eingegangen, und der Kollege Ebner hat es eben auch erwähnt. Eine solche Plattform könnte Landwirte von einfachen Arbeitsaufgaben entlasten und parallel dazu sowohl die Produktqualität als auch die Sicherheit der Prozesse erhöhen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade bei Geo-, Wetter- und Satellitendaten halte ich persönlich eine Bereitstellung von öffentlichen Informationen im Sinne von Open Data und Open Source für unabdingbar.

(Carina Konrad [FDP]: Gibt es schon!)

Diese Daten müssen den Landwirtinnen und Landwirten kostenlos zur Verfügung gestellt werden. All das muss eben auch getestet werden.

(Manuel Höferlin [FDP]: Wir machen es einfach!)

Meine Kollegin Connemann ist auf die Probierfelder eingegangen. Wir haben hier in Berlin, aber auch darüber hinaus ganz viele Thinktanks, wo sich kluge Köpfe treffen, beraten und Ideen entwickeln. Aber diese Ideen müssen auch in die Praxis umgesetzt werden, und deswegen ist für mich die Einführung der Probierfelder, dieser Practice Tanks, ein wirklicher Meilenstein.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

In diesem Zusammenhang müssen wir unseren Bäuerinnen und Bauern aber auch eine Investitionssicherheit geben. Das alles kostet Geld, und die Landwirtinnen und Landwirte brauchen hier eben diese Investitionssicherheit, die dafür erforderlich ist.

Meine Damen und Herren, eine moderne und verantwortungsbewusste Landwirtschaft nutzt schon heute mit innovativer Landtechnik die begrenzten landwirtschaftlichen Flächen intelligent und bringt Ökonomie und Ökologie in Einklang. Helfen wir den Landwirtinnen und Landwirten, weiter aktiv zu gestalten und die Digitalisierung nutzbar zu machen! Angesichts der aktuellen Proteste vieler Landwirte sollten wir hierbei mehr mit- als übereinander sprechen. Wir brauchen mehr Kooperation als Gegeneinander;

(Carina Konrad [FDP]: Ihr müsstet einfach mal machen!)

denn wir haben hier doch sicherlich ein gemeinsames Ziel: Wir wollen, dass deutsche Landwirtschaft zukunftssicher und wettbewerbsfähig bleibt und weiterhin die besten und sichersten Lebensmittel der Welt produziert. Eines wollen wir aber nicht: dass der Landwirt irgendwann als der Sündenbock für alles beschrieben wird.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)