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(Quelle: picture alliance/ dpa )
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Jüdisches Leben in Deutschland schützen

Gedenken an den 9. November 1938

Der 9. November ist ein Schicksalstag der Deutschen. Neben dem Mauerfall von 1989 gedenken wir an diesem Tag auch der Opfer der Pogromnacht von 1938. Vor 77 Jahren gingen die Nationalsozialisten mit Verwüstungen von Synagogen zur offenen Gewalt gegen Juden über.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland und Österreich mehr als 1.300 Menschen getötet und mindestens 1.400 Synagogen zerstört.

Blicken wir heute zurück auf die schrecklichen Ereignisse, die mit dem Holocaust folgen sollten, auf das Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und die damals gerade zurückliegende Befreiung der Konzentrationslager, so ist es ein Wunder, dass unmittelbar darauf wieder jüdisches Leben in Deutschland entstand.

Fünf Jahre nach Kriegsende, 1950, gründete sich der Zentralrat der Juden. Zu dieser Zeit lebten ungefähr 15.000 Juden in Deutschland. Heute sind es wieder 100.000 Anhänger jüdischen Glaubens.

Gewalt gegen Juden nimmt zu

Der stellvertretende Unionsvorsitzende Franz Josef Jung warnt jedoch: Diese positive Entwicklung darf nicht darüber hinweg täuschen, dass es weiter und vermehrt antisemitisch motivierte Gewalt gegen Juden gibt.

Diese stieg - laut der der aktuellen Kriminalstatistik - allein 2014 um 25% und zeigt sich sehr vielfältig: Von antijüdischen Parolen auf Demonstrationen bis zu Hassbriefen und körperlicher Gewalt, wie sie im letzten Jahr auch der Rabbiner Daniel Alter in Berlin erleben musste. Diese Anfeindungen „dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben“, stellt Unionsvize Jung klar.

Auf einem Unionskongress zum Jüdischen Leben, der im Sommer in Berlin stattfand, hatte Jung zudem deutlich gemacht: Die Anfeindungen kämen nicht nur von Rechtsextremisten, sondern gingen ebenso von muslimischer Einwanderern aus. Hier gelte es gemeinsam Lösungen zu finden. 

50 Jahre diplomatische Beziehungen zu Israel

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder äußert sich immer wieder mit Freude über das wieder aufblühende jüdische Leben in Deutschland, schlägt aber auch nachdenkliche Töne an: „Es ist außergewöhnlich, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt. Wir alle sind in erster Linie Deutsche, und da ist es nicht zulässig, dass es Deutsche erster, zweiter oder dritter Klasse gibt. Wir dürfen nicht zulassen, dass Jude oder Muslim zu einem Schimpfwort wird!“

Existenzrecht Israels gehört zur deutschen Staatsräson

Antisemitismus müsse zudem immer klar als solcher benannt werden, um den Tendenzen auch in der Mitte der Gesellschaft vorzubeugen. An diejenigen, die ihre Zukunft in Deutschland suchen, richtet Kauder eine klare Botschaft:

„Wer Deutscher werden will, muss wissen, dass hier das Existenzrecht Israels zur Staatsräson gehört.“